Daniel Sterchi, ist KI für Sie bei Ihrer Bank ein Thema, und gibt es bereits Anwendungen? Macht KI für Sie bei der Bank SLM bereits Sinn?

KI ist ein Thema, ganz klar. Doch momentan haben wir noch keine Anwendungen bei uns im Haus. Wir sind wie bei vielen Themen nicht «First Movers», sondern eher «Followers». Wir warten erst einmal ab, um abschätzen zu können, was da auf uns zukommt, welche Anwendungsbereiche sinnvoll sind und sich auf dem Markt etablieren und bewähren. Erst dann wird es für eine Bank in unserer Grösse finanzier- und handelbar. Denn dann kennt man die Risiken und die Lösungen dazu.

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Aber die Verantwortlichen der Bank SLM halten sich auf dem Laufenden?

Das ist absolut korrekt. In diesem Jahr werden wir uns zusammen mit dem Verwaltungsrat intensiv mit dem Thema künstliche Intelligenz beschäftigen. Unter anderem werden Sachverständige der Hochschule Luzern uns auf den aktuellsten Stand bringen, damit wir stets mit offenen Augen und Ohren in diesem Bereich unterwegs sind.

Eine eigentliche Strategie haben Sie aber nicht. Liegt das auch daran, dass sie als kleine Bank ein solches Projekt finanziell nicht selber stemmen könnten?

Exakt. Als kleine Einzelbank hat man da absolut keine Chance, Projekte in einer solchen Dimension zu stemmen. Selbst im Esprit-Netzwerk, bei dem wir Mitglied sind, wird man bei einem Projekt dieser Grössenordnung schnell finanziell an Grenzen stossen. Aus diesem Grund beobachten wir den Markt zunächst intensiv.

Sie haben das Esprit-Netzwerk angesprochen. Welche Bedeutung hat es für Sie als kleinere Bank?

Für uns hat das Esprit-Netzwerk eine grosse Bedeutung. Es geht einerseits darum, eine Einkaufsgemeinschaft zu bilden, und anderseits geht es um einen Know-how-Austausch unter gleichgesinnten Banken in ähnlicher Grösse und mit ähnlichen Geschäftsmodellen. Für uns bietet Esprit die Möglichkeit, Kosten zu teilen. Die IT und Cybersecurity sind hier das klassische Thema. Wir schätzen das Netzwerk extrem, da wir so von Skalierungen unmittelbar profitieren.

Was sind die Herausforderungen in den kommenden Jahren im Bankenwesen generell? Was müssen Banken im Auge behalten, damit Ihnen das Geschäftsmodell nicht erodiert?

Das grosse Thema ist sicherlich die Digitalisierung. Einerseits kommen neue Player auf den Markt, anderseits können wir als Bank SLM logischerweise auch profitieren. Weiter sehe ich Datensicherheit und Cybersecurity als ein extrem wichtiges Thema an. Als Nächstes gibt es wohl einen weiteren Schub bei der Regulierung. Auch die Thematik der Nachhaltigkeit wird mit hineinspielen, davon bin ich überzeugt. Hier wird sich die Bankenwelt in den kommenden Jahren bewegen und verändern.

Wo sehen Sie weitere Herausforderungen auf Banken zukommen?

Die Rekrutierung von Fachpersonal, Stichwort Fachkräftemangel, beschäftigt uns bei der Bank SLM. Wir hatten letztes Jahr erstmals Probleme. Doch hat sich das unterdessen ein wenig entspannt.

Hat sich die Situation auf dem Arbeitsmarkt nach dem CS-Aus entspannt?

Ich führe das nicht auf den CS-Effekt zurück. In unserem Geschäftsgebiet war die Credit Suisse nie sehr präsent. Natürlich kenne ich Leute in unserer Region, die bei der CS arbeiten. Aber wir haben jetzt nicht die grosse Welle von CS-Bewerbungen bei uns gesehen.

Haben Sie aufgrund dieser Rekrutierungsschwierigkeiten die Löhne um ein paar Hundert Franken mehr im Monat angehoben?

Nein, das war kein Thema. Wir haben unser Lohnsystem. Dieses bildet weiterhin unverändert unsere Basis.

Ist für Sie ein Zusammenschluss mit anderen Finanzinstituten ein Thema?

Nein. Was wären die Vorteile für unsere Bank? Das müsste schon sehr klar sein. Wenn eine Zusammenarbeit Sinn für beide Partner macht, arbeiten wir mit anderen Banken in entsprechenden Bereichen zusammen. Doch aktiv auf der Suche nach einem Fusionspartner sind wir nicht. 2011 hatten wir eine Fusion mit der Bernerland Bank geplant. Doch unsere Aktionärinnen und Aktionäre wollten, dass wir selbstständig bleiben. Das ist bis heute unser Auftrag.

Die Tiefzinsphase ist vorbei. Die Zürcher Kantonalbank ZKB und die Thurgauer Kantonalbank verzichten wieder ganz auf Gebühren. Das bringt die Branche ein bisschen unter Druck. Wie sieht das bei Ihnen aus?

Gebühren sind ein regelmässiges Thema. Gebühren sollen einerseits kostendeckend sein. Es gibt Banken, die im Rahmen der negativen Zinsphase die Gebühren erhöht haben. Wir bei der Bank SLM haben das nicht gemacht und haben sehr moderate Gebühren. Für uns ist es eine Frage des Gesamtpakets, die wir den Kundinnen und Kunden anbieten können. Wir sehen im Moment keinen akuten Handlungsbedarf, dass wir unsere Gebühren reduzieren müssten.

Beim Zins besteht für Banken nun wieder Spielraum. 

Ja. Und wir haben bei den Zinsen auch Schritte nach oben vollzogen. So zahlen wir im Gegensatz zu vielen anderen Banken bereits wieder auf dem Lohnkonto einen Zins. Wir geben den Kundinnen und Kunden zudem die Möglichkeit, durch die Bündelung von Angeboten ihre Belastung zu reduzieren.

Wie beurteilen Sie die Konkurrenz durch Fintechs und «Banking as a Service» (BaaS)? Bedrohen Online-Banken, die zwar Payment-Services und Kreditkarten anbieten, aber eigentlich keine Banklizenz haben, Ihr Geschäftsmodell?

Viele unserer Kundinnen und Kunden haben schon heute weitere Bankbeziehungen – unter anderem auch bei Fintechs. Das wissen wir. Ausserdem können wir von den Fintech-Angeboten sehr viel lernen. Es gibt Themen, bei denen die Customer Experience wirklich gut ist. Für uns stellt diese Konkurrenz keine Bedrohung, sondern eine Bereicherung dar.

Sie haben keine Angst, dass die Fintechs Ihnen das Wasser abgraben?

Solange sich die Fintechs in der Nische bewegen, etwa Zahlungsverkehr oder Kreditkarten, können wir gut nebenan leben. Doch ich sehe die Herausforderung. Die weitere Entwicklung müssen wir genau beobachten.

Zur Person Daniel Sterchi

Zur Person

  • CEO der SLM-Bank seit 2019
  • Ausbildung: Eidg. dipl. Experte in Rechnungslegung und Controlling
  • Alter: 52
  • Persönliche Info: «Ich bewege mich gerne an der frischen Luft (Ski fahren, Velo fahren, wandern).»
Die Bank SLM in Zahlen

Die SLM-Bank

  • Gründungsjahr: 1870
  • Bilanzsumme in Millionen Franken: CHF1'778,7
  • Anzahl Kunden und Kundinnen: 23’000
  • Verbreitungsgebiet/abgedeckte Region: Geschäftsgebiet zwischen Bern und Thun
  • Aktiengesellschaft
  • Was ist an Ihrer Bank im Vergleich zu anderen Banken speziell? «Gründung durch den Handwerker- und Gewerbeverein, dadurch pflegen wir bis heute eine intensive Partnerschaft zum Gewerbe in unserer Region.»
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