Keine andere Leistungsschau hat so viele Stars hervorgebracht, Trends angeschoben und beschleunigt wie die CES in Las Vegas. 50 Jahre nach ihrem Debüt 1967 in New York kann sie auf eine stolze Liste verweisen: 700'000 Neuheiten hat sie in ihrer Geschichte der Öffentlichkeit präsentiert. Darunter Spielkonsolen und hochauflösende Fernseher, die heute in vielen Wohnzimmern stehen. Jahr für Jahr kommen 20'000 Neuheiten hinzu.

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Es fällt der Industrie leicht, sich im Licht dieser Erfolge zu sonnen. Dabei unterschlägt sie gern die Misserfolge, die um ein Vielfaches grösser sind. Die meisten Gadgets, die in der Wüstenstadt Nevadas gezeigt werden, schaffen es nie in die Hand der Verbraucher. Sie sterben einen stillen Tod.

Ob sich die Markteinführung lohnt

Damit ist die CES zum grössten Testfeld der Hightech-Branche geworden. Hier zeigt sich, ob Experten und Beobachter den Daumen heben oder senken. Für viele Hersteller ist die CES damit der letzte Stop vor dem «point of no return», vor dem Punkt, an dem eine Umkehr ohne grosse Verluste kaum noch möglich ist. Denn die Produktentwicklung ist das eine, die Markteinführung aber ist häufig ungleich teurer.

Nicht immer erschliesst sich der Sinn der Innovationen. Das wurde in Las Vegas in den vergangenen Jahren so deutlich wie nie zuvor. Hersteller haben die Vernetzung ihrer Geräte zum Selbstzweck gemacht und sogar Gabeln mit dem Smartphone verbunden, um zu messen, ob der Nutzer auch häufig genug sein Essen kaut oder es zu schnell hinunterschlingt.

Niemand will 3-D-Fernseher

Doch nicht immer ist die Stimmung in Las Vegas der richtige Gradmesser. Hier werden Trends gehypt, die am Ende doch viel länger brauchen als erwartet oder wieder ganz verschwinden. So haben alle grossen Hersteller an dieser Stelle ihre 3-D-Fernseher als die Neuerfindung des TV-Gerätes gefeiert. Ein Flop. Zuschauer wollen zu Hause keine TV-Brillen tragen. Inzwischen verzichten grosse TV-Hersteller darauf, die Funktion in ihre Fernseher einzubauen.

Als Apple vor drei Jahren seine Apple Watch einführte, war sich auch in Las Vegas die Branche weitgehend einig, in den Smartwatches das nächste grosse Ding gefunden zu haben. Hersteller wie Motorola, Huawei, Samsung und LG beeilten sich mit ihren cleveren Uhren, um die Party nicht zu verpassen.

Die Angst war unbegründet. Der Markt der Wearables dümpelt auch Jahre später vor sich hin. Die Apple Watch wird nur noch von Apple als Erfolg gefeiert. Motorola, inzwischen in den Händen von Lenovo, verkündete sogar, keine kurzfristigen Pläne für eine neue Smartwatch zu haben, weil es für Wearables «nicht genug Bewegung am Markt» sehe.

Schwaches Wachstum

Pebble, ein Smartwatch-Pionier mit grossen Ambitionen, ist zuletzt von Fitbit für einen geringen Millionenbetrag aufgekauft worden, nachdem das Start-up mehrere deutlich grosszügigere Übernahmeangebote in der Vergangenheit selbstbewusst ausgeschlagen hatte. Am Ende ist Pebble die Luft ausgegangen.

Die Marktforscher von IDC sahen für den Wearable-Markt im dritten Quartal des vergangenen Jahres – aktuellere Zahlen liegen nicht vor – ein Wachstum von nur 3,1 Prozent. Der grösste Teil fiel nicht auf Smartwatches, sondern auf billige Fitness-Tracker.

Nutzer zeigen sich allzu oft enttäuscht von den Geräten, die häufig schon nach ein oder zwei Tagen wieder aufgeladen werden müssen. Wer eine Woche noch interessiert in seiner Smartphone-App verfolgt, wie viele Stunden er nachts mit seinem Tracker am Handgelenk im Tiefschlaf verbracht hat oder wie viele Schritte er am Tag gelaufen ist, verliert danach schnell das Interesse an solchen Statistiken. Nach den Zahlen der Marktforscher von Gartner legt fast jeder Dritte nach einiger Zeit seinen Fitness-Tracker oder seine Smartwatch in die Schublade.

Virtual Reality steht noch auf der Kippe

Am Ende sind die Top-Themen der CES eine grosse Wette. Das dürfte auch für die virtuelle Realität (VR) gelten. Als das Start-up Oculus vor vier Jahren in Las Vegas seine erste Prototypen-Brille zeigte, verbreitete sich die Begeisterung darüber in Windeseile. Vier Jahre später ist Oculus von Facebook übernommen worden und seit einigen Monaten mit einer Brille am Markt, genauso wie Sony, HTC, Samsung und Google.

Für ein Fazit ist es noch zu früh. Nach den Zahlen von IHS Markit haben die Verbraucher im vergangenen Jahr 1,6 Milliarden Dollar für VR ausgegeben. Der Markt dürfte bis 2020 demnach auf knapp 8 Milliarden Dollar anwachsen.

Doch garantiert ist auch das nicht, zumal mit der gemischten Realität (Augmented Reality) schon der nächste Trend an der Tür kratzt. Ersetzt das eine das andere? Haben Privatnutzer überhaupt Interesse an virtuellen Objekten, die als Überlagerung in die echte Realität eingeblendet werden? Das Spiel «Pokémon Go» hat zumindest gezeigt, dass es begeistern kann, auch wenn die meisten Spieler sich längst abgewendet haben.

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