Fehlende Zähne können ersetzt werden, besonders Brücken sind weit verbreitet. Doch Ästhetik und Dauerhaftigkeit dieser hängenden Kunstzähne lassen oft zu wünschen übrig. Immer mehr Patienten entscheiden sich daher für Implantate: Direkt in den Kiefer einwachsende Titanschrauben oder -stifte mit aufgesetzter Krone. Obwohl Implantate deutlich teurer sind als herkömmliche Lösungen 6000 statt 4000 Fr. für eine dreigliedrige Brücke , nimmt die Nachfrage weltweit jährlich um 15 bis 18% zu.

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Entsprechend konnte Marktleader Nobel Biocare in Zürich im Geschäftsjahr 2004 einen Umsatz von 388 Mio Euro (+22% in lokalen Währungen) erwirtschaften und den Reingewinn um ein Drittel auf 96 Mio Euro steigern. Für 2005 wird erneut eine Umsatzsteigerung im selben Ausmass angestrebt. Auch beim Hauptkonkurrenten, der Basler Firma Straumann, klingeln die Kassen. Das Umsatzwachstum für 2004 wird auf 26% in lokalen Währungen veranschlagt. Dazu CEO Gilbert Achermann: «Unser Ziel ist es, auch weiterhin schneller als der Markt zu wachsen.»

Glänzende Perspektiven

Da erst 7% des Zahnersatz-Marktes durch Implantate abgedeckt werden, können die Hersteller in allen Regionen und Kundensegmenten expandieren. Ein starker Nachfrageschub wird in Deutschland erwartet, wo sich die Krankenkassen seit Anfang Jahr mit 350 Euro an implantatgetragenen Kronen beteiligen. Achermann sieht die Herausforderung für die Branche darin, den Markt zu vergrössern, die herkömmlichen Behandlungsformen abzulösen und den implantatgetragenen Zahnersatz als «Standard of Care» durchzusetzen.

Noch ist Europa der Hauptabsatzmarkt, doch Nordamerika verspricht das grösste Wachstumspotenzial. Generell sorgt die demographische Entwicklung in allen Industrieländern für glänzende Perspektiven, da immer mehr alte Menschen künstliche Zähne brauchen. Zudem wollen die Implantat-Hersteller das Geschäft vermehrt auch in den Schwellenländern in Schwung bringen: Straumann hat Anfang Jahr nach Australien, Nobel Biocare nach Indien expandiert.

Fokus auf die Zahnärzte

In Zukunft sollen auch Schönheitsbedürfnisse vermehrt mit Implantaten befriedigt werden: «Mit kosmetischer Chirurgie hofft die Zahnimplantat-Industrie, jüngere Kundensegmente ansprechen zu können», erklärt Christoph Gubler, Finanzanalyst bei LODH. In diesem Bereich habe sich Nobel Biocare mit speziellen Implantaten, Straumann mit der kürzlichen Übernahme der auf dentale Gewebe-Regeneration spezialisierten schwedischen Biora Group gut positioniert. «Im biologischen Bereich wird Nobel Biocare nachziehen müssen», prophezeit Gubler.

Vorläufig ist das Wissen um die kosmetischen Möglichkeiten der Zahnimplantat-Technik in der Bevölkerung noch wenig verbreitet. Direct-to-Consumer-Werbung, wie sie Nobel Biocare verstärkt betreiben will, soll den Durchbruch bringen.

Im Moment fokussieren die PR-Anstrengungen der Branche allerdings mehr auf die Zahnärzte als auf die Endkunden. Denn wie die European Association of Dental Implantologists konstatiert, gibt es nach wie vor viele Zahnärzte, die über das Implantatverfahren nicht Bescheid wissen. Hier liegt das Nadelöhr für den Marktzugang. Deshalb umwirbt die Implantat-Industrie die bohrende Zunft mit einem ständig wachsenden Informations- und Schulungsangebot: «Wir konnten die Teilnehmerzahlen an unsern Ausbildungsveranstaltungen im letzten Jahr von 110000 auf 165000 steigern», erklärt etwa Süha Demokan, Head of Investor Relations bei Nobel Biocare. Ziel sei nicht, dass alle allgemeinpraktizierenden Zahnärzte selbst Implantate einsetzten: «Aber die Zahnärzte sollen das Verfahren kennen und ihre Patienten darüber informieren», so Demokan.