In der Schweiz ist der Sonntag heilig. Es ist der Tag für die Erholung und die Familie, aber vor allem ist es der arbeitsfreie Tag. Dieses Konzept gilt bis jetzt – und wird zunehmend auf den Kopf gestellt. Arbeit und Freizeit flexibel auf sieben Tage die Woche aufteilen – das führte das britische Ingenieurbüro Arup ein und sorgt weltweit für Aufsehen.

Ob das Konzept auch in der Schweiz funktioniert? Die Frage sollte nicht heissen, ob es funktioniert, sondern wann es kommt.

Auch interessant

Durch die Corona-Pandemie hat sich bereits eine starke Flexibilisierung der Arbeitszeiten durchgesetzt. Und das ist gut so. Im Homeoffice können die Arbeitstage länger sein, da Hin- und Rückreise zum Arbeitsort entfallen. Gleichzeitig kann aber auch früher Feierabend gemacht oder eine Aufgabe auf die Zeit nach dem Abendessen verschoben werden. Und da der Computer im eigenen Zuhause steht statt im entfernten Büro, ist es auch möglich, am Wochenende das Mailprogramm zu starten und bereits für den Montag vorzuarbeiten.

Klar, nicht jeden Tag schuften zu müssen, ist eine gesellschaftliche Errungenschaft. Logisch, dass es Pausen braucht zum Innehalten und Auftanken. Berechtigterweise gibt es für viele Berufe besondere Regeln bezüglich der Arbeitszeit am Wochenende oder während der Nacht. Doch das flexible Arbeiten wird hierzulande leider oft als problematisch an gesehen.

Dabei würde eine flexible Einteilung der Arbeitszeit neue Möglichkeiten eröffnen: Paare mit Kindern können ihren Nachmittag draussen im Wald verbringen und die Stunden dann am Abend, wenn die Kinder im Bett liegen, nacharbeiten. Auch Sonnenhungrige, die im Winter während der wenigen hellen Stunden gerne draussen sind, können so die Sonne geniessen und die Arbeitszeit auf den verregneten Samstag verlegen.

Wer junge, qualifizierte Arbeitnehmende für sein Unternehmen begeistern will, sollte diese Möglichkeit schaffen.

Allerdings gilt es auch darauf zu achten, dass nicht plötzlich der Anspruch vonseiten des Arbeitgebers entsteht, dass die Mitarbeitenden 24/7 erreichbar sein müssen. Es braucht eben gute Absprachen, damit es für beide Seiten passt. Auch ist ein solches System nicht für alle Jobs geeignet. Für «Wissensarbeitende» wie Anwältinnen, Medienschaffende oder Programmierer, die ihre Arbeit per Computer ausführen können, ist es aber klar eine Option.

Die flexible Sieben-Tage-Woche bedingt ein noch grösseres Vertrauen von Unternehmens- wie auch von Arbeitnehmerseite. Die Gefahr, dass zu viel gearbeitet wird, darf nicht ausser Acht gelassen werden. Hier sind Massnahmen in der Prävention und Begleitung der Mitarbeitenden gefragt. Auch die Gefahr, dass faule Mitarbeitende das System ausnutzen könnten, besteht.

Trotz diesen Einwänden sind flexible Arbeitszeiten die Zukunft. Wer junge, qualifizierte Arbeitnehmende für sein Unternehmen begeistern will, sollte diese Möglichkeit schaffen. Freizeit und Arbeit gut zu vereinbaren, das ist heute ein wichtiger Grund bei der Arbeitgeberwahl. Deshalb gilt für Firmen, aber auch für die Politik, die die rechtlichen Rahmenbedingungen in dieser Sache setzt: Wagt mehr Flexibilität. Es lohnt sich.