Mit einer bewegenden Fusswaschung in einem römischen Gefängnis hat für Papst Franziskus sein drittes Osterfest als Kirchenoberhaupt begonnen. Der Argentinier wusch am Gründonnerstag in der Zeremonie, mit der an die Demutsgeste Jesu beim letzten Abendmahl erinnert wird, zwölf Häftlingen und einem Kind kniend die Füsse und küsste sie.

Am Karfreitag wurde in Rom dann an die Leiden Christi erinnert, Höhepunkt sollte am Abend der traditionelle Kreuzweg am Kolosseum mit dem Pontifex und Tausenden Pilgern sein.

«Kreuz Christi ist keine Niederlage»

Der Kreuzweg erinnert in 14 Stationen mit Meditationen und Gebeten an den Leidensweg Jesu. «Das Kreuz Christi ist keine Niederlage: das Kreuz ist Liebe und Barmherzigkeit», schrieb Franziskus auf Twitter.

Die Texte für die Stationen bis zum Kreuz hat in diesem Jahr der emeritierte italienische Bischof Renato Corti verfasst. Auch ein Gebet für die Familiensynode im Herbst ist laut Radio Vatikan im Text enthalten.

Kniend und ohne Kopfbedeckung

Die Fusswaschung am Gründonnerstag vollzog der Papst kniend und ohne Kopfbedeckung. Die sechs Männer und sechs Frauen, denen er die Füsse wusch, stammten aus Italien, dem Kongo, Nigeria, Ecuador und Brasilien.

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«Wenn Jesus uns die Füsse wäscht, dann wäscht er unseren gesamten Leib, alles von uns», sagte Franziskus in einer kurzen Ansprache. Vor zwei Jahren hatte der 78-Jährige nach seiner Wahl mit dem Brauch seiner Vorgänger gebrochen, Priestern die Füsse zu waschen.

Mit Freude unter Menschen gehen

Nach seiner Ankunft in Roms grössten Gefängnis Rebibbia begrüsste der Papst Hunderte Häftlinge persönlich, schüttelte Hände und umarmte die Menschen. Er war nach Papst Johannes Paul II., der 1983 in Rebibbia seinen Attentäter Ali Agca traf, und Papst Benedikt XVI. 2011 der dritte Pontifex, der das Gefängnis besuchte.

Am Vormittag des Gründonnerstags hatte Franziskus die traditionelle Chrisam-Messe im Petersdom gefeiert. Er rief die Priester dazu auf, mit Freude unter Menschen zu gehen.

Keine «jammernden Hirten»

«Wenn Jesus mitten unter uns die Herde weidet, dann können wir keine jammernden Hirten mit saurem Gesicht sein und auch nicht - was noch schlimmer ist - gelangweilte Hirten», sagte er. In der Messe weihte er die heiligen Salbungsöle, zahlreiche Priester aus Rom erneuerten ihr Weihversprechen.

(sda/gku)