Thomas Dübendorfer ist Präsident des Angel-Investoren-Clubs SICTIC, der nach eigener Aussage grösste und aktivste seiner Art. Im Interview erklärt er, mit welchen Einstiegs-Summen Angel-Investoren rechnen müssen und welche Erfolgschancen in Aussicht stehen. 

Es gibt einige Banker, die sich als Angel Investoren und als Coaches für Fintechs und Startups betätigen. Wie kommt jemand in eine solche Rolle?

Um erfolgreich in Startups zu investieren, braucht man neben Geld auch Zugang zu erstklassigen Gründerteams in der Frühphase, die aktuell auf der Suche nach einem Investment sind. Und ein Netzwerk zu erfahrenen Angel Investoren, die einem beim Prüfen der Startups unterstützen und bei Fragen helfen können. Sowie etwas Zeit. Anstatt eher planlos in das erstbeste Startup von dem man hört, zu investieren, empfiehlt es sich sehr, sich einer etablierten Gruppe von Angel Investoren anzuschliessen. Der mit Abstand grösste und aktivste Angel-Investoren-Club in der Schweiz ist SICTIC.

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Das erfordert Zeit. Was aber, wenn der Investor die nicht hat?

Wer keine Zeit hat und sich auch nicht direkt mit den Gründerteams und Startups beschäftigen will, aber dennoch am Erfolg von Startups partizipieren will, ist mit einem Venture Capital Fonds gut beraten. Es gibt einige Fonds, die nur in der Schweiz in Technologie-Startups in der Frühphase investieren wie beispielsweise Wingman oder Spicehaus.

Wie wichtig ist das Geld, das man hier selber mit einbringt? Mit welchen Beitragssummen sollte man rechnen?

Bei SICTIC investieren die meisten Angel Investoren zwischen 20‘000 und 50‘000 Franken pro Startup und bauen sich über fünf bis zehn Jahre ein Portfolio von fünf und mehr Startups auf. Ganz wichtig zu wissen ist, dass man kein qualifizierter oder professioneller Investor sein muss für ein Direktinvestment in ein Schweizer Startup - jeder und jede darf das, auch Personen, die nicht Millionäre sind. Es gibt auch Crowd Equity Investment Plattformen, wo man kleinere Beträge einbringen kann, hat dann aber keinen direkten Kontakt zum Gründerteam und somit keinen Einfluss zur Erfolgsoptimierung des Startups.

Was weiss man über die Erfolgschancen?

Umfangreiche Untersuchungen von Professor Robert Wiltbank der Willamette University in den USA zum Erfolg von Investments in Startups durch Angel Investoren haben gezeigt, dass man ab zehn Startup-Investments nur noch mit 20 bis 30 Prozent totalen Ausfällen rechnen muss, bei 30 bis 40 Prozent das Investment zurückerhält und bei 20 bis 30 Prozent mehr erhält als man investiert. Im Schnitt haben Angel-Investoren mit mindestens 10 Startup-Investments einen 2,5 fachen Return auf das Investment erzielt.

Thomas Dübendorfer ist Präsident von SICTIC. Er hat an der ETH Zürich in Informatik doktoriert und im Silicon Valley sowie bei Google in Zürich als Softwareentwickler und technischer Leiter gearbeitet. Er ist Mitglied in mehreren Verwaltungsräten, hat neun Startups mitgegründet, zahlreiche verkauft und investiert als Angel-Investor in Technologie-Startups. «Bilanz» hat ihn dreifach als «Digital Shaper of Switzerland» ausgezeichnet und SICTIC wurde mit dem von «Finanz und Wirtschaft» vergebenen «Swiss Fintech Award» als «Fintech Influencer of the Year 2023» gekürt.

Und wie sieht es in der Schweiz aus?

In der Schweiz werden die Verkaufspreise von Firmen und die Returns auf Startup Investments leider in aller Regel nicht öffentlich kommuniziert. Mir sind aber zahlreiche finanziell sehr erfolgreiche Angel Investoren bekannt. Ein grosser Vorteil von Schweizer Startups ist ihr starkes geistiges Eigentum, da etliche auf Resultaten von jahrelanger universitärer Forschungs- und Entwicklungsarbeit aufbauen und die Machbarkeit bereits bewiesen wurde. Dadurch hat die Überlebensrate von Schweizer Technologie-Startups im fünften Jahr nach Gründung bei ETH Spin-Offs sagenhafte 92% erreicht. Bei nur 8% Ausfällen.

Wie sieht es aus mit non-tangible-Elementen einer Förderung? Also Coaching, das Netzwerk einbringen, Erfahrungen weitergeben?

Der grösste Mehrwert, den ein Angel Investor beim Startup neben dem Investment einbringen kann, ist der Zugang zu potentiellem Kunden. Natürlich hilft einem Jungunternehmer auch dessen Erfahrung sehr beim Aufbau einer Firma oder bei der Expansion ins Ausland.

Sehen Sie attraktive Startups, die gegenwärtig offen wären für Angel Investoren mit Banking-Hintergrund?

Ja, ganz klar. Bei SICTIC ist jede fünfte Portfoliofirma im Bereich Fintech. Wir halten sogar jährlich den Swiss Fintech Investor Day ab.

Wie sieht es aus, wenn Banker eigenen Ideen haben und eigene Startups gründen? Wo können die bei Ihnen andocken?

Sofern Banker ein Gründungsteam, also einen Mitgründer oder eine Mitgründerin haben, ein innovatives Produkt, und nicht nur eine Beratungsdienstleistung anbieten, können diese sich gerne jederzeit bei SICTIC melden. Eine Idee zu haben aber keine Bereitschaft selbst ins unternehmerische Risiko zu gehen und Vollzeit daran zu arbeiten, reicht leider nicht. Als Gründer kann man auch nicht mit einem Marktlohn rechnen, bevor das Startup signifikante Umsätze macht.

Und wenn wir zeitlich etwas nach vorne schauen, was ist zukünftig zu erwarten? Wie weit werden Karrieren, die Angel Investment umfassen, «normal» werden? 

Angel-Investing als Volltzeit-Karriere ist eher unüblich, da man erst bei einem Exit eines Startups etwas verdient. Dies dauert ab einem Frühphasen-Investment oft mehr als fünf Jahre. Als Fondsmanager bei einem Venture Capital Fund kann man schon eher Karriere machen, investiert dann aber oft erst in der Wachstumsphase von Startups. Dafür erhält man ab Beginn eine Managementgebühr und oft einen Sitz im Verwaltungsrat der Portfoliofirmen.

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