Vor allem die kleinen Privatbanken blicken auf ein starkes 2023 zurück, wie eine Studie von KPMG zeigt. Da sie auf ihren Kundengeldern vergleichsweise tiefe Zinsen zahlten, profitierten sie besonders von den höheren Zinsen und steigerten das Zinsergebnis um fast 60%. Der Ertrag der kleinen Privatbanken legte um 20% zu, und der Bruttogewinn erhöhte sich um zwei Drittel 321 auf 528 Mio. Franken.

Mittelgrosse Privatbanken konnten ihre Zinserträge ebenfalls markant steigern und ein Umsatzwachstum von 10% erzielen. Allerdings brach das Handelsgeschäft im Unterschied zu den kleinen Privatbanken um fast die Hälfte ein. Der Bruttogewinn wuchs um 27% auf 817 Mio. Franken.

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Auch die acht grossen Privatbanken konnten ihr Zinsergebnis verbessern, jedoch mit +11% deutlich weniger stark als die kleinen und mittleren Mitbewerber. Grund dafür ist der wesentlich höhere Zinsaufwand bei den grossen Privatbanken, welche ihren Kunden höhere Zinsen entrichten als die kleineren Banken. Infolge des rückläufigen Kommissionsgeschäfts stagnierten die Gesamterträge der grossen Privatbanken. Unter dem Strich resultierte für sie ein Rückgang des Bruttogewinns um 8%, von 4,8 auf 4,4 Mrd. Franken.

Tieferes Kosten-Ertragsverhältnis trotz steigender Kosten 

Aufgrund des ausserordentlich guten Zinsergebnisses sank das mittlere Kosten-Ertragsverhältnis um über sieben Prozentpunkte auf 74%. Es liegt damit so tief wie letztmals 2007. Von den total 73 untersuchten Banken weisen 50 ein Kosten-Ertragsverhältnis von unter 80% aus und gehören damit zur Gruppe der leistungsstarken Banken. 2020 zählten nur 30 Banken zu dieser Gruppe.

Auffällig ist die starke Verbesserung des Kosten-Ertragsverhältnisses der kleinen Banken, welches aufgrund des Zinsergebnisses im Median von 81,4 auf 73,4% zurückging, nachdem es vorher jahrelang relativ stabil war. Mittelgrosse Privatbanken konnten sich von 83,1 auf 81,9% ebenfalls leicht verbessern, bleiben aber die schwächste Gruppe. Die grossen Privatbanken weisen nach wie vor das tiefste Kosten-Ertragsverhältnis aus, das sich jedoch im Vorjahresvergleich von 69,7% auf 71,2% erhöhte.

Trotz dieser positiven Entwicklung besteht laut Studienleiter Christian Hintermann Handlungsbedarf. Denn mit der zweiten Zinssenkung der SNB in diesem Jahr und Zinssenkungen von anderen Zentralbanken sowie mit den erhöhten Mindestreserven-Erfordernissen der SNB werden die Zinserträge sinken. Der Zinsaufwand dürfte dagegen steigen, da der Druck der Kunden zunimmt und der Wettbewerb um Kundengelder intensiver wird.

«Insbesondere aufgrund des zu erwartenden Rückgangs des Zinsergebnisses sollte der Fokus auf der Kostenbasis liegen, die in jüngster Zeit bei vielen Privatbanken deutlich gestiegen ist», so Hintermann. Allein im letzten Jahr sind die operativen Kosten der Privatbanken um über eine halbe Milliarde Franken gewachsen. Den stärksten Kostenanstieg verzeichneten die kleinen Privatbanken mit einer Zunahme von knapp 8% – beinahe doppelt so viel wie der Branchendurchschnitt von plus 4,6%.

Verwaltete Vermögen nehmen leicht zu

Nach einem starken Rückgang im Vorjahr stiegen die verwalteten Vermögen 2023 leicht von rund 2,9 auf 3,0 Billionen Franken. Grund dafür waren primär Netto-Neugelder von 67 Mrd. Franken Mit einem Plus von 2,8% im Median konnten die grossen Privatbanken deutlich erfolgreicher Kundengelder anziehen als die Gruppe der mittelgrossen und kleinen Privatbanken mit einem Netto-Neugeld-Zufluss von 1,8% bzw. 1,4%. Insgesamt bleibt aber das Netto-Neugeld mit Ausnahme von 2022 deutlich unter dem Niveau der Vorjahre und ist bei den meisten Banken nicht ausreichend für ein nachhaltiges Wachstum.

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«Aufgrund der positiven Marktentwicklung wäre eine stärkere Zunahme der verwalteten Vermögen zu erwarten gewesen. Die starke Aufwertung des Schweizer Frankens gegenüber dem US-Dollar und dem Euro hat die Kursgewinne jedoch wieder zunichte gemacht», sagt Philipp Rickert, Leiter Financial Services von KPMG Schweiz.

Wie sich die von der UBS und CS übernommenen Kundenberater auf die verwalteten Vermögen der Privatbanken auswirken werden, ist laut Rickert noch offen: «Die Ergebnisse dieser Investitionen werden sich aufgrund des zeitverzögerten Effekts erst ab nächstem Jahr manifestieren.»

M&A-Aktivitäten auf historischem Tiefstand

Aufgrund des positiven Zinsumfelds kamen die M&A-Aktivitäten im Privatbankensektor im 2023 praktisch zum Erliegen. Neben der Akquisition der CS durch die UBS war der Verkauf der verbleibenden 65%- Beteiligung von Julius Bär am italienischen Vermögensverwalter Kairos an die Anima Holding die einzige Wealth Management-Transaktion im letzten Jahr von Schweizer Privatbanken. "Dank der hohen Zinserträge sind Privatbanken in Bezug auf anorganisches Wachstum zurückhaltend. Der Druck wird jedoch mit dem Abflachen der Zinswelle und der Stagnation der verwalteten Vermögen wieder zunehmen", ist Hintermann überzeugt. (pd/hzb/pg)