Rund 13 Mrd Zigaretten werden in der Schweiz jährlich geraucht - und zwar wegen der Rauchverbote in vielen Lokale nimmer häufiger im Freien. Ist beim Verglimmen kein Aschenbecher in Reichweite, werfen die Raucherinnen und Raucher die Zigarettenkippen achtlos weg.

Diese bilden inzwischen eines der wesentlichen Littering-Probleme, wie regelmässige Sauberkeitserhebungen in den grösseren Städten klar belegen. Trotz ihrer geringen Grösse sind die Überreste des Nikotinvergnügens nach Take-away-Verpackungen und Gratiszeitungen die drittgrösste Verschmutzungskategorie im öffentlichen Raum. Und sie häufen sich überall dort, wo die Leute warten, also an Tram- und Bushaltestellen, vor Bahnhöfen und öffentlichen Gebäuden.

Hohe Kosten und Imageschaden

Bei den SBB etwa liegen seit dem Rauchverbot in den Zügen und Bahnhöfen viel mehr Zigarettenstummel auf den Gleisen herum, denn geraucht wird jetzt vor allem auf den Perrons. Dort haben die SBB zwar in den letzten Jahren Tausende zusätzliche Aschenbecher und Abfalleimer installiert, was aber offensichtlich wenig fruchtet. Die Bahnbetreiber kommen nicht darum herum, die Zigarettenkippen regelmässig einsammeln zu lassen, da diese sonst das Schotterbett verdichten. Das verursacht jährlich Reinigungskosten von 3 Mio Fr. «Zudem ist ein von Zigarettenstummeln übersätes Schotterbett kein schöner Anblick und schlecht für das Image der Bahn», sagt SBB-Sprecher Reto Kormann.

Anzeige

Ähnlich tönt es bei den Basler Verkehrsbetrieben (BVB). «Die Zigarettenstummel werden vor allem bei den Haltestellen als schwierig zu entfernender Abfall zum Problem und müssen abgesaugt oder mühsam weggewischt werden», so Sprecherin Dagmar Jenny. Auch Norbert Schmassmann, Direktor der Verkehrsbetriebe Luzern (VBL), betont: «Es ist imageschädigend, wenn Zigarettenstummel die Haltestellen verschmutzen.»

Das Problem ist erkannt, aber ...

Zwar reklamiert der Branchenverband Swiss Cigarette für sich, die Zigarettenhersteller seien sich der angesprochenen Problematik durchaus bewusst. «Wie die Hersteller von vielen anderen Produkten so wollen auch wir nicht, dass Verpackungen und Abfälle achtlos weggeworfen werden», beteuert Geschäftsführer Thomas Meyer. Und er verweist zum Beweis auf verschiedene Aktionen, so etwa das Aufdrucken von Piktogrammen «Keep Switzerland Beautiful» auf Zigarettenverpackungen. Damit sollen die Raucher sensibilisiert werden, die Zigarettenstummel und -verpackungen sachgerecht zu entsorgen.

British American Tobacco (BAT), unter anderem Hersteller der Marken Select, Parisienne, Mary Long und Dunhill, verteilt seit drei Jahren Taschenaschenbecher vor allem an Festivals und Grossveranstaltungen. Bisher sind laut BAT-Sprecherin Audrey Guibat Demont 200000 Becher eingesetzt worden. Angesichts von einigen Mrd jährlich weggeworfenen Zigarettenkippen trägt die Aktion allerdings bestenfalls dazu bei, das Problem punktuell leicht zu entschärfen.

Druck auf die Hersteller steigt

Für Alex Bukowiecki, Geschäftsführer Kommunale Infrastruktur beim Schweizerischen Städteverband, sind solche Aktionen nicht viel mehr als Alibiübungen. «Wir beanstanden schon lange, dass die Tabakindustrie nicht zu ihrer Mitverantwortung steht», kritisiert er. Wirksam in die Pflicht genommen werden könnte die Zigarettenindustrie nach Meinung der Littering-Experten nur dann, wenn sie sich der Interessengemeinschaft saubere Umwelt (IGSU) anschliessen würde. «In dieser Organisation werden verbindliche Instrumente geschaffen, um die mittelbaren Verursacher des Litterings an dessen Folgen und Kosten zu beteiligen», so Bukowiecki.

Der Druck auf die Zigarettenhersteller, sich ernsthaft dem Problem zu stellen, wächst inzwischen auch von gesetzlicher Seite. Mehr und mehr Kantone und Gemeinden erklären das nicht sachgerechte Entsorgen von Raucherwaren zum Delikt. So kostet das achtlose Wegwerfen eines Zigarettenstummels in Dietikon eine happige Busse von 80 Fr. Auch in Bern wurden bereits im letzten Sommer - damals noch im Rahmen eines Pilotprojektes - Bussen in dieser Höhe verteilt. Nun hat die Polizei, nachdem der Berner Grosse Rat und die Kantonsregierung die gesetzlichen Weichen gestellt haben, angekündigt, in diesem Sommer verschärft gegen Littering vorzugehen.

Gesprächsbereitschaft signalisiert

Zwar bleibt unter Experten umstritten, ob mit Bussen dem Littering wirklich beizukommen ist. Aber wenn der letzte Akt des Zigarettenkonsums, falls er denn im achtlosen Wegwerfen der Kippe gipfelt, kriminalisiert wird, können die Hersteller nicht länger wegschauen und geraten unter Zugzwang.

Die Anzeichen mehren sich, dass die Branche nun doch gewillt ist, sich dem Problem ernsthaft zu stellen. Swiss Cigarette werde an einem vom Bundesamt für Umwelt (BAFU) organisierten runden Tisch im November teilnehmen und mit der IGSU verhandeln, kündet Meyer an. «Wir anerkennen, dass die IGSU zur Sensibilisierung des Themas Littering beiträgt, und sind bereit, mit der Organisation über praktikable Massnahmen zu diskutieren», verspricht er.