Trotz Rezession bewegt sich Manor in Europa auf forschem Expansionskurs. Nachdem die Schweizer bereits im letzten Jahr in der grössten holländischen Warenhauskette Vroom & Dressmann mit sieben Shops-in-Shop ihrer Marke «Yes or No» Fuss gefasst haben, sind nun im 1. Semester dieses Jahres zehn weitere und im zweiten Halbjahr 13 zusätzliche Eröffnungen geplant.

«No» für eigene China-Boutiquen

Umgekehrt hat Manor im vergangenen Jahr ihre 15 Boutiquen in Schanghai geschlossen und will sich in China ganz auf die Warenbeschaffung konzentrieren. Anders als in Holland wurden die Manor-Boutiquen in China in eigener Regie mit eigenem Personal geführt. Das Geschäftsrisiko lag damit ganz bei Manor. Mit der «äusserst schwierigen Retailmarktsituation in China» begründet Manor den Rückzug aus dem Boutiquegeschäft in Schanghai.

In der Warenbeschaffung bleibt Manor in China jedoch stark. Diese befindet sich seit Jahren in einer starken Wachstumsphase. Bereits über 100 Angestellte arbeiten in Schanghai im Bereich Sourcing. Sie sind in Kontakt mit Lieferanten, kontrollieren Waren und verschiffen diese. Neuerdings auch Ware nach Holland.

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In Holland nur noch Lieferant

Manor hat aus den Schwierigkeiten in China gelernt. Auf dem holländischen Markt treten die Schweizer im Stile von Franchising nur noch als Lieferanten ihrer «Yes or No»-Linie auf: Während Manor die Marke und das Konzept des Shop-in-Shops garantiert, trägt der holländische Warenhausbetreiber das Risiko über Verkauf und Absatz der Modeware. Vroom & Dressmann führt den Verkauf in ihren Warenhäusern in Eigenregie. Manor sieht ihr Modell in den Niederlanden als Pilotversuch für Europa an. Die Holländer sind modebewusst - nicht von ungefähr zählen niederländische Modedesigner zur Modeavantgarde in Europa und gewinnen immer wieder Preise.

«Yes or No» ist laut Angaben von Manor eine Lifestylemarke, die sich vor allem an Teens und Twens richtet. Das Sortiment umfasst Kleider wie Jeans, T-Shirts, Jacken, Pullover, Blusen, Shirts und Shorts. «‹Yes or No› lässt Spielraum für Träume, Fantasie und Kreativität», steht auf der Manor-Homepage. Eine Botschaft, die wohl für die gesamte Warenhauskette gilt.

Die von Stars aus der Music- und Fashion-Szene inspirierte Modelinie wird nach wie vor hauptsächlich in China produziert. Was nach den verschiedenen dortigen Produktionsskandalen nicht über jeden Verdacht erhaben ist.

Manor jedoch betont, dass sich ihre Lieferanten an hohe ethische und soziale Standards halten müssen. Dazu wurde ein detaillierter Verhaltenskodex aufgestellt: Es muss beispielsweise «ein angemessenes Existenzminimum» bezahlt werden, die Arbeiter müssen das Recht auf Gewerkschaftsbildung besitzen, die Überzeit darf nicht mehr als zwölf Stunden pro Woche betragen und Kinderarbeit unter 15 Jahren ist verboten.

Auch die Kontrolle dieses Verhaltenskodex ist Manor wichtig. So behält sich Manor das Recht vor, jederzeit unangekündigte Inspektionen durchzuführen. «Diese Inspektionen können auch durch unabhängige Drittparteien durchgeführt werden.»

Mehr Ware verbilligt den Einkauf

In der Schweiz steigerten die Manor-Warenhäuser letztes Jahr ihren Umsatz um 3,2% auf 2,986 Mrd Fr. Mit 72 Geschäften hält die private Kette schätzungsweise 58% Marktanteil im Schweizer Warenhausgeschäft. Im Ausland sollen keine eigenen Warenhäuser eröffnet werden. Aber mit der Fokussierung auf die Warenbeschaffung können Kosten beim globalen Einkauf gesenkt werden. Denn Manor arbeitet im Kleidereinkauf nicht mit Einkaufsgemeinschaften zusammen.Angesichts des gesättigten Schweizer Marktes sucht Manor wie andere Schweizer Detaillisten das Heil im Export. So möchte Migros vor allem mit ihrer Industrie im Ausland zulegen, während Coop mit Partner Rewe stark auf die Gastrobelieferung im Ausland setzt. Manor dagegen will das Geschäft mit dem Export erfolgreicher Markenlinien und mit der Lieferung von Textilien ankurbeln.