Keine Panik. Wer auf die 50 zugeht, sich für die Firma aufopfert, aber die Chefetage höchstens von Jahresgesprächen her kennt, und das trotz Ambi­tionen, Erfolgen und ausgewiesenen ­C-Level-Qualitäten, der darf sich locker machen. Und erst mal mehr graue Haare bekommen. Denn für den Chefsessel ist er oder sie schlicht zu jung.

Im neuen Jahrzehnt ist das Zeitalter hyperaktiver Jungchefs vorbei. Klar sind da das jugendfokussierte Silicon Valley und die CEOs mit Sneakers und Hoodie. Nur gehören sie als Gründer eben nicht zur klassischen Manager-Kaste. In der ­Geschäftsleitung der Unternehmen indes zählen aktuell zwei Eigenschaften: Erfahrung und Abgeklärtheit. Und dafür gab es schon vor Corona empirische Evidenz. So ist 2019 bei den 500 grössten US-Unter­nehmen das Durchschnittsalter von neuen Konzernchefs auf geschlagene 58 Jahre hoch­geschossen – 2018 lag es noch bei 54 Jahren, wie ein Report der Headhunterfirma Crist Kolder Associates zeigt.

Nun könnte man meinen, die Tendenz zum hohen Alter sei ein Trend fernab der Schweiz, gerade in den USA, wo man sich fast schon im Greisenstatus befinden muss, um für die Präsidentschaft in Frage zu kommen. Donald Trump peilt für die Republikaner mit 74 Jahren eine zweite Amtszeit an, streitig machen will ihm dies im November Joe Biden (77) – als Kandidaten der Demokraten ausgeschieden sind zuletzt Bernie Sanders (78) und Michael Bloomberg (78). Mit 77 Jahren ist Biden somit der jüngste Mann in der Endauswahl der Demokraten. «Denken Sie daran, dass die durchschnittliche Lebenserwartung der Männer etwa 76 Jahre beträgt», mahnte der US-Satiriker Stephen Colbert in seiner Late-Night-Show.