Nach Rekordwerten im Jahr 2021 und einem darauffolgenden Einbruch sind die Preise von Kryptowährungen in den letzten Monaten wieder deutlich gestiegen. Verschiedene Retailbanken haben sich entschlossen, ein Angebot an Kryptowährungen aufzubauen. Gemäss einer  Studie der Hochschule Luzern  der Hochschule Luzern (HSLU) bieten 28 Prozent der Retailbanken Kryptowährungen als vollwertige Anlageklasse an oder beabsichtigen, dies künftig zu tun. 

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Banken gelten als vertrauenswürdiger

Nach Jahren der Zurückhaltung sieht es danach aus, dass mindestens grössere Retailbanken bei ihrer Kundenbasis ein Bedürfnis nach Kryptowährungen erkennen. «Die Banken scheinen in Kryptoanlagen Potenzial zu sehen», sagt Co-Studienautor Dr. Felix Buschor. Der Finanzexperte führt dies auf zwei grosse Vorteile zurück, welche Banken gegenüber Kryptobörsen haben: «Erstens geniessen sie das Vertrauen ihrer Kundschaft, wenn es um die sichere Abwicklung und Verwahrung von Kryptowährungen geht. Zweitens können Kryptowährungen kundenfreundlich mit vorhandenen Bankdienstleistungen verschmolzen werden.» 

Das heisst gemäss dem Studienleiter, dass Kryptowährungen im E- oder Mobile-Banking gehandelt werden können oder im Depotauszug und im Steuerverzeichnis zusammen mit den übrigen Vermögenswerten ausgewiesen werden.

Blockchain: Gamechanger für die Banken?

Die Einführung von Kryptowährungen sei für die Banken nicht nur eine reine Erweiterung ihrer Produktpalette. Gemäss Buschor stellt sich damit unweigerlich auch die Frage, welche strategische Bedeutung sie der Blockchain für die Zukunft des Bankgeschäfts beimessen. Wie die Studie zeigt, gibt es hierzu unterschiedliche Auffassungen: «Manche Banken sehen Blockchain als eine Technologie, die das Rückgrat des Bankings der Zukunft bilden wird. Das Beherrschen der Blockchain-Technologie wird als Kernkompetenz angesehen», so Buschor. Die Mehrheit der Banken sei sich diesbezüglich aber weniger sicher. Für sie stehe im Vordergrund, rasch auf das Kundenbedürfnis nach Kryptowährungen reagieren zu können.

Diese unterschiedlichen Auffassungen zeigen sich im Sourcing: Wer viel Potenzial in Kryptoanlagen sieht, investiert jetzt substanziell, um bankintern Know-how, Systeme und Prozesse rund um die Blockchain aufzubauen. Die Banken, welche in Kryptoanlagen im Moment eher einen kurzfristigen Businesscase sehen, würden sich dieses Know-how bei Drittanbietern einkaufen. «Das geht wesentlich schneller, als eigene Prozesse aufzugleisen», hält der Co-Studienautor fest. (pd/hzb/pg)

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