Die globale Exit-Aktivität verzeichnete gleichermassen nach einem starken zweiten Quartal im dritten Quartal einen starken Rückgang. Allerdings sind Investoren in Private-Equity-Fonds scheinbar unbeeindruckt von den Marktereignissen. Das Fundraising verzeichnete seinen grössten Gesamtumsatz im dritten Quartal der letzten fünf Jahre. Besonders stark war das Marktsegment für grössere Transaktionen.

Abnahme der Investitionen und Exits

In den ersten drei Quartalen 2019 wurden insgesamt 269 Milliarden Dollar an Private-Equity-Transaktionen abgeschlossen, ein Rückgang von 25 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Auch wenn die Beiträge nach Regionen Schwankungen auf Quartalsebene aufweisen, ist der allgemeine Abwärtstrend in Nordamerika, Europa und Asien ähnlich.

Gleiches gilt für die globale Exit-Aktivität. Trotz der hohen Exit-Aktivität im zweiten Quartal lag der globale Gesamtwert der Exits in den ersten drei Quartalen 2019 bei 256 Milliarden Dollar, ein Minus von 27 Prozent gegenüber dem gleichen Vorjahreszeitraum. Den grössten Teil des Rückgangs trug das IPO-Volumen bei, das um fast 40 Prozent niedriger war.

Anzeige

Dennoch ist diese globale Verlangsamung der Investitions- und Exit-Aktivitäten eindeutig kein Hindernis für Investoren. Im dritten Quartal stieg die Gesamtkapitalaufnahme der Private-Equity-Fonds erneut an und trieb das Fundraising im laufenden Jahr auf 417 Milliarden Dollar. Dies liegt 21 Prozent über dem Fundraising im Vorjahreszeitraum. Dadurch stieg das Dry Powder auf 740 Milliarden Dollar an.

Das Marktsegment der grossen Transaktionen macht weiterhin die Schlagzeilen. Im dritten Quartal haben Firmen wie Permira (11 Milliarden Euro) und insbesondere Blackstone (26 Milliarden Dollar) Rekordkapital aufgenommen.

Fundraising steigt

Von den derzeit beschaffenden Private-Equity-Firmen zielen lediglich 13 Prozent auf ein Fondsvolumen von 500 Millionen Dollar oder mehr, was jedoch mehr als zwei Drittel des angestrebten Gesamtkapitals ausmacht. Das bedeutet, dass die überwiegende Mehrheit der aktiven Private-Equity-Gesellschaften weniger bekannte, kleine Buyout-Fondsmanager sind.

Auch wenn die Medien mehr Interesse an Stories wie dem Take-Private des britischen Luft-, Raumfahrt- und Verteidigungszulieferers Cobham durch Advent haben, geben die zahlreichen Deals am kleineren Ende des Marktes einen interessanteren Hinweis darauf, was in der «realen» Wirtschaft passiert.

So erwarb beispielsweise einer unserer Fondsmanager im Mai 2019 einen italienischen Hersteller von Aluminium-Strangpresswerkzeugen für 170 Millionen Euro. Das entspricht dem achtfachen Ebitda. Das Unternehmen beschäftigt 700 Mitarbeiter am Hauptsitz in Italien und verkauft seine technologisch hochwertigen Produkte an über 250 Kunden weltweit in den Bereichen Transport und Bau.

Die Entwicklung des Sekundärmarkts

Während die gesamte Investmentaktivität von Private Equity im Jahr 2019 etwas gedämpft war, dürfte sie am Sekundärmarkt auf ein Rekordjahr zusteuern. In der Tat wächst der Sekundärmarkt seit 2013 mit einer jährlichen Durchschnittsrate von 21,5 Prozent und hat sich damit mehr als verdreifacht. Dieses rasante Wachstum hat bei den Investoren die Sorge geweckt, dass der Markt sich überhitzt.

Einerseits liegen die durchschnittlichen Sekundärpreise nahezu bei 100 Prozent des NAV, was darauf hindeutet, dass der von Sekundärkäufern traditionell erwartete Abschlag fast vollständig verschwunden ist. Andererseits hat sich der Sekundärmarkt in den letzten Jahren mit der Entwicklung einer Reihe neuer Arten von spezialisierten Sekundärtransaktionen verändert.

Massgeschneiderte Liquidität

Für Sekundärinvestoren mit der notwendigen Erfahrung und Ressourcen besteht ein wesentlicher Vorteil der Fondsrestrukturierung darin, dass sie mit voller Unterstützung des General Partners eine sehr detaillierte Due Diligence bei jedem der zugrunde liegenden Portfoliounternehmen durchführen können.

Dazu gehören Gespräche mit Managementteams, die Aufnahme wichtiger Referenzen und die Durchführung von Finanzmodellen — mit der gleichen Sorgfalt, die typischerweise bei Direktinvestitionen angewandt wird.

Bei der Restrukturierung kleinerer Fonds wird in der Regel ein massgeschneiderter Ansatz verfolgt, der es einem Sekundärinvestor ermöglicht, die besten Portfoliounternehmen auszuwählen, eine geeignete Struktur mit dem GP zu entwickeln und die optimalen Bedingungen auszuhandeln.

Obwohl das Sourcing potenziell schwieriger und komplexer ist als Im Segment der grösseren Transaktionen, können diese kleinen, massgeschneiderten Liquiditätslösungen Sekundärinvestoren Zugang zu qualitativ hochwertigen Portfolios zu attraktiven Bewertungen bieten.

Der Sekundärmarkt wird weiter wachsen, was auf die Bereitschaft von Limited Partners und General Partners zurückzuführen ist, mit immer innovativeren Methoden Liquidität zu beschaffen, insbesondere in Zeiten, in denen die Private Equity Exit-Aktivitäten nach unten tendieren.

 

*Paul Newsome, Head of Investment Solutions, Private Equity, Unigestion