Die britische Grossbank HSBC will ihr deutsches Vermögensverwaltungsgeschäft verkaufen. Laut einem Bericht der Nachrichtenagentur «Bloomberg» würden BNP Paribas sowie die Schweizer Banken UBS und Julius Bär «anfängliches Interesse» an dem Geschäft zeigen. 

Die deutsche Vermögensverwaltung von HSBC verwaltet rund 26 Milliarden Euro Kundengelder. Dem Bericht zufolge würde das Geschäft mit 300 bis 600 Millionen Euro bewertet werden. HSBC verfügt in Deutschland über eine eigene Banklizenz, daher ist die Integration durchaus komplex.

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Vor dem Hintergrund mag verwundern, dass ausgerechnet Julius Bär und die UBS nun Interesse haben sollen. Beide Banken kommentieren den Bericht auf Anfrage nicht. Aus dem Umfeld beider Banken gibt aber Signale, die Sache nicht zu hoch zu hängen. 

Denn beide Banken haben derzeit andere Sorgen, als in Deutschland eine Bank zu kaufen. UBS steckt mitten in der komplexen Integration der Credit Suisse. Anfang Monat wurde die CS Schweiz AG in die UBS Schweiz AG überführt. Derzeit durchpflügt die UBS das Kundenbuch der CS, um sich von unprofitablen Kunden zu trennen oder Preiserhöhungen durchzusetzen.  

Julius Bär sucht weiter neuen CEO

Und Julius Bär steckt gerade in einer Führungskrise. Auch gut 4 Monate nach dem Rauswurf von Bankchef Philipp Rickenbacher wegen der 600 Millionen Franken Verluste aus den Benko-Krediten hat die Privatbank immer noch keinen neuen CEO. Die Bank wird ad interim Nic Dreckmann geführt. Bankpräsident Romeo Lacher hatte öffentlich ausgeschlossen, dass ein Interner neuer Bankchef wird. Doch er und sein Headhunter Egon Zehnder haben dem Vernehmen nach Probleme, einen valablen Kandidaten zu finden.

Zudem läuft derzeit eine Vorabklärung der Finma, die sich die Kredit-Vergabe Strukturen und die Risikokontrollen bei Julius Bär anguckt. Da Julius Bär ausser Lombard-Kredite und Hypotheken kein grosses Kreditgeschäft hat, lag die Verantwortung bis dato in der Finanzabteilung. Sollte die Finma mit diesen Strukturen unzufrieden sein, steht Julius Bär ein Enforcementverfahren ins Haus. Vor diesem Hintergrund wäre es verwunderlich, wenn die Finma erlauben würden, dass die Bank sich in einen grenzüberschreitenden Zukauf stürzt. 

Auf der anderen Seite ist es so, dass das Interesse von Schweizer und von Liechtensteiner Banken am deutschen Markt wieder entfacht ist. So ist die Liechtensteiner LGT nach Jahren der Abstinenz wieder mit mittlerweilen 4 Standorten in Deutschland präsent. Nachdem die deutsche Finanzaufsicht der LGT im Jahr 2011 den Kauf der BHF Bank in letzter Minute untersagt hatte, hatte sich die Bank des Fürstenhauses zwischenzeitlich ganz aus Deutschland zurück gezogen.

Auch die Liechtensteinische Landesbank LLB ist in Deutschland auf Expansionskurs. Seit Januar ist sie in München, Frankfurt und Düsseldorf mit einem 40-köpfigen Team in Deutschland präsent. Auch die Schweizer Bank von Rothschild & Co prüft die Deutschlandexpansion, allerdings von der Schweiz aus. Dafür will die Bank von der deutschen Aufsicht die Genehmigung erhalten, deutsche Kundinnen und Kunden aus der Schweiz heraus bedienen zu dürfen. All diese Expansionsschritte erfolgten aber organisch, und nicht über Zukäufe.

HSBC will weitere Firmenanteile verkaufen

HSBC will indes nicht nur das Privatbankgeschäft verkaufen. Auch das Fondsverwaltungs- und Depotbankgeschäft steht nach Angaben eines Sprechers auf dem Prüfstand. Laut Bloomberg arbeitet HSBC mit der Bank of America Corp. an einem möglichen Verkauf ihres deutschen Fondsverwaltungsunternehmens Inka, einem der grössten der Branche mit etwa 400 Milliarden Euro an verwalteten Vermögenswerten.

Inka wird derzeit potenziellen Käufern zusammen mit HSBCs deutschem Depotbankgeschäft angeboten, und das Duo könnte bei einem Verkauf mehrere hundert Millionen Euro einbringen, sagte eine der Personen. State Street Corp. und Universal Investment gehören zu den potenziellen Bietern, die die Vermögenswerte geprüft haben, schreibt Bloomberg und bezieht sich auf Personen mit Kenntnissen der Vorgänge. Die Firmen kommentieren das nicht.

Mehrere Bankaktiva in Deutschland haben kürzlich den Besitzer gewechselt. Barclays Plc stimmte diese Woche dem Verkauf ihres deutschen Konsumfinanzierungsgeschäfts an die Bawag Group AG zu, während die ABN Amro Bank NV im Mai einen Deal für die deutsche Bank Hauck & Aufhäuser Lampe Privatbank AG von Fosun International Ltd. abgeschlossen hat.

(mit Material von Bloomberg)

Holger Alich
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