Die Meldung erreicht die Schweizer Möbelwirtschaft wie ein Paukenschlag: Das Traditionshaus Möbel Pfister wird verkauft: An die XXXLutz Gruppe aus Wels in Oberösterreich, das drittgrösste Möbelhaus der Welt hinter Ikea und Steinhoff. Wie viel der Möbelgigant aus der Alpenrepublik zahlt, ist unbekannt. Genauso unklar bleibt, wie das Gehirn der Übernahme tickt: der promovierte Jurist, Gründer und Mehrheitseigner von XXXLutz, Andreas Seifert.

Kaum jemand kennt ihn, weiss, wie er aussieht, oder hat ihn je gesehen. Stets auf seine Privatsphäre bedacht, scheut Seifert die Fotografen wie der Teufel das Weihwasser. Bei Gerichtsterminen hält er sich Akten vors Gesicht, bloss keine Bilder. Der 64-jährige Möbelmogul hat in den vergangenen Jahren einen mächtigen Konzern in der Möbelbranche geformt: 4,4 Milliarden Euro Umsatz, mehr als 22' 000 Mitarbei­tende, 297 Filialen.

Vom Möbelhändler zum Finanzminister

Ein Weggefährte Seiferts erzählt der «Handelszeitung», dass dieser gerne unbekümmert beim Tante-Emma-Laden um die Ecke in seinem Heimatort einkaufen geht. Ohne dass die Öffentlichkeit Notiz von ihm nimmt, die nicht ahnt, dass es sich bei ihm um den grössten heimischen Möbelmultimillionär mit guten Verbindungen bis ins österreichische Kanzleramt handelt. Der einstige Finanzminister der Vorgängerregierung von Bundeskanzler Sebastian Kurz, Hans Jörg Schelling, war bis zu seinem Amtsantritt Leiter der Möbelgruppe.

Ein Deal in XXXL

Der Kauf von Pfister durch XXXLutz wird den Schweizer Möbelhandel auf den Kopf stellen: Den Kommentar zur Übernahme finden Sie hier.

Trotz Geheimniskrämerei des öster­reichischen «Möbelphantoms» mit einem geschätzten Vermögen von 650 Millionen Euro kursieren einige Attribute hinsichtlich seiner Art: «ruhig», «glaubwürdig», «redlich», ein Unternehmer mit «Handschlagqualität» – das jedenfalls attestieren ihm Brancheninsider.

Streitereien vor Gericht

Aber auch Bezeichnungen wie «harter Hund» und «unnachgiebig bis zur Sturheit» machen die Runde. Streitereien vor Gericht und mit Arbeitnehmervertretern in ganz Europa säumen seinen Weg. Darüber spricht Seifert allerdings nicht so gerne. Austragen lässt er die Konflikte über seinen Statthalter und Sprecher Thomas Sa­liger, der in seiner Eigenschaft als vermeintlicher Eigentümer von XXXLutz oft mit Seifert verwechselt wird. Saliger ist nicht nur Seiferts Sprecher, sondern auch sein Erfüllungsgehilfe, der Mann für Frohbotschaften über Expansionserfolge wie auch für Zeiten, in denen es Ärger gibt. Früher war Richard Seifert, Andreas Seiferts Bruder, sein engster Weggefährte. Er starb im Jahr 2017.

Auch danach pflastern Auseinandersetzungen den Weg des reservierten Firmeneigners. So gab es 2018 Wirbel wegen der Übernahme der deutschen Möbelkette Poco. Poco gehörte zur Hälfte XXXLutz, die andere Hälfte hielt der südafrikanisch-niederländische Handelsriese Steinhoff. Nach einem eskalierenden Streit mit dessen Chef Markus Jooste, mit dem Seifert zuvor jahrelang befreundet war, kam es im April 2018 zu einem Vergleich vor Gericht.

Das Ergebnis: XXXLutz übernahm 8000 Mitarbeitende und 123 Möbelhäuser. Auch Streit mit Gewerkschaften stand auf der Tagesordnung. Etwa wegen der Standortschliessung in München. Oder als in Mannheim 99 Mitarbeitende ohne Vorankündigung gefeuert wurden.

Andreas Seifert schweigt

In der Schweiz soll es laut XXXLutz aber nichts ähnlich Grobes geben. 2018 eröffnete XXXLutz die erste Filiale im aargauischen Rothrist. Nun kommt Pfister hinzu. Für die Mitarbeitenden würde sich durch den Verkauf nichts ändern, teilt Pfister mit: «Es wird zu keinen Entlassungen kommen.» Eine Garantie gibt es dafür freilich nicht. Seifert tut, was er am besten kann: Er schweigt.

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