«Was nicht verboten ist, ist machbar und wird auch gemacht», sagt einer, der den Optionenhandel von Grund auf kennt – Daniel Manser, Geschäftsführer der derivative partners (dp) media ag. Das Geschäftsgebaren der Zürcher Kantonalbank (ZKB) beim Schnüren eines Aktienoptionenpakets für Grossinvestoren hat jedoch gezeigt: Bisweilen gibt es auch hier Grenzen.



Rückblende. Seit November 2006 gab die ZKB Optionen auf Aktien des Schweizer Industriekonzerns Sulzer aus und bediente damit den russischen Oligarchen Viktor Vekselberg und die österreichischen Financiers Ronny Pecik und Georg Stumpf. Am 20. April 2007 melden diese dann überraschend einen Anteil von 32% am Aktienkapital von Sulzer an. Keine Freude daran hat Sulzer, denn die ZKB ist auch deren Hausbank für Kreditgeschäfte. Die Staatsbank hat auf zwei Hochzeiten getanzt. Davon wollte ZKB-CEO Hans F. Vögeli nichts gewusst haben. Das ist gerade bei einer Staatsbank problematisch. Der verantwortliche Investmentchef der ZKB, Hans Fischer, musste die Bank verlassen. Interimistisch übernimmt Martin Sieg Castagnola seinen Posten.

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Umstrittene Taktiken



Problematisch ist nicht nur das Vorgehen, sondern auch die von der ZKB dabei verwendeten Mit-tel. Die Optionenpakete wurden «over the counter» abgegeben, also ohne Meldepflicht und ohne Kotierung an der Börse. Die derartige Handhabe von Optionen-Instrumenten ist in der Branche zwar umstritten. Indessen gibt es klare Anreize, die solche Taktiken begünstigen. Am wichtigsten: Das Schnüren grosser Optionenpakete nach Wunsch des Investors ist sehr lukrativ. Das kann dazu verleiten, Raider bei ihrem Tun zu unterstützen. «Im Optionenhandel mit Grossinvestoren haben sich die ZKB, aber auch die Deutsche Bank besonders hervorgetan», sagt Manser.

Doch wie hält es die Konkurrenz? Als zurückhaltend in diesem Bereich gelten gerade die Grossbanken: «Wenn auf die Grösse des Auftrags hin ein Umgehen der Offenlegungvorschriften vermutet werden muss, wird das Geschäft gestoppt», lässt die UBS ausrichten. Und die Credit Suisse verlässt sich auf einen Risk-Review-Prozess, der Reputationsrisiken und Interessenkonflikte verhindern soll. Auch die Bank Vontobel setzt sich Grenzen: «In unserem Geschäft mit Private-Banking- und Retail-Kunden stellen wir die Op-tionen zur Verfügung, gehen aber keine Klumpenrisiken ein», sagt Roger Studer, Leiter Financial Products bei der Bank und Präsident des Schweizerischen Verbands für Strukturierte Produkte (SVSP).

Dagegen verteidigt Georg Stumpf, Nutzniesser des ZKB-Optionenpakets, das Vorgehen der Bank an und für sich: «Heutzutage ist es vollkommen üblich, dass Banken zur selben Zeit mehrere Interessen vertreten», betont Oerlikon-VR-Präsident Georg Stumpf gegenüber der «Handelszeitung». «Würde sich eine Bank auf den Versuch einlassen, Partei für einen Kunden zu ergreifen, käme das Geschäft zum Stillstand.»

Auf Ebene des Eidgenössischen Parlaments wurde inzwischen aber eingegriffen: Dort hat sich die zuständige Kommission für eine bessere Kontrolle im Optionenhandel ausgesprochen.