Der Verdrängungskampf auf dem Schweizer Möbelmarkt setzt sich fort: Der österreichische Möbelgigant XXXLutz kauft die Pfister-Gruppe. Nur ein Jahr nach dem Start in der Schweiz wird XXXLutz damit zu einem Schwergewicht im Möbelmarkt.

XXXLutz führt derzeit eine Filiale in Rothrist und wird 2021 einen zweiten Standort in Affoltern am Albis eröffnen. Das Ziel ist ein Netz von zehn Häusern, allein im Raum Zürich sollen zwei bis drei weitere Ableger entstehen. Durch den heutigen Kauf der Pfister-Unternehmen stossen 1200 Mitarbeiter und 24 Standorte von Möbel Pfister, Möbel Hubacher, Egger und Sovoboda hinzu. Jede der Marken soll eigenständig bleiben.

Die klare Nummer zwei

Pfister und XXXLutz sind die klare Nummer zwei hinter Ikea – und kommt dem Ziel etwas näher, den schwedischen Konzern hierzulande zu überholen. Ikea Schweiz setzt mit neun Filialen über 1,1 Milliarden Franken um. Möbel Lutz dürfte mit der einen Filiale laut Schätzung der «Bilanz» knapp 40 Millionen Franken erwirtschaften, die Verkäufe der Unternehmen von Pfister belaufen sich auf schätzungsweise 600 Millionen Franken.

XXXLutz will in einem Markt wachsen, der schrumpft: Letztes Jahr sank der Branchenumsatz laut den Marktforschern von GfK um ein Prozent auf 5,2 Milliarden Franken, 2017 betrug das Minus zwei Prozent. «Die ganze Branche hat ein Problem. Es laufen Rabattschlachten und es herrscht ein Konsolidierungsprozess», sagt Hannes Vifian, Präsident des Branchenverbandes Möbelschweiz. Viele Anbieter darben, etwa Interio – die Besitzerin Migros will das serbelnde Unternehmen verkaufen.

Angriff auf Ikea in Deutschland

XXXLutz wächst nicht nur in der Schweiz aggressiv. Auch in Deutschland will der Konzern Ikea überholen. Seit Jahren kaufen die Österreicher dort Unternehmen auf, zuletzt in diesem Monat: XXXLutz übernahm 50 Prozent am fünfgrössten deutschen Möbelhändler Möbel Roller und Tejo/Schulenburg. Ikea kommt in Deutschland auf fünf Milliarden Euro, XXXLutz setzt laut Schätzung der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung» 3,8 Milliarden Euro um.

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Hinter dem verschwiegenen Konzern aus Oberöstereich steckt die Familie von Patron Andreas Seifert. Er hat gemeinsam mit seinem verstorbenen Bruder aus dem 1945 von der Mutter gegründeten Unternehmen ein in zwölf Ländern tätigen Konzern mit 4,4 Milliarden Euro Umsatz gemacht.

Die europäische Expansion treibt XXXLutz auch über seinen Einkaufsverbund Giga an: Mit dieser Organisation spielt der Konzern seine Marktmacht aus. Giga kauft die Möbel für sämtliche Unternehmen - gut möglich, dass auch Möbel Pfister diesem Verbund beitreten wird.

(mbü)