Noch in diesem Juni meinte Thomas Schmidheiny (69) als grösster Einzelaktionär der frisch fusionierten LafargeHolcim gegenüber «Bilanz»: «Wir sollten relativ zügig einen Kurs um 100 Franken erreichen.» In­zwischen sind sechs Monate verstrichen, die Aktien des Baustoffriesen notieren mit etwas über 50 Franken weit unter dem Ziel. Für mich ist der Kriechgang erstaunlich.

Sicher, die aktuellen Zahlen sind enttäuschend; in den ersten neun Monaten ist der Umsatz um 6,5 und der bereinigte ­Betriebsgewinn Ebitda um 9,0 Prozent zurückgegangen. Werden noch die Fusions- und Restrukturierungskosten berücksichtigt, ist das Ebitda um gegen ein Fünftel eingebrochen. Sogar der von Lafarge eingewechselte CEO Eric Olsen (51) spricht von unbefriedigenden Resultaten.

Die Kurswende kommt

Am jüngst abgehaltenen Investorentag hat sich der Franko-Amerikaner redlich Mühe gegeben, die Anleger gnädiger zu stimmen. Für 2015 stellt sich die Dividende auf 1.50 Franken. Künftig soll die Ausschüttung laufend steigen, dafür wird die Hälfte des Gewinns bereitgestellt. Vielversprechend auch die Ertragsziele bis 2018. Der Konzern will in den kommenden drei Jahren einen freien Cashflow von total mindestens zehn Milliarden Franken erwirtschaften.

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Ich erwarte ein Comeback der Aktien. Die Frage ist nur, ob die Kurswende bereits 2016 kommt. Viel hängt davon ab, wann sich die Problemmärkte China, Indien und Brasilien erholen. Sicher ist nur: LafargeHolcim-Aktionäre brauchen viel Geduld.

Zurück im Rennen

Zum Saisonende der Formel 1 hat Renault bekannt gegeben, dass man den klammen Rennstall Lotus übernehmen und ab 2016 als Werks­team betreiben werde. Erst vor vier Jahren hatte sich Renault als Konstrukteur aus der Königsklasse des Motorsports zurückgezogen. Damals war der Konzern selbst finanziell angezählt. Noch 2014 verbesserte sich der Umsatz nur minim, die Margen blieben dünn, der starke Gewinnanstieg war lediglich eine Folge der Beschneidung von Kosten.

Im laufenden Geschäftsjahr dagegen läuft der Absatz wieder hochtourig. Im ersten Semester sorgten neue Modelle und eine anziehende Nachfrage vor allem in Europa für einen um 9,3 Prozent höheren Absatz von PKWs und Nutzfahrzeugen. Der Umsatz verbesserte sich um zwölf Prozent auf 22,2 Milliarden Euro, das operative Ergebnis kletterte um 47 Prozent auf 1,1 Milliarden. Auch im dritten Quartal setzte sich der gute Geschäftsverlauf fort, und dies trotz Absatzproblemen in den Märkten Russland sowie Brasilien.

Vorsicht ist geboten

Die Anleger reagierten zuerst fast enttäuscht auf die guten Zahlen. Im Sommer verloren die Aktien ein Drittel an Wert, doch seit September legten die Valoren wieder 45 Prozent zu. Viele Finanzanalysten zeigen sich ungeachtet der jüngsten Kursgewinne anhaltend positiv, Nomura, CS, UBS, Deutsche Bank und andere Institute empfehlen die Titel zum Kauf. Mit einem für 2016 geschätzten KGV von 7,7 sind die Valoren denn auch bestimmt nicht überbewertet.

Zur Vorsicht mahnt mich allerdings, dass nun auch Renault in den Strudel des Abgasskandals zu geraten droht. Die Berner Fachhochschule hat bei einem Dieselauto des Konzerns Stickoxid-Emissionen nachgewiesen, die das 13- bis 25fache des EU-­Standards betragen. Warten Sie mit einem Einstieg in die Aktien also besser, bis sich die Sachlage ­geklärt hat.

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Endlosumbau

«Die Aktien bleiben mit einem geschätzten KGV von 14,8 für risikobewusste Anleger attraktiv», habe ich vor neun Monaten über OC Oerlikon geschrieben. Seither haben die Titel gegen 20 Prozent an Wert verloren. Nach einer kurzen Erholungsphase waren Ende November erneut starke Abgaben zu beobachten. Da gab CEO Brice Koch (51) weitere Restrukturierungs- und Kostensenkungsprogramme bekannt, die unter anderem einen Goodwill-Abschreiber von 470 Millionen Franken nach sich ­ziehen.

Die Börse reagierte ungnädig. Denn jetzt ist klar, dass es dem Unternehmen schlechter geht als erwartet. Gleich vier wichtige ­Absatzmärkte, nämlich Öl und Gas, Bergbau, Landwirtschaft sowie Bau, «stecken in einem ­Abschwung, was unseren Absatz beeinträchtigt», meinte dazu Oerlikon-Chef Koch.

Eine Blackbox

Die vom CEO einst vorgegebenen Ziele für 2015 sind Makulatur. Das zeigte sich spätestens bei den Zahlen für die ersten neun Monate; Bestellungseingang und Umsatz waren, entgegen den Prognosen, leicht rückläufig, der Betriebs­gewinn Ebit schrumpfte um ein Zehntel. Derweil geht der – anscheinend endlose – Umbau weiter. Verkauft wird das Segment ­Vacuum. Koch bezeichnet die Devestition als wichtigen Schritt in Richtung Fokussierung auf die Kernmärkte Mobilität, Energie und Urbanisierung.

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Für mich bleibt OC Oerlikon eine Blackbox. Hohe Kursgewinne sind genauso möglich wie heftige Verluste. Etwas für Börsen-Gambler.

Und tschüss!

«Na endlich.» Das war mein erster Gedanke, als ich die Pressemitteilung las: Transocean will im ­ersten Quartal 2016 die Aktien an der Schweizer Börse dekotieren lassen. Etwas über fünf Jahre waren die Titel des Offshore-Bohrkonzerns an der SIX vertreten. In dieser Zeit habe ich achtmal über die US-Firma mit angeblichem Hauptsitz in Zug berichtet – achtmal negativ. Die Aktien sind seit ihrem Einstand um mehr als 80 Prozent eingebrochen, die Investoren haben 22 Milliarden Franken verloren. Vor allem Institutionelle, die bei ihren An­lagen einen Index abbilden, zählten zu den Gelackmeierten. Denn Transocean wurden in den Blue-Chip-Index SMI aufgenommen – übrigens nur Wochen nach der ­Katastrophe im Golf von Mexiko.

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Angeblich hatte man den Amerikanern eine Sonderbehandlung versprochen. Unter dem Ex-CEO ­Christian Katz (47) wurde damals eine weltweite Akquisitionspolitik betrieben, um über Neuzugänge an der Börse zusätzliche Gewinne ­einzusacken. Auf diese Weise kam ebenso die amerikanische Bohrfirma Weatherford 2010 an die Schweizer Börse. Auch hier wurde über eine mögliche Aufnahme in den SMI diskutiert. Weatherford hat bereits im vergangenen Jahr die Aktien dekotieren lassen. Ich hoffe, die SIX-Gewaltigen verschonen uns künftig mit derart glitschigen Papieren von Ölkonzernen.

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