Wie sie selber wohnt, möchten wir gern wissen. «Treffen wir uns um acht Uhr abends an der Gerechtigkeitsgasse 25 in Bern», schlägt sie vor. Ob sie denn dort wohne, die Frage amüsiert sie. So könne man das nennen. Manchmal wisse sie nicht mehr so genau, wo sie daheim sei. «Immer dort, wo man sich wohl fühlt!», schiebt sie nach. Und so sei das auch an ihrem Arbeitsort. Dort ist sie umgeben von den schönsten Dingen zum Einrichten. Im Teo-Jakob-Team fühle sie sich wie in einer Familie. Die gemeinsamen Banden sind die Neugier für Innovatives, das Gespür für das Wahre, die Liebe zur zeitgenössischen Kunst und die Leidenschaft für all die schönen Dinge zum Wohnen.

Es ist wie beim Wohnen! Die Vorlieben sind verschieden. Für die Lauben der Berner Altstadt kann man schwärmen, oder auch nicht. Die Basler Schriftstellerin Nicole Müller spricht von den «Laufställen der Historie». Nicht ganz zu Unrecht. Wer moderne Offenheit sucht, kann sich in den alten Laubengängen beengt fühlen. Besonders im ältesten Teil der mittelalterlichen Altstadt. Nach Feierabend ist es in den Lauben kaum noch belebt. Es ist düster, man fühlt sich allein. Umso kontrastreicher strahlen dort seit über fünfzig Jahren die hell erleuchteten Schaufenster von Teo Jakob. Selbst wer mit zeitgenössischen Einrichtungen noch nichts anfangen kann, bleibt stehen. Das Licht wirkt anziehend, aber auch die höchst professionell gestaltete Ausstellung.

Nur das Echte überdauert

Durch die Fensterscheiben sieht man bis tief ins Altstadthaus hinein. Noch wird gearbeitet oder besser ­ bei freundschaftlicher Atmosphäre werden gemeinsam mit den Kunden gute Lösungen gesucht. Zum Beispiel einen grösseren Tisch für das Esszimmer. Ob dieser wohl passt, er sich mit den bisherigen Stühlen verträgt? Oder ob man auch diese auswechseln müsste? Rosmarie Horn wehrt ab: «Ihre Stühle sind doch bequem, zudem erst noch moderne Klassiker. Sie sollten bleiben.» Aber der Raum, ist der nicht zu klein? Man ist unsicher. Kein Problem, sie werde sich die Situation vor Ort anschauen, und gemeinsam werde man bestimmt den richtigen Tisch finden. Teo Jakob vertritt sämtliche zeitgenössischen Möbelkollektionen von internationalem Rang.

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Es ist bald neun Uhr abends. Trotz des langen Arbeitstages wirkt Rosmarie Horn frisch und aufgekratzt. «Es macht mir Spass», sagt die ehemalige Bäckerstochter, die schon in jungen Jahren im elterlichen Betrieb mit anpacken musste. Schon damals habe sie begriffen, dass sich appetitlich arrangiertes Gebäck besser verkauft, als ungeordnetes am Haufen. So sei es doch auch beim Einrichten. «Das schönste Stück am falschen Ort verdirbt das ganze Ambiente.» Die Fachfrau ist engagiert. Der Titel «Innenarchitektin» steht ihr zu. Nicht als Absolventin eines theoretischen Lehrgangs mit Diplom, sondern durch das «Learning-by-doing» mit besten Kundenreferenzen. Seit über zwanzig Jahren gehört sie hier zum Beraterteam. Gerne hat sie sich vom «feu sacré» für das Echte und Schöne anstecken lassen, und lustvoll gibt sie diese Passion weiter. Sie liebt ihre Arbeit, spricht von persönlicher Bereicherung, von Lebensqualität. «Gemeinsam mit Kundinnen und Kunden suchen wir nach ganz persönlichen Wohnlösungen», sagt sie. Dies entspricht ihr, ist hier auch Firmenphilosophie.

Wer sich daheim wohl fühlt, wohnt gut

Wie sieht es bei ihr daheim aus. Nichts von Müdigkeit nach dem langen Arbeitstag ist ihr anzumerken. Im Gegenteil, Unternehmenslust steht ihr ins Gesicht geschrieben. Sie habe keine Villa, sagt sie ohne Bedauern. Ihre «Casa» bestehe aus vier Zimmern in zwei Wohnungen unter verschiedenen Dächern. «Gehen wir. Zuerst an die Junkerngasse ein paar Schritte von hier.» Dort sei der Wohnteil ihres Mannes mit seinem Büro und dem Garten. Johann Horn ist als freischaffender Maschineningenieur im Auftrag der Industrie erfinderisch tätig. «Danach gehen wir zu mir ein paar hundert Meter weiter an die Postgasse und machen es uns dort gemütlich.» Johanns Hälfte liege südseitig auf der Sonnenseite der Berner Aareschlaufe, die ihre nordseitig auf der Schattenseite. Was keineswegs heisse, dass sie auf der Schattenseite des Lebens stehe, im Gegenteil. Das Schicksal habe es gut mit ihr gemeint. «Wir wohnen seit über zwanzig Jahren an der Postgasse. Dort fühle ich mich wohl.»

Dass zwei kleine Wohnungen in einem Haus zusammengelegt werden, ist nicht ungewöhnlich. Doch in diesem Fall liegt eine ganze Gasse samt zwei Häuserzeilen dazwischen. Rosmarie und Johann Horn leben zusammen und wohnen getrennt. Was als vorläufiges Provisorium gedacht war, hat sich für beide bewährt. Sie leben im beruflichen Alltag auf Distanz und verbringen gemeinsam die Freizeit. An der Postgasse kochen und essen sie, an der Junkerngasse sitzen sie im Garten und geniessen die Aussicht über die Dächer hinunter zur Aare. Der Wohnraum mit dem alten Parkett und den Terrassentüren ist nur mit dem Notwendigen ausgestattet: Mit Tisch und Stühlen, einer Liege, dem Sideboard. Das Wichtigste hier sei für ihn der Flügel. Beim Musizieren erhole er sich von konzentrierten Arbeitsstunden am Computer, könne dabei manchmal auch den Kopf freispielen und andere Lösungswege finden. Das gelte aber auch beim Musik hören, ob bei Improvisationen des Jazzpianisten Keith Jarrett oder auch bei Klassischem. Da könne man wegtauchen, andere Dimensionen erfahren. Das Ehepaar Horn ist sich einig, Musik brauchen sie in beiden Wohnteilen.

Gute Wohnzutaten sind immer auch Geschichten

Dem Vergleich zur vornehmen Junkerngasse mit ihren feudalen Stadthäusern kann die Postgasse mit ihren schmalen Hausteilen nicht standhalten. Doch das Wohnen hier hat andere Qualitäten. Die Postgasse des alten Berns gehörte zum armen Quartier der Handwerker und Lohnnehmer. «Sid dr öpper oder nähmet dr Lohn?», pflegte die legendäre Madame de Meuron jeweils zu fragen. Und je nach Antwort war man genehm, oder auch nicht. Die Lohnnehmer, die heute hier wohnen, gehören nicht mehr zu den Armen.

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Die Wohnungen in der Berner Altstadt sind rar und begehrt. Wer endlich eine hat, lässt sie nicht so rasch wieder los. Die Häuser zeugen von Vergangenheit, die Räume sind nie langweilig genormt, sie verlangen nach individuellen Einrichtungen. Genau darin liegt der Reiz. Wir sind mit Rosmarie Horn das enge Treppenhaus hochgestiegen. Trotz spärlicher Beleuchtung kann es sein Alter nicht verleugnen. Doch die verwohnte Patina hat weit mehr Charme, als all die trostlosen Treppenaufgänge anonymer Wohnblocks. Hier dient das Treppenhaus sowohl allgemeinem wie ganz privatem Nutzen. Nicht nur steigt man über Treppen von Stockwerk zu Stockwerk, das Treppenpodest dient der Wohnung wie ein Korridor, der Wohnraum und Küche mit Schlafzimmer und Bad verbindet. Denn zwischen dem privaten Wohn- und Schlafbereich liegt das halböffentliche Treppenhaus. So lebt man mit zwei Wohneingängen, und wenn man ins Bett geht, braucht man den Schlüssel.

Nach dem schummerigen Treppenhaus wird man hinter der Wohnungstür von einem hellen Interieur überrascht. Links neben dem Eingang entdeckt man die modernste Küche, der sanfte Schimmer der Aluminiumfronten verleiht ihr gewisse Leichtigkeit. Der schmale Gang führt in den Wohnraum. Seine Grösse verdankt er nicht der Quadratmeterzahl, seine Grösse ist eine rein optische. Nichts Überflüssiges verstellt den Raum. Der halbrunde Gläserschrank, ein Entwurf der Schweizer Trix und Robert Haussmann, wirkt leicht und elegant. Auf eine Polstergruppe kann man in einem Zwei-Personen-Haushalt verzichten. Dafür stehen beim Fenster zwei bequeme Sitzgelegenheiten. «Die Récamière ist unser ältestes Stück, das einzige, das nicht aus einer der Kollektionen von Teo Jakob ist.» Es stamme noch von vorher, gehöre zur persönlichen Wohngeschichte, so Rosmarie Horn.

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Raffiniertes Detail im Einrichtungskonzept: Es gibt zwei identische Tische, die längsseitig auf die Hälfte ihrer Schmalseite zusammenklappbar sind. Der eine steht offen im Raum und wird täglich benutzt, der zweite ist geschlossen an der Wand, wo er als Ablage dient. Bei Bedarf wird er abgeräumt, aufgeklappt und zum andern Tisch geschoben. Gemeinsam werden sie zur grossen Tafel für mindestens zwölf Gäste. Highlights sind die Bilder an den Wänden. Sie zeugen von Kunstverständnis, geben dem Raum Individualität. «Wer bei uns tätig ist, lebt immer auch mit zeitgenössischer Kunst», sagt Horn. Die wechselnden Wohnausstellungen sind immer auch Kunstausstellungen. «Ohne Kunst ist um mich das Leben fad», so das Vermächtnis des Firmengründers Teo Jakob (1923­2000). Seine umfangreiche Kunstsammlung wird inzwischen in einer Stiftung betreut. An der Wand hinter den Lautsprecherboxen hängt eine Serie von fünf Bildern. Haben wir diese nicht auch an der Junkerngasse gesehen? Sie seien aus einer Mappe mit zehn Arbeiten von Rolf Lehmann. Fünf in diesem Wohnteil und fünf dort. Kunst verbindet!