▶︎ Person

Er wollte nicht Unternehmer werden, sondern Wissenschaftler. Heute kombiniert er beides. Denn das Unternehmer-Gen steckt nun mal in Carlo Centonze (47). Seiner Familie gehört die 108 Jahre alte Ecsa Group aus dem Tessin. Aufgewachsen ist Centonze im Sottoceneri. 1998 zog es ihn an die ETH in Zürich, wo er erst Biologie studierte, umsattelte und ein Studium zum Forstingenieur absolvierte – eine Schnittstelle zwischen Wirtschaft und Biologie, wie er erklärt. 2002 hat Centonze aus dem ETH-Umfeld heraus Myclimate mitgegründet. «Ich war allerdings zu pushy für eine Nonprofitorganisation», sagt er. Kurz darauf gründete er ein zweites ETH-Spin-off: HeiQ. Vergangenes Jahr ging das Unternehmen mit Sitz in Schlieren ZH in London an die Börse.

▶︎ Produkt

Die Idee für HeiQ kam beim Wandern. Centonze und sein Freund Murray Height, ein Chemie-Ingenieur, den er an der ETH kennengelernt hatte, waren im August 2004 im Greinatal unterwegs. «Irgendwann rochen unsere T-Shirts jenseits von Gut und Böse.» Centonze fragte sich, ob man nicht Silber in den Textilfasern verankern könnte – damit der Geruch neutralisiert würde. Die beiden machten sich sofort ans Werk und tüftelten im Umfeld der ETH an der Methode. Statt Silber, das Bakterien abtötet, setzten sie bald einmal auf Zuckermoleküle. Sobald man schwitzt, bildet nun das Geruchsmolekül Schwefel zusammen mit dem Zucker ein neutralisierendes Salz. Beim Waschen fällt dieses ab, und der Aminozucker bleibt zurück. Zahlreiche Marken und Outdoor-Brands schwören heute auf diese Technologie – von Odlo und Mammut über The North Face bis zu Patagonia oder Burberry.

▶︎ Potenzial

An der Börse ist HeiQ aktuell umgerechnet mehr als 300 Millionen Franken wert. Das Unternehmen setzt längst nicht mehr nur auf die Geruchskontrolle in Textilien, es hat auch Kleidung mit wärmenden oder kühlenden sowie antiviralen und insektenabweisenden Eigenschaften in petto. Die Firma hat eine vergleichsweise grosse Research-&-Development-Abteilung und arbeitet mit Wissenschaftlern von 20 Universitäten zusammen. Centonze und sein Team konzentrieren sich auf sechs Technologieplattformen, die sie laufend weiterentwickeln. Neben funktionaler Kleidung entwickelt das Team derzeit eine neuartige Graphen-Membran – sie soll beispielsweise leichtere Batterien für die Elektromobilität ermöglichen, die sich zudem schneller aufladen lassen.

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