Eigentlich war es doch jedem Anleger klar: Die Hausse kann nicht endlos ­weitergehen. Doch als die Börsen im ­August von heftigen Abgabewellen ­überrollt wurden und der SMI innert Tagen um mehr als zehn Prozent fiel, erschrak mancher Investor. Der Schwarze Peter wird China zugeschoben. Der Einbruch an den Börsen im Reich der Mitte war in unseren Breitengraden jedoch nur der Auslöser für die Verkäufe; die Anleger wollten ihre Gewinne, die nach über sechs Jahren Börsenhausse ange­fallen waren, ins Trockene bringen.

Die Aktienmärkte haben sich etwas beruhigt – von Entspannung dagegen kann keine Rede sein, was sich an den ­rekordhohen Volatilitätsindizes ablesen lässt. Da braucht es nur wenig, und die nächste Abgabewelle rollt über die Märkte herein. Was wir im August ­gesehen haben, war eine Korrektur, mehr nicht. Der Grossteil der Dividenden­papiere ist anhaltend hoch bewertet. Ich kann mir vorstellen, dass die in nicht mehr allzu grosser Ferne liegende Zins­erhöhung der US-Notenbank einen weiteren Schock auslösen wird.

Es tönt abgedroschen, bleibt jedoch eine Tatsache: Es gibt keine Alternative zu Aktien. Nutzen Sie Kursrückschläge zu Qualitätsverbesserungen im Portefeuille. Ich halte mich an Blue Chips, die eine attraktive Dividendenrendite aufweisen. Gerade in unruhigen Börsen­zeiten ist es wichtig, auf längere Sicht zu investieren. Wer behauptet, «buy and hold» sei eine Anlagestrategie von ­gestern, liegt falsch. Denn wer sich bei seinen Investments von kurzfristigem Denken und Stimmungen lenken lässt, verliert auf Dauer.

Cuba Libre

Wenn an den Westbörsen der Bär umgeht, schaut sich mancher In­vestor bei Emerging Markets oder sogar Exotenmärkten um. In den letzten ­Wochen wurde ich mehrmals angefragt, wie man in Kuba anlegen könne. Bekanntlich zeichnet sich zwischen den Vereinigten Staaten und dem Karibikstaat ein Ende der Eiszeit ab, der Handel soll erleichtert werden.

Gleich vorneweg: Privatanlegern sind Investments in der angeblichen Diktatur des Proletariats verwehrt, Aktien gibt es nicht. Dennoch bieten sich Länderfonds an, beispielsweise der in BILANZ bereits vorgestellte Herzfeld Caribbean Basin Fund (Cuba) oder der vom Schweizer Derivatehaus Leonteq in drei Währungen aufgelegte Solactive Cuba-Focused Caribbean Index. Diese Fonds enthalten Aktien von Unternehmen, die sich zwar ausserhalb Kubas befinden, die ­allerdings von einer Öffnung des Inselstaats profitieren.

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Unter diesen Aktien gefallen mir vor allem Imperial Tobacco. Der global viertgrösste Tabakkonzern besitzt dank einem Joint Venture mit dem staatlichen kubanischen Zigarrenhersteller Corpo­ración Habanos das Exportmonopol für kubanische Zigarren, darunter berühmte Marken wie Cohiba, Montecristo oder Partagás. Der weltgrösste Absatzmarkt für Zigarren sind die USA – nur sind ­kubanische Glimmstengel dort verboten. Eine Liberalisierung würde dem britischen Konzern zwar keinen gewaltigen Ertragsschub bescheren, die Aktien jedoch in ein freundlicheres Licht rücken. Die Papiere sind mit einem für das nächste Jahr geschätzten Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 14,4 günstiger bewertet als jene der Konkurrenz. Auch die Dividendenrendite von 4,1 Prozent lässt sich sehen.

Einen Zahn zugelegt

Nach jahrelangem Tauchgang zählen die Aktien von Straumann wieder zu den Gewinnern: Seit November 2012 hat sich der Wert des einstigen Kellerkindes beinahe verdreifacht. Ich habe dieser Erholung lange nicht so recht getraut, denn der Hersteller von Zahnimplantaten wurde als Folge der ­Finanzkrise gar arg gebeutelt. Doch nach erfreulichen Zahlen für das vergangene Jahr sehen auch die Resultate für das erste Semester 2015 gut aus; Umsatz und Ebit stiegen um 11 respektive 21 Prozent. Dagegen musste wegen Sonderkosten ein Mini-Verlust ausgewiesen werden.

Die neue Strategie des Weltmarkt­führers scheint aufzugehen: neben ­Premium-Zahnimplantaten zusätzlich günstige Lösungen feilzubieten. Die mit der vollständigen Übernahme von Neodent, einem brasilianischen Hersteller mittelpreisiger Zahnimplantate, erreichte Ausdehnung des Portfolios ist speziell im wichtigen US-Markt von Bedeutung. Doch auch im wenig erschlossenen China ist Straumann damit in einer guten Ausgangslage. CEO Marco Gadola (51) hat denn auch jüngst die Wachstumsziele erhöht.

Die Anleger mögen die Aktien des aufgerüsteten Unternehmens aus Basel – für meinen Geschmack etwas zu sehr. Denn in den Titeln ist viel Optimismus eskomptiert. Das KGV für 2015 stellt sich für dieses und nächstes Jahr auf 31,1 und 27,2. Wer dennoch einsteigen will, der sollte Kursrückschläge abwarten.

Mehrwert

«Nun muss sich das Management von Syngenta beweisen», sagte mir ein Analyst, nachdem Monsanto den Übernahmeversuch jüngst abgeblasen hatte. Bekanntlich wollte der US-Agrarchemiekonzern den Schweizer Konkurrenten kaufen, bot zuerst 450, später 470 Franken in Cash und eigenen Aktien pro Titel. Syngenta-CEO Michael Mack wehrte sich mit Händen und Füssen dagegen, und zwar nicht nur deshalb, weil er unter Monsanto wohl den Hut hätte nehmen müssen. Er bezeichnete die Konditionen als ungenügend.

Nun sind viele Aktionäre nicht mehr gut zu sprechen auf das Management – auch wegen der Leistung. Doch die schwachen Zahlen des Agrochemie-Produzenten sind primär eine Folge der rückläufigen Preise für Landwirtschaftsgüter. Die Farmer sparen deshalb bei ihren Ausgaben für Pflanzenschutzmittel und Saatgut. Der starke US-Dollar belastet die Erträge zusätzlich. An diesen Trends wird sich vorderhand nichts ändern.

Langfristig allerdings bin ich zuversichtlich gestimmt. Immer mehr Nahrungsmittel werden nachgefragt, Syngenta ist mit dem diversifizierten Portfolio für die Bauern attraktiv. Nach einem schwachen Jahr 2015 erwarten Analysten für 2016 bessere Erträge. Optimistisch stimmt mich auch der Übernahmeversuch von Monsanto; die Amerikaner boten nur deshalb so viel, weil sie zusätzlichen Mehrwert orteten. Doch weshalb sollen die Syngenta-Aktionäre diesen Mehrwert nicht selbst abschöpfen? Wer nach dem Kurssturz auf Syngenta setzt, muss jedoch eine gehörige Portion Geduld aufbringen: Ein Einstieg eilt nicht.

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