Die Bankführung um Ulrich Körner setzt bei ihrem Umbauprojekt auf einen US-Investmentbanker, der in Bankenkreisen umstritten ist: Michael Klein. Kleins Interessenkonflikte und sein Geschäftsgebaren machen den 59-Jährigen zu einem Reputationsrisiko für Körners Umbauprojekt. «Klein hat keinen guten Ruf», sagt ein hochrangiger US-Investmentbanker, der schon mit ihm zusammengearbeitet hat. 

Der Bankspitze sind die Risiken bewusst. Aber Körner habe so viele offene Baustellen, dass er in diesem Fall keine Wahl habe und das Risiko mit Klein eingehe, heisst es aus dem Umfeld der Bank.

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Klein soll die neue Einheit CS First Boston leiten. Im Zuge dessen will die CS ihm auch seine Beratungsboutique abkaufen, als Bezahlung soll Klein Anteile an der CS First Boston erhalten. Bei der Vorlage der Jahreszahlen Donnerstag dürfte es hierzu Details geben. Im Vorfeld war über einen tiefen dreistelligen Millionenbetrag als Kaufpreis für Kleins Boutique spekuliert worden. Die Bank kommentiert das nicht. 

Um die Risiken herunterzufahren, will die Credit Suisse einen grossen Teil ihrer Investmentbank abspalten und in die neue Einheit CS First Boston überführen. Diese soll 2024 oder 2025 an die Börse. Bis dahin sucht die CS externe Investoren. Einen Interessenten, der 500 Millionen Dollar einschiessen wolle, habe die Bank bereits, hatte CS-Präsident Axel Lehmann bei der Vorstellung des Strategieplans erklärt. Laut dem «Wall Street Journal» erwägt auch die Apollo Group eine Beteiligung.

Ehrgeizige Wachstumspläne

In die neue Einheit will die CS ihr Geschäft mit kreditfinanzierten Übernahmen, genannt Leveraged Finance, sowie jenes mit der Ausgabe neuer Schuldtitel einbringen. Laut einer Präsentation für Investoren, aus der Reuters zitiert, soll das Geschäft 2023 wieder Erträge von 2 Milliarden Dollar einbringen, nach einem Einbruch auf 1,4 Milliarden Dollar im Jahr 2022. Bis 2027 soll die Sparte die Einnahmen auf 2,7 Milliarden Dollar steigern.

Michael Klein ist das Mastermind hinter diesem ehrgeizigen Plan. Der Ex-Citi-Banker zog 2018 in den Verwaltungsrat der Credit Suisse ein. In der Krise war er es, der die Idee hatte, den Namen «First Boston» zu exhumieren und das US-Geschäft in eine neue Einheit abzuspalten. Und um sich gleich als Chef der neuen Einheit ins Spiel zu bringen. Corporate-Governance-Experten schlugen die Hände über den Kopf zusammen, die Bankspitze beruhigte: Es sei alles sauber und professionell abgelaufen.

Laut CS-Insidern waren Kleins Interessenkonflikte schon seit längerem Thema im Verwaltungsrat der Bank. Denn nach seinem Ausscheiden bei der Citigroup im Jahr 2008 gründete er seine eigene Beratungsboutique M. Klein & Company, in der auch sein Bruder arbeitet. Damit ist Klein de facto Konkurrent der CS im Investmentbanking. «Er ist kompetent und schlau, hat aber eine eigene Agenda», ist aus CS-Kreisen zu hören. 

Schlagzeilen wegen Interessenkonflikte

Einen wahren Aufschrei gab es, als durchsickerte, dass Klein seine Boutique mit der neuen CS First Boston verschmelzen will. Laut Bloomberg sei der Wert von Kleins Firma auf «mehrere hundert Millionen Dollar» taxiert worden.  

Eine Firma ohne Substanz, die nur von den Kontakten ihres Gründers lebt und rund 40 Leute hat – «das kann man überhaupt nicht vernünftig bewerten», sagt ein Investmentbanker. Daran ändere auch die angekündigte Fairness-Opinion durch die Deutsche Bank nichts. 

Laut Quellen habe Klein die Gelegenheit beim Schopf gepackt. «Er hat schon früher versucht, seine Firma zu verkaufen, nun hat er einen Abnehmer gefunden», schimpft ein CS-Insider. Auch dazu gibt die Bank keinen Kommentar ab, Kleins Firma selbst antwortet nicht auf E-Mails. 

Diese Knackpunkte sind auch der CS-Spitze bekannt. Aber diese schaut auf das grosse Bild: Angesichts der Grösse der CS First Boston mit einer Bilanz von rund 20 Milliarden Dollar sei die Integration von Kleins Boutique finanziell nur eine Fussnote, heisst es.

Knick in einer steilen Karriere

Entscheidend sei, ob Klein mit der CS First Boston Erfolg hat. «Und Klein kennt das Geschäft sehr gut, zudem hat er einen unglaublichen Ehrgeiz», hört man.

Klein machte zunächst eine steile Karriere bei der Citigroup und entwickelte dort seine Topkontakte an den persischen Golf, dank derer er der CS eine Kapitalspritze von 1,5 Milliarden Franken der Saudi National Bank beschaffte. 

Klein hat ein grosses Ego, «Gespräche werden schnell zu Monologen von ihm», sagt ein früherer Kollege. Der Karriereknick kam 2008, als er das Rennen um die Spitze der Citigroup verlor und die Bank dann verliess – ob freiwillig oder nicht, darüber gehen die Darstellungen auseinander. 

Ehemalige Kollegen beschreiben ihn als umgänglich, andere als eher unsympathisch wegen seines Rechthabergetues. Aber niemand bestreitet: Investmentbanking kann er. 

Churchill-Zitate als Wandschmuck

Doch dabei denkt er vor allem und zuerst an sich: Der Manager, der seine Bürowände in Manhattan mit Zitaten seines Idols Winston Churchill verziert hat, wurde nach seinem Ausscheiden bei der Citi reich mit den sogenannten Spacs. 

Diese börsenkotierten Spezialgesellschaften sammeln Geld von Investoren ein, ein prominenter Sponsor sucht dann ein Übernahmeziel, um diese Firma per Übernahme dann an die Börse zu bringen. 

Klein war Sponsor einige dieser Spezialgesellschaften, die gleichzeitig Kunden seiner Boutique waren. So verdiente er gleich doppelt. Der Spac Churchill III war indes ein Flop und führte zu Klagen. Denn mittels seines Spacs brachte Klein das Datenanalyseunternehmen Multiplan an die Börse.

Investoren sahen sich indes getäuscht, denn ihnen sei die Info vorenthalten worden, dass Multiplan seinen wichtigsten Kunden verlieren würde. Nach dem Börsengang kollabierte daher der Multiplan-Kurs. Der Streit endete im November mit einem Vergleich. Fehler hat Klein dabei nicht eingeräumt.

Zweifel am Geschäftsmodell

Mit der CS First Boston will Klein nun wieder zu den Grossen an der Wall Street aufschliessen. Doch ob das Geschäft mit kreditfinanzierten Übernahmen in Zeiten steigender Zinsen wieder anziehen wird, daran zweifeln Beobachterinnen und Beobachter. 

Auch die Grösse der Einheit sorgt für hochgezogene Augenbrauen: Mit einer Bilanz von rund 20 Milliarden Dollar ist die CS First Boston grösser als die Boutiquen, aber wesentlich kleiner als die Platzhirsche wie Goldman Sachs. Vorbilder sind Anbieter wie Jefferies, die ihr Geschäft ebenfalls mit externen Kapitalgebern finanzieren. Die Frage ist, wie lange die CS ihre US-Ausgründung noch mit einer Finanzierung alimentieren muss und entsprechende Risiken fährt. 

Wie immer die Sache ausgeht: Klein wird daraus zumindest finanziell wohl als Gewinner hervorgehen. Ob das auch für die CS und ihre Aktionäre und Aktionärinnen gilt, dürfte dagegen weniger sicher sein. 


 

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