Künstliche Intelligenz, Automatisierung und Big Data Analytics sind gemäss Ihrem Report zu den Milliardären die wichtigsten «Opportunitäten» aus Sicht der Befragten – wie «modern» sind die Unternehmen der Milliardäre? 

Die meisten dieser Unternehmen sind auch deswegen so erfolgreich, weil sie an der vordersten Front der Entwicklung, Kommerzialisierung und/oder Nutzung neuer Technologien stehen. Die von uns befragten Unternehmer wissen um die Notwendigkeit, sich stets im Zuge von neuen technologischen Entwicklungen anzupassen, um wettbewerbsfähig zu bleiben. In Europa und im Mittleren Osten wird beispielsweise die mögliche Disruption von existierenden Geschäftsmodellen durch neue Technologien als das grösste Risiko für ihre Unternehmen erachtet (56 Prozent).  

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Der Interviewpartner: Maximilian Kunkel ist Chief Investment Officer Global Family and Institutional Wealth (GFIW) bei der UBS.

Können Sie abschätzen, wie gross der Tech-Unternehmer-Anteil bei den Milliardären ist und wie sich dieser in den vergangenen Jahren verändert hat? 

Technologie, gefolgt von Gesundheitswesen und Industrie – dies macht den grössten Teil der Vermögen aus. Trends in Bezug auf Digitalisierung, Demografie, Deglobalisierung und Dekarbonisierung sollten diese Bereiche weiter stützen. 

Was lässt sich sagen zum Thema Nachhaltigkeit bei den Firmen und Anlageverhalten dieser Personen? Ticken hier die jüngeren Vertreterinnen und Vertreter anders als die älteren? Clean Energy ist beispielsweise eines der erwähnten Tech-Themen. 

Die traditionelle Separierung zwischen finanziellen und philanthropischen Zielen wird zunehmend hinterfragt. Die nächste Generation sieht immer mehr die Chance, einen grösseren Erfolg im Bekämpfen gesellschaftlicher Herausforderung durch die Kommerzialisierung von Innovationen zu haben.   

Immer wieder heisst es, die Digitalisierung gelange bei UHNWs an ihre Grenzen – über welche digitalen Kanäle informieren sich diese Kundinnen und Kunden? Und über welche digitalen Kanäle interagieren sie mit ihren RMs? 

Das persönliche Gespräch wird weiterhin bevorzugt, wenn es um Themen geht, die viel Vertrauen, Verständnis und Kenntnis von der individuellen Situation erfordern – sei es die Aufstellung auf der unternehmerischen, finanziellen Seite oder die Nachlassplanung. Für weniger individuell zugeschnittene Informationen werden gängige digitale Plattformen immer stärker bevorzugt.

Digitale Kunst, NFTs – das war mal ein grosses Thema vor zwei Jahren. Spielt das heute überhaupt noch eine Rolle?

Es spielt in der Vermögensallokation überwiegend keine signifikante Rolle. Jedoch besteht das Interesse an der zugrunde liegenden Technologie weiterhin.

Und was können weniger vermögende Menschen hier lernen beziehungsweise sich abschauen? Bezüglich Anlageverhalten/Asset Allocation? Und bezüglich guter Unternehmensführung, langfristigem, generationsübergreifendem Denken?  

Planung, Disziplin und Fokus auf langfristige Trends. Auch anderen Anlegenden kann eine langfristig orientierte Vermögensallokation, die diszipliniert umgesetzt wird und längerfristige Trends wie die «5 D» – Digitalisierung, Dekarbonisierung, demografischer Wandel, Deglobalisierung und «Debt» – miteinbezieht, zugutekommen.

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