Nach JP Morgan und Wells Fargo am Freitag haben heute zwei weitere US-Grossbanken starke Zahlen geliefert.

Bank of America hat im zweiten Quartal 7,4 Milliarden Dollar verdient, rund ein Fünftel mehr im Vorjahresquartal und mehr, als die Analystinnen und Analysten geschätzt hatten. Der Umsatz nahm zwischen Ende März und Ende Juni 11 Prozent auf 25,2 Milliarden Dollar zu. Es sei eines der besten Quartale der Geschichte gewesen, meinte dazu BofA-Chef Brian Moynihan.

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Konkurrentin Morgan Stanley vermeldete Einnahmen in der Höhe von 13,5 Milliarden Dollar, ebenfalls mehr als von den Analysten erwartet. Der Gewinn ist jedoch etwas mehr als 10 Prozent gesunken auf 2,2 Milliarden, oder 1.24 Dollar pro Aktie. Die Analysten hatten aber wegen der Flaute im Investment Banking einen noch schärferen Gewinnrückgang erwartet.

Florierendes Zinsgeschäft

Am letzte Freitag hatten JP Morgan und Wells Fargo mit guten Zahlen die Gewinnsaison der US-Grossbanken eröffnet. Beide Häuser profitieren von den gestiegenen Zinsen und erhöhten ihre Prognosen für das Zinsergebnis. Die Citigroup vermeldete dagegen einen deutlichen Gewinnrückgang. 

JPMorgan Chase & Co. meldete für das zweite Quartal Einnahmen in Höhe von 41,3 Milliarden Dollar und einen Gewinn von über 14 Milliarden Dollar, womit sie die die Erwartungen der Analysten übertraf. Darin enthalten war ein Nettozinsertrag von 21,8 Milliarden Dollar, ebenfalls ein Rekordwert. JP Morgan hob dank der guten Zahlen seine Prognose für den Nettozinsertrag ohne das Handelsgeschäft von bisher 84 auf neu 87 Milliarden Dollar an. 

JP Morgen profitiert von Übernahme

«Die US-Wirtschaft ist weiterhin widerstandsfähig», sagte Chief Executive Officer Jamie Dimon in der Erklärung. «Die Bilanzen der Verbraucher sind nach wie vor gesund, und die Verbraucher geben Geld aus, wenn auch etwas langsamer. Die Arbeitsmärkte haben sich etwas abgeschwächt, aber das Beschäftigungswachstum bleibt stark», erklärte Dimon, der die grösste US-Bank seit dem Jahr 2005 führt. Ähnlich klingt es heute bei BofA. «Wir sehen weiterehin eine gesunde US-Wirtschaft, die etwas weniger schnell wächst, jedoch mit einem resilienten Arbeitsmarkt», sagte Moynihan.

Die Aktien von JP Morgan, die in diesem Jahr bis Donnerstag um 11 Prozent gestiegen waren, legten am Freitag nach Zahlenpublikation im frühen Handel in New York 2 Prozent zu, gaben die Gewinne danach aber wieder ab.

JP Morgan stimmte im Mai der Übernahme von First Republic zu. First Republic war der vierte regionale Kreditgeber, der innerhalb weniger Wochen zusammenbrach, und sein Zusammenbruch war der zweitgrösste in der Geschichte der USA. Durch den Deal wurde die grösste US-Bank noch grösser, während der Schaden für den Garantiefonds der Federal Deposit Insurance Corp. minimiert wurde.

Die Ergebnisse der Grossbank enthalten daher einen Gewinn von 2,7 Milliarden Dollar aus dem Kauf von First Republic sowie eine damit verbundene Rücklagenbildung von 1,2 Milliarden Dollar. Insgesamt betrug die Rückstellung für Kreditverluste 2,9 Milliarden Dollar. 

Wells Fargo erhöht Prognose für Zinsergebnis

Auch Wells Fargo hat im zweiten Quartal wegen der gestiegenen Zinsen einen Gewinnsprung hingelegt. Der Überschuss der Bank aus San Francisco kletterte auf 4,94 Milliarden Dollar nach 3,14 Milliarden im Jahr zuvor.

Die viertgrösste US-Bank erhöhte zudem ihre Prognose für den Zinsüberschuss. Dieser war im zweiten Quartal im Jahresvergleich um 29 Prozent auf 13,16 Milliarden Dollar gestiegen. Im Gesamtjahr werde er rund 14 Prozent höher ausfallen als 2022, teilte das Geldhaus am Freitag mit. Zuvor hatte Wells Fargo ein Plus von zehn Prozent angepeilt. 

«Die US-Wirtschaft entwickelt sich weiterhin besser als von vielen erwartet», sagte Wells-Fargo-Chef Charlie Scharf. Dennoch erhöhte die Bank ihre Rückstellungen für den Ausfall von Krediten auf 1,7 Milliarden Dollar von 580 Millionen Dollar im Jahr zuvor. Doch dies konnte das positive Gesamtbild nicht trüben.

Citi mit dickem Gewinnrückgang

Anders sieht es dagegen bei der Citigroup aus: Ihr Gewinn sank im zweiten Quartal um 36 Prozent auf noch 2,9 Milliarden Dollar. Grund dafür waren deutlich höhere Rückstellungen für Kreditausfälle, die um 77 Prozent auf 1,5 Milliarden hochschnellten. Zudem schlugen die Kosten für einen Stellenabbau zu Buche. Der Konzerngewinn lag dennoch im Rahmen der Erwartungen.

Auch die Einnahmen gingen um ein Prozent zurück, vor allem wegen schlechter laufenden Geschäften im Investmentbanking. Hier gingen sowohl im Wertpapierhandel (minus 13 Prozent) als auch beim Beratungsgeschäft (minus 44 Prozent) die Einnahmen zurück. 

Das Privatkunden-Geschäft, indem auch das Kreditkarten-Business enthalten ist, legte dagegen bei den Einnahmen um sechs Prozent zu – auch Citi profitierte hier von den steigenden Zinsen.

Auf der anderen Seite sorgen die steigenden Zinsen dafür, dass Kundinnen und Kunden ihre Kredite nicht mehr bedienen können, daher musste Citi die Rückstellungen für Kreditausfälle deutlich erhöhen, sodass die Sparte unter dem Strich ein Gewinn-Minus von elf Prozent verzeichnete.

Wegen der schlechter laufenden Geschäfte hatte Citi vergangenen Monat Personalkürzungen im Umfang von 5000 Stellen angekündigt. Die Kosten dafür von über einer Milliarde Dollar belasteten den Quartalsgewinn zusätzlich.

Kaum faule Kredite

Für breitere Anlegerkreise ist vor allem die Frage interessant, ob sich die angespannte wirtschaftliche Lage in steigenden Ausfallraten und einer Häufung von Zahlungsverzügen niederschlägt. Alle drei Grossbanken konnten diesbezüglich Entwarnung geben. Die Abschreibungen auf faule Kredite hätten nur leicht zugenommen und lägen immer noch weit unter dem Niveau von vor der Pandemie.

JPMorgan-Chef Dimon hob die Konsumkredite hervor, bei denen die Abschreibungsrate auf Kreditkartenschulden bei seiner Bank lediglich 2,4 Prozent beträgt. Doch auch bei den Firmenkrediten ist die Quote der faulen Kredite stabil bis rückläufig. 

Der einzige Schwachpunkt in den Kreditbüchern der US-Banken sind die Geschäftsimmobilien. Büroflächen lassen sich wegen des Trends zum Home-Office nicht mehr so einfach vermieten und das trifft die Branche hart. Auf einem 33 Milliarden schweren Geschäftsimmobilien-Portfolio von Wells Fargo hat sich das Volumen der Kredite mit Zahlungsverzug auf 1,5 Milliarden Dollar verdoppelt. Die Bank hat dafür Rückstellung in der Höhe von 6,6 Prozent des Portfolios gebildet.  

(mit Material von Bloomberg und Reuters)

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