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Portrait
Xavier Niel: Orange-Besitzer und «Peepshow-Typ»

Xavier Niel: Seit 2012 mischt er den Markt gehörig auf.  Bloomberg

Der neue Besitzer von Orange Schweiz, Xavier Niel, ist begnadeter Techniker und eine schillernde Figur. Die französische Branche hat er bereits durchgerüttelt. Was erwartet die Schweiz?

Veröffentlicht am 18.12.2014

Der Telekom-Milliardär Xavier Niel musste in seiner Heimat Frankreich lange um Anerkennung kämpfen: Gross geworden in bescheidenen Verhältnissen, war er später Hacker, Uni-Abbrecher und Sexshop-Betreiber. Kein Lebenslauf, mit dem man in den traditionell abgeschotteten Machtzirkeln der Grande Nation schnell Freunde findet.

Doch der 47-Jährige zeigte es allen und mischte den verkrusteten französischen Telekom-Markt mit einer Preisbrecher-Strategie auf, die ihm viel Geld einbrachte. Er ist als «Steve Jobs Frankreichs» bekannt und investiert in viele Startup-Unternehmen.

Sein jüngster Coup: Für 2,8 Milliarden Franken kauft Niel den Schweizer Mobilfunker Orange und entert damit die Eidgenossenschaft. Die Kaufankündigung schickte die Aktien des Branchenprimus Swisscom gleich auf Tauchfahrt. Die Telekomtitel verloren weit über fünf Prozent. Händler sprachen davon, dass der neue Orange-Besitzer einen ähnlichen Schock auf dem Schweizer Markt auslösen werde, wie ihn die französische Branche erlebt hat. Im Nachbarland hat sich Niel mit der Billigstrategie «Free» aus dem Stand heraus einen Mobilfunk-Marktanteil von 14 Prozent gesichert.

Mit Billigstrategie zum Erfolg

Niels Weg an die Spitze war unkonventionell: Zu Beginn der 80er-Jahre arbeitete er mit einem altern Sinclair ZX81, entdeckte sein Programmiertalent und heuerte beim französischen Internet-Vorläufer Minitel an. Für den erotischen Teil dieses Datennetzes mit dem Namen «Minitel Rose» ging er mit eigenen Diensten an den Start. In den Jahren darauf investierte er auch in Sexshops.

Die frühe Karriere prägte jahrzehntelang seinen Ruf als schillernde Persönlichkeit: Der ehemalige französische Präsident Nicolas Sarkozy nannte Niel deshalb den «Peepshow-Typen». 1993 gründete Niel dann mit Worldnet den ersten Internet-Zugangsanbieter Frankreichs. Neun Jahre später eroberte er den französischen Markt für schnelles Internet, Telefon und Fernsehen. Die Dienste bot er damals im Paket über eine eigene Settop-Box – die Freebox – für umgerechnet 30 Euro im Monat an.

«Peepshow-Typ», «Zigeuner»

Seit 2012 mischt Niel mit der Firma Iliad unter der Marke «Free» zusätzlich auch den Mobilfunkmarkt auf und unterbietet die Tarife der Marktführer deutlich. Für Martin Bouygues, Chef des gleichnamigen Mobilfunk-Rivalen, war das seinerzeit eine Frechheit: «Ich habe keine Absicht, die Zigeuner auf den Rasen meines Schlosses zu lassen.»

Der «Zigeneuer» lebt mittlerweile allerdings gesitttet: Zusammen mit drei Kindern und seiner Partnerin Delphine Arnault, die aus einer der reichsten Familien Frankreichs stammt, wohnt er in einem der teuersten und konservativsten Viertel von Paris. Sein Vermögen wird auf 9,5 Milliarden Dollar geschätzt.

Tiefstpreis-Strategie nicht im Sinne von Orange

Aber wird Niel nun tatsächlich den Schweizer Markt umkrempeln? Ralf-Beyeler, Telekom-Experte des Internetvergleichdienstes comparis.ch, gibt sich eher skeptisch.

In Frankreich bietet «Free» derzeit folgende Pakete an: Zwei Stunden telefonieren und unbeschränkt SMS und MMS für monatlich Zwei Euro. Ausserdem erhält man für 20 Euro pro Monat ein Paket mit Gratis-Telefonie innerhalb Frankreichs und ins Festnetz von 100 Ländern. Enthalten sind auch bis zu 20 Gigabyte Daten. «Würde Orange mit einem solchen Angebot auf den Schweizer Markt kommen, würde dies bei der Konkurrenz tatsächlich einen Schock auslösen», sagt Beyeler.

Gleichzeitig weist er darauf hin, dass es selbst mit tiefen Preisen in der Schweiz eher schwierig ist, den Marktanteil signifikant zu erhöhen. «Der Schweizer Markt ist extrem träge. Es ist nicht zu erwarten, dass Swisscom jetzt zittern muss: Weil nur wenige Kunden den Anbieter wechseln», sagt der Telecom-Experte. «Orange würde mit einer solchen Massnahme lediglich seinen eigenen Umsatz und Gewinn schmälern.»

(ise, mit material von Reuters)

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