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Promovieren
Den Doktor machen

ETH Lausanne

Wer aus intrinsischer Motivation eine Doktorarbeit schreiben will, soll das tun. Karriere- und Lohnaussichten dürfen nicht die treibenden Kräfte dahinter sein.

Von Isabel Steinhoff & Norman C. Bandi
am 02.04.2014

12 Prozent der Studenten in der Schweiz hängen an ihren konsekutiven Master-­Abschluss heutzutage ein Doktorat an. Zu Beginn des Jahrtausends war diese Quote laut Bundesamt für Statistik noch doppelt so hoch. Man könnte also meinen, dass das Promovieren hierzulande nicht mehr gefragt ist (siehe auch Seite 44).

Eine nicht repräsentative Umfrage der «Handelszeitung» unter rund 50 Master-Studenten, hauptsächlich von den Universitäten in Zürich und St. Gallen, zeigt, dass die Doktorwürde sogar beliebter ist als angenommen (siehe Grafik rechts): Demzufolge hat bloss ein Drittel der antwortenden Master-Studenten kein Interesse an einer Promotion. Gut zwei Fünftel haben grundsätzlich Interesse, die Hälfte davon aber erst nach vorhergehender Praxis­erfahrung. Fast ein Fünftel der Befragten ist unentschlossen.

Fazit:
Bis zu zwei Drittel können sich vorstellen, einen Doktortitel zu machen. Doch was sind ihre Beweggründe? Letztlich dauert das Promovieren bis zu fünf Jahre, in denen die Studenten beruflich nicht gross verdienen und schon gar nicht aufsteigen. Der «Handelszeitung»-Survey liefert dazu folgende Erkenntnisse:

  • Contra: In den Augen der Befragten sind der Drang, endlich Geld zu verdienen, das Gefühl, bereits lang genug studiert zu ­haben, das Fehlen eines erkennbaren Mehrwertes (persönlich wie auch für die Praxis) und das fehlende Interesse an der Forschungsarbeit beziehungsweise an ­einer akademischen Karriere Top-Gründe gegen das Promovieren.
  • Pro: Anderseits sehen viele der Interessierten gerade die Forschungsarbeit als ansprechend. Auch betrachten einige Studenten eine Doktorarbeit als Selbstverwirklichung oder wertvoll für die persön­liche Entwicklung.
  • Contra: 80 Prozent der 50 antwortenden Studenten sehen den Doktortitel weder als Voraussetzung für einen Posten in Geschäftsleitung oder Verwaltungsrat noch als grossen finanziellen Vorteil. Zumal ein Dr. beziehungsweise PhD in vielen Unternehmen monetär oft nur zwei Jahre über einem Master-Absolventen einsteigt.­
  • Pro: In den klassischen Bereichen Naturwissenschaften, Forschung, Pharma, Medizin und Recht sieht die Mehrheit den Doktortitel nach wie vor als Pflicht.
  • Contra: Für rund die Hälfte der Befragten hat ein Doktortitel heute beziehungsweise immer noch einen elitären Ruf.
  • Pro: Jeder Vierte sieht das anders undein Zehntel ist unentschlossen.

Speziell für Ökonomen lohnt es sich, genau zu überlegen, ob die Investition von Zeit und Geld in die Doktorwürde für den eigenen Karriereweg Sinn macht.

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