Als die Schweiz 1999 die 
Bologna-Deklaration unterschrieb, legte sie den Grund­stein für ein dreistufiges Studiensystem mit Bachelor, Master und Doktorat. Dabei stellt das Bachelor-Studium an Hoch­schulen eine grundlegende wissenschaftliche Bildung dar, während der konseku­tive Master als universitärer Standardabschluss gilt.

Doch welche Anforderungen hat die Wirtschaft? Schweizer Unternehmen über ihre Wunschkandidaten und die Gewichtung von Bewerbern mit Bachelor oder Master.

Chancen dank Master bei Zurich und Migros

Grundsätzlich stellen alle befragten Unternehmen Hochschulabsolventen ein. Einige Arbeitgeber bevorzugen für bestimmte Positionen jedoch klar Personen mit Master. So gibt beispielsweise Zurich Schweiz in Stelleninseraten jeweils an, welcher akademische Grad für den jeweiligen Job verlangt wird. «Je höher ein Bewerber in Bezug auf die Position einsteigen möchte, desto höher ist der notwendige Hochschulabschluss», sagt Mediensprecherin Nathalie Vidal. Zurich Schweiz biete jedoch Mitarbeitenden die Möglichkeit, sich stellenspezifisch weiterzubilden, und beteilige sich oft an den Kosten.

Der Migros-Genossenschafts-Bund setzt bei höheren Positionen ebenfalls auf Bewerber mit Master-Abschluss. Dieser ist laut Martina Bosshard, Mediensprecherin Migros-Genossenschafts-Bund, beispielsweise bei Funktionen in den Bereichen IT, Marketing, Produktion, Logistik, Bank oder HR gefragt. Für Positionen, bei denen etwas weniger weit entwickelte Kompetenzen genügten, stelle man jedoch auch Personen mit Bachelor-Studium ein.

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Ausbildung ist nicht alles für die Swisscom

Bei der Swisscom ist der Aus- und Weiterbildungsrucksack gemäss Mediensprecherin Annina Merk zwar ein wichtiges Auswahlkriterium, aber keinesfalls entscheidend. «Viel wichtiger sind uns Persönlichkeit sowie die Berufserfahrung und Motivation der Kandidaten.» Wer über einen MBA einer anerkannten Hochschule verfüge, habe bei Topmanagementfunktionen einen klaren Vorteil, müsse aber insbesondere von der Persönlichkeit und seinem beruflichen Leistungsausweis her überzeugen. «Bei den meisten Stellen unterscheiden wir grundsätzlich nicht zwischen Bachelor- und Master-Absolventen», sagt Merk.

Zwar bringe ein Kandidat mit universitärem Standardabschluss bessere theoretische Kenntnisse mit. Wenn ein Bewerber mit tieferem akademischen Grad jedoch über mehr Berufserfahrung verfüge, werde dies häufig höher eingeschätzt. Je nach Stelle könnten aber tatsächlich unterschiedliche Kompetenzen gefordert sein. So erfordert der Einstieg ins Trainee-Programm der Swisscom zwingend einen Master-Studiengang. Für Einstiegspositionen dagegen ist ein Bachelor in Informatik oder verwandten Studiengängen ausreichend.

Bei der Post zählt auch Berufserfahrung

Bei der Schweizerischen Post wird die Berufserfahrung in der Regel ebenfalls stärker gewichtet als der Abschluss. «Für das Trainee-Programm erhalten wir gleich viele Bewerbungen von Bachelor- und Master-Absolventen», sagt Sprecherin ­Verena Jolk. Ins Programm aufgenommen würden jedoch mehr Personen mit Master-Abschluss, da diese dank Praktika und früheren Stellen häufig über mehr qualifizierte Berufserfahrung verfügten als Kandidaten mit Vollzeit-Bachelor-Studium. Wenn Letztere aber über das entsprechende praktische Rüstzeug verfügten, würden sie Kandidaten mit einem Master gleichgestellt oder je nach Stelle bevorzugt. «Es können keine allgemeinen Aussagen gemacht werden», erklärt Jolk.

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Auch Lidl Schweiz bietet diverse Einstiegsmöglichkeiten für Hochschulabsolventen. «Da weiterführende Positionen ausschliesslich intern besetzt werden, gehören unsere Trainees oder Direkteinsteiger zu den Führungskräften von morgen», erklärt Corina Milz, Leiterin Unternehmenskommunikation. Bei den Einstiegsstellen suche man nicht explizit nach ­Absolventen mit Master-Abschluss. Für Lidl Schweiz sei vor allem der Rucksack wichtig, den Kandidaten mitbrächten. «Ein Bachelor-Absolvent mit Berufs- und Praktikumserfahrung ist genauso interessant wie ein Master-Absolvent. Die wichtigste Grundlage für den Anstellungsentscheid ist schliesslich die Persönlichkeit der Bewerber», sagt Milz.

Unterschiedliche Anforderungen bei der UBS

Bei der UBS ist man aufgrund der viel­fältigen Jobprofile grundsätzlich an Bewerbungen von Absolventen mit Master- und Bachelor-Abschlüssen interessiert, wie ­Anita Greil, Head of Strategic Communications, erklärt. Und zwar sowohl von Fachhochschulen wie auch von Universitäten. «Bei einem global tätigen Unternehmen gibt es unzählige Karrieremöglichkeiten. Beispielsweise bieten wir mit dem Gra­duate Talent Program Fachhochschul- 
und Uni-Absolventen eine ausgezeichnete Grundlage für weitere Karriereschritte. Wer in dieses Programm aufgenommen wird, ist Teil unseres Talentreservoirs an zukünftigen Fach- und Führungskräften», sagt Greil.

Unterschiedliche Anforderungen stellt auch die Axa Winterthur, die jährlich 600 bis 700 Vakanzen mit internen und externen Kandidaten besetzt. «Für viele Stellen ist ein Hochschulabschluss wichtig. Allerdings ist häufig die Berufserfahrung der entscheidende Faktor, ob ein Dossier genau geprüft wird», betont Medienspre­cherin Christina Ratmoko. Während die Positionen für Juristen, Informatiker und Mathematiker jeweils klar definiert seien, bestünden bei anderen Fachrichtungen unterschiedliche Möglichkeiten. «‹Das› Studium zu ‹diesem› Job gibt es nicht», sagt Ratmoko.

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Übergang zum Master bei Axa Winterthur

Je nach Stelle kämen bei Axa Winterthur durchaus auch Bachelor-Absolventen infrage. Meistens würden diese jedoch einen Zwischen­verdienst vor dem Master suchen. «In ­solchen Fällen können auch einfachere Tätigkeiten eine Lösung sein», erklärt Ratmoko. Bachelor-Absolventen würden weder bevorzugt noch benachteiligt. «Tendenziell werden Kandidaten mit Bachelor-Studium eher auf Fachspezialisten-Pro­file, Master-Absolventen auf Kaderstellen rekrutiert. Doch auch hier sind Ausnahmen die Regel.»

Das Fazit: Um in einem Schweizer Unternehmen Karriere zu machen, ist ein Master-Abschluss von Vorteil. Ebenso stark wenn nicht stärker gewichtet werden jedoch Berufserfahrung, Motivation und Persönlichkeit.