Ein Glück! Der Dry January 2026 ist Geschichte. Draussen ist es immer noch knackig kalt, es wird früh dunkel und vielleicht wackelt der eine oder andere gute Vorsatz und man nimmt es mit der Selbstkasteiung nicht mehr ganz so ernst. Ein Glas Portwein nach Feierabend ist eine lässliche Sünde und eine kleine Genussbeigabe ist auch noch zu verantworten.
Das Prinzip Portwein ist schnell erklärt: Gärender Most — die sanft gepressten Trauben müssen aus dem Douro-Tal stammen — wird mit 77-prozentigem Weinbrand versetzt. Der hochprozentige Eingriff killt die Hefen. Daraufhin stoppt die Gärung und im Wein bleibt die Fruchtsüsse der Trauben bewahrt.

In dieser spektakulären Landschaft wachsen die Trauben für Portwein. Das Douro-Tal im Norden Portugals ist eines der ältesten, kontrollierten Herkunftsgebiete der Welt.
Ganz so einfach ist es aber nicht. Tradition, Wissen und Erfahrung sind auch noch im Spiel und machen Portwein zu einem komplexesten Vergnügen der Weinwelt. Eingeteilt wird in verschiedene Kategorien.
Ruby — der rubinfarbene Fruchtbetonte
Hier geht es um Farbe und Frucht. Eine kurze Reifezeit im Fass bewahrt das dunkle Rubinrot und die fruchtigen Aromen von Pflaumen, Brombeeren und Schwarzkirsche. Frucht und Süsse puffern den Alkoholgehalt, der zwischen 19 und 22 Volumenprozent liegen kann. Rubys haben keine Jahrgangsangabe. Sie passen zu dunkler Schokolade und allem, was man daraus zubereiten kann.
Die noblen Ruby-Varianten sind Vintage Ports. Vintage Ports werden nur aus den besten Trauben ausgewählter Rebparzellen und eines Jahrgangs erzeugt. Sie werden von den Portweinhäusern zwei Jahre nach der Ernte deklariert. Nach der Abfüllung können sie jahrzehntelang in der Flasche reifen und entwickeln Aromen von Trockenfrüchten, Gewürzen und Schokolade.
Für das hedonistische Feierabendvergnügen
Late Bottled Vintages reifen vier bis sechs Jahre im Fass. Die Tannine sind daher zugänglicher und der Port kann, aber muss nicht mehr lange reifen. Die Ruby-Typen passen hervorragend zu kräftigen Käsespezialitäten, wie Stilton, Cheddar oder Manchego. Werden dazu Früchtebrot und Nüsse serviert, ist das hedonistische Feierabendvergnügen perfekt. Die ideale Trinktemperatur liegt zwischen 14 und 16 Grad Celsius und angebrochene Flaschen überdauern locker zwei Wochen an einem kühlen Ort.

Im Douro-Tal ist es heiss. Am Atlantik ist es kühler und feuchter. Hier reifen Portweine langsamer und konstanter. Das ist einer der Gründe, weshalb die Lagerhäuser berühmter Portwein-Produzenten in Vila Nova de Gaia vis-à-vis der Altstadt von Porto liegen.
Tawny — der fassgereifte Bernsteinfarbene
Tawnys reifen nach dem Abstoppen der Gärung in traditionellen Holzfässern (Pipas) in den Lagerhallen in Vila Nova de Gaia am Douro, vis-à-vis der Stadt Porto. Die Holzfässer fassen zwischen 540 und 620 Liter. Das fördert die Oxidation der Weine. Je nach Reifezeit im Fass dominieren später im Glas Noten von Nüssen, Feigen, Gewürzen, Karamell und Tabak.
Während der Reife im Fass unter Sauerstoffeinfluss geht die Farbintensität junger Portweine verloren, aus Ruby wird Tawny. Tawny bedeutet lohfarben und bezeichnet ein helles Rotbraun. Die Farbpalette reicht aber von Mahagoni bis zu intensivem Bernstein.

«Pipas» heissen die traditionellen Portweinfässer. Der Holzeinfluss ist bei fassgereiften Portweinen kaum wahrnehmbar. Wichtiger ist der Eintrag von Sauerstoff.
Die Altersangabe auf der Flasche bezeichnet die durchschnittliche Reifezeit verschiedener Jahrgänge in den Pipas, bevor der Wein abgefüllt wird. Anders als Vintage Ports müssen Tawnys nicht mehr auf der Flasche zur Perfektion reifen.
Tawnys passen hervorragend zu reifen Hartkäsen, zu Terrinen aus Geflügelleber, zu Shortbread, zu Gebäck aus Nüssen oder als meditatives Getränk zu einer guten Zigarre.


