Die Corona-Krise trifft die Wirtschaft mit voller Wucht: Das Staatssekretariat für Wirtschaft rechnet damit, dass sich das Bruttoinlandsprodukt dieses Jahr um 6,7 Prozent zurückbilden wird. Wie gravierend die wirtschaftlichen Folgen der Massnahmen zur Eindämmung des Corona-Virus sind, hängt jedoch auch stark davon ab, wie viele Arbeitnehmer und Selbstständige in der Lage sind, ihren Job weiterhin uneingeschränkt auszuüben.

Die Empfehlungen des Bundesrates sind hier klar: Wer kann, arbeitet im Home Office. Doch nicht alle Berufstätigkeiten sind gleich gut für die Arbeit von zu Hause geeignet. Die Ökonomen Marius Faber, Andrea Ghisletta und Kurt Schmidheiny von der Universität Basel haben nun einen Homeoffice-Index ermittelt.

Für ihre Analyse haben die Ökonomen detaillierte Informationen über Beruf, Wohnort und Arbeitsmarktstatus von knapp 70’000 Schweizerinnen und Schweizer verwendet. Die Daten stammen aus der Schweizer Arbeitskräfteerhebung (SAKE) für das Jahr 2018.

56 Prozent aller Jobs im Home Office möglich

Das Ergebnis: Im Durchschnitt können 56 Prozent aller Jobs in der Schweiz problemlos von zu Hause aus erledigt werden.

Allerdings sind verschiedene Regionen sehr unterschiedlich betroffen. Während in einigen Kantonen wie Basel-Stadt über die Hälfte aller Berufe (67 Prozent) Home-Office erlauben, ist dies in anderen Kantonen für weniger als ein Drittel möglich: Appenzell Innerrhoden weist mit 27 Prozent den niedrigsten Wert auf.

Ein Grund für die regionalen Unterschiede sei die hohe Spezialisierung einzelner Arbeitsmarktregionen auf wenige Branchen, so die Ökonomen.

Entscheidend ist die unmittelbare Nähe

Um die Konsequenzen für den Arbeitsmarkt besser abbilden zu können, haben die Ökonomen neben dem Homeoffice-Index zudem einen Lockdown-Index ermittelt. «Die Massnahmen des Bundes zielen primär darauf ab, den physischen Kontakt zwischen Menschen zu reduzieren, und nicht darauf, dass sie unbedingt zuhause bleiben», so die Ökonomen. «Entscheidender als die Frage, ob der Beruf von zuhause aus ausgeführt werden kann, scheint uns deshalb, ob er in unmittelbarer Nähe zu anderen Menschen ausgeführt werden muss.»

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LockdownIndex
Quelle: Statista/Universität Basel

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Der Lockdown-Index zeigt im Vergleich zum Homeoffice-Index entsprechend an, welcher Anteil der Bevölkerung bei der Ausübung des Berufs auf körperliche Nähe angewiesen und somit vermutlich durch den Lockdown stark eingeschränkt ist.

Das Ergebnis: 31 Prozent aller Jobs sind vom Lockdown direkt eingeschränkt.

Basel am wenigsten betroffen

Am stärksten betroffen sind: 

  • Obwalden (39 Prozent der Berufstätigen sind auf körperliche Nähe angewiesen),
  • Appenzell Innerrhoden (38 Prozent)
  • Uri (37 Prozent)
  • Wallis (35 Prozent).

Verhältnismässig wenig betroffen sind die Kantone:

  • Zürich (29 Prozent),
  • Basel-Stadt (29 Prozent),
  • Zug (28 Prozent),
  • Genf (28 Prozent)
  • Jura (27 Prozent).

«Zürich ist überproportional spezialisiert in Branchen wie Finanz- und Versicherungsdienstleistungen oder freiberuflichen und technischen Dienstleistungen, die allesamt einen niedrigen Lockdown-Index aufweisen», heisst es. «Obwalden ist hingegen überproportional vertreten in Holzwaren oder dem Baugewerbe, die stärker eingeschränkt sind. Ausserdem gibt es dort verhältnismässig wenig Erwerbstätige in den wenig betroffenen Branchen Gesundheits- und Sozialwesen oder Finanz- und Versicherungsdienstleistungen.»

Die Studie

Bei der Studie «Wo der Lockdown am stärksten zu spüren ist» handelt es sich um einen Blogeintrag von Marius Faber, Andrea Ghisletta und Kurt Schmidheiny von der Universität Basel. Zu finden ist dieser auf der Projektseite «Auswirkungen der Coronamassnahmen auf die Erwerbstätigkeit in der Schweiz» der Universität Basel, die laufend mit aktuellen Ergebnissen inkl. Links zum Download aktualisiert wird.