Ist es Ihnen als Kaderperson auch schon passiert, dass Sie in den Ferien waren und täglich eine Flut von E-Mails beantworten mussten, welche nach Ihrer sofortigen Entscheidung verlangten? Shared Leadership könnte die von Führungskräften häufig als einengend empfundene ständige Erreichbarkeit weniger belastend machen. Im richtigen Set-up könnte die geteilte Führung die passende Alternative zur oft typischen heroischen Führung sein und damit das klassische Stellvertreterprinzip ablösen.

Bei Shared Leadership werden Führungsauf­gaben und die Verantwortung auf mehrere Führungskräfte der gleichen Kaderstufe und Funktion verteilt. Das Sharing kann sich zwischen zwei oder mehreren Führungskräften etablieren, welche sich bei der Entscheidungsfindung im Gremium einig werden und nach demokra­tischen Lösungen suchen müssen.

Neue Anforderungen an Führungskräfte in Kom­bination mit steigender Erreichbarkeit und Komplexität sprechen für die Implementation von neuen Führungsmodellen. Durch die gemeinsame Mitwirkung und Mitsprache im Alltag können die Identifikation und Motiva­tion erhöht und die Innovationskraft gesteigert werden.

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Die Autorin und die Autoren schrieben diesen Artikel im Rahmen des Master-Studiengangs zum Executive MBA an der Hochschule Luzern. Ladina Flury ist COO bei Swiss Medi Kids, Djordje Stefanovic arbeitet als Projektleiter Marketing und Kommunikation bei Mobilezone und Erik Stettler leitet den Einkauf bei Anliker.

Durch das gegenseitige Coaching im Gremium findet eine aktive Reflexion der Arbeit der Führungskräfte statt. Das Gremium stützt seine Führungskräfte und gibt ­ihnen Sicherheit im Alltag. Somit können gemeinsam gefällte Entscheidungen gegenüber den Mitarbeitenden besser vertreten werden. Des Weiteren wirkt Shared ­Leadership gesundheitsfördernd, weil damit die Work-­Life-Balance verstärkt werden kann.

Wenn das Image des einzigartigen Alphatiers bröckelt

Damit Shared Leadership funktioniert und die Vor­teile ausgeschöpft werden können, braucht es eine ­Unternehmenskultur mit gegenseitigem Respekt und Ver­trauen. Alphatiere könnten anfangs mit Shared Leadership ihre Schwierigkeiten haben, da Aufgaben an das Gremium abgegeben werden und somit das Image des einzigartigen Helden bröckelt.

Doch durch Shared Leadership wird es möglich sein, dass jeder und jede einen Teil zur erfolgreicheren Gesamtleistung beitragen kann. Das Risiko besteht jedoch, dass die Mitglieder des Gremiums von den Mitarbeitenden gegeneinander ausgespielt werden. Um dies zu verhindern, sind Kommunikation und ein reger Austausch im Gremium sowie klare Prozesse und Vorgaben essenziell. Damit eine Einigung erzielt werden kann, ist es wichtig, dass das Führungs­gremium in sich kooperationsbereit ist und sich Konflikten stellt.

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Die Gremiumsmitglieder sollen sich respektvoll gegenübertreten und im Vertrauen offen und ehrlich diskutieren können. Eigene Interessen müssen hinter die des Gesamtbetriebs gestellt werden. Bei häufiger Uneinigkeit wäre es eine Option, die Ressorts zuzuteilen, bei welchen jeweils ein Mitglied des Gremiums über den Stichentscheid verfügt.

Es braucht Mut zur Veränderung. Aber wenn die ­Unternehmenskultur und das Vertrauensverhältnis im Gremium vorhanden sind, profitieren die Leitenden von weniger Vermischung von Privat- und Berufsleben. Dies kann zu sinkender Personalfluktuation, gesteigerter Mitarbeitendenzufriedenheit und Innova­tionskraft im Unternehmen führen. Shared Leadership ist nicht die einzige Form von Führung, jedoch die einzige, welche mehrere Helden zum Vorschein bringen kann.

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