Peter Lorange scheint den Song von Udo Jürgens «Mit 66 Jahren fängt das Leben an» öfters vor sich hingesummt zu haben. Denn exakt in diesem Alter hat er die Graduate School of Business Administration (GSBA) in Horgen ZH gekauft - anstatt wie viele seiner Kollegen, die mit 65 Jahren beim IMD in Rente geschickt werden, Golf zu spielen oder auf Kreuzfahrten zu gehen.

Das ist gar nicht nach seinem Geschmack. Er will den Prototyp einer neuen Business School entwickeln. Auch wenn die meisten Freunde nur den Kopf schütteln, bleibt Lorange dabei: «Ich finde, dass die Zeit dazu reif war.»

Obwohl die offizielle Pressemeldung verlauten lässt, dass Lorange beabsichtigt, die bewährte Strategie der GSBA fortzusetzen und weiter zu entwickeln, verfolgt er noch ganz andere Ziele. Aus seiner Sicht besteht an vielen Universitäten schon viel zu lange eine Silomentalität. «Viele heutige Probleme benötigen dringend übergreifende Massnahmen, aber die Struktur an vielen Business Schools hat das meistens verhindert.»

Die Lösung sieht er darin, die Probleme aus der Sicht der Unternehmen und nicht der Fakultät anzugehen. Eine Einstellung, die einige Universitäten auf die Palme bringen dürfte. «Vielleicht ist es ein grosser Gewinn, wenn wir einem Unternehmen sagen, wel-ches Programm oder Seminar es braucht, um erfolgreich zu sein. Wir werden dazu den Professor suchen, der das umsetzt.» Doch Lorange möchte nicht als «enfant terrible» gelten. Er will den Universitäten eine «bedeutende» Summe zurückzahlen, aber auch die Mitglieder der Fakultäten für ihre aufgewendete Zeit entlöhnen.

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Keine Vollzeit-Fakultät mehr

Loranges Blick in die Zukunft: «Es sollte im MBA-Sektor keine Vollzeit-Fakultät mehr geben, besser sind Fakultäts-Teams, welche die besten Kurse bieten. Die international aufgestellte, interdisziplinär fokussierte und unabhängige GSBA ist dafür prädestiniert, eine führende Rolle bei der Entwicklung des Prototyps einer erfolgreichen Business School der nächsten Generation zu übernehmen.» Es könnte sein, dass sich Vertreter vom klassischen Typ bedroht fühlten. Er fügt hinzu: «Meine Legitimation können sie jedoch nicht angreifen. Schliesslich habe ich sechs Ehrendoktor-Hüte.»Albert Stähli führte die GSBA eher wie ein gewiefter Geschäftsmann. Peter Lorange steigt als Wissenschafter und als ehemaliger Präsident der School of Management in Norwegen sowie als ehemaliger Professor an der Wharton School und der Sloan School mit einem komplexeren Blick für Zusammenhänge in den Ring.

Dass Lorange ein weltweit anerkanntes Institut wie das IMD 15 Jahre lang höchst profitabel führen konnte, zeigt die Bilanz bei seinem Abschied vor eineinhalb Jahren in Lausanne: Er hat den Gewinn verdreifacht und den übernommenen Schuldenberg abgebaut.

Konsequenterweise will er auch die nun erworbene GSBA profitorientiert ausrichten. Weil sie eine Stiftung ist, hat er bei seinem Einstieg das Präsidium des Stiftungsrates übernommen und ist damit allen Fragen zuvorgekommen, wie es möglich sei, eine Stiftung zu kaufen. In der «Financial Times» vom 27. Juli 2009 war zu lesen, dass er den Erwerb der GSBA mit dem vor 19 Monaten stattgefundenen Verkauf seiner in Norwegen ansässigen Shipping Company finanziert hat. Der Erlös laut «Financial Times» betrug 83,7 Mio Euro.

Rasch zu einer Akkreditierung

Qualität gelte es in allen relevanten Bereichen der Wertschöpfungskette der GSBA sicherzustellen und zu optimieren, so Lorange. Dazu gehören anspruchsvolle Bestimmungen bei den Zulassungen und Prüfungen, die bestmögliche Fakultät für Lehre und Forschung sowie die Überwachung des Unterrichts. Für den Norweger steht das Problem der Akkreditierung mit zuoberst auf der Prioritäten- liste. Er ist zuversichtlich, dass sein grosses Netzwerk ihm Zutritt dazu verschaffen wird. Inzwischen haben Vertreter von EQUIS, welche die wichtige europäische Akkreditierung für MBA-Programme vergibt, die Ausbildungsstätte am Zürichsee besucht. «Weil die GSBA aber ganz anders als andere etablierten Business Schools dasteht, ist das vielleicht nicht ganz so einfach», so der neue Besitzer.

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