Der 13.  August ist für Guillaume Pousaz (41) der Höhepunkt dieses Jahres: Dann wird er am Rennen Sierre–Zinal teilnehmen, einem Berglauf entlang von fünf Viertausendern im Wallis. 31 Kilometer Strecke, 2200 Meter Anstieg, 1100 Meter Abstieg sind zu bewältigen. Dafür reist der gebürtige Genfer extra von seinem Wohnsitz Dubai an. «Ich kann das nicht jedes Jahr verpassen», sagt er.Einen anderen Gipfel hat er schon erklommen: Soeben ist der von ihm 2009 in London gegründete Zahlungsabwickler Checkout.com zum wertvollsten Start-up Europas gekürt geworden. Weltweit liegt die Firma in der Auswertung von Crunchbase inzwischen auf Platz sieben. 

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Zwei Faktoren kommen zusammen, beide haben mit Timing zu tun: Im Januar führte Checkout.com eine weitere Finanzierungsrunde durch und sammelte dabei eine Milliarde Dollar ein. Die Firma wurde dabei mit 40 Milliarden Dollar bewertet. Damit landete Checkout.com, an der Pousaz noch immer rund 80 Prozent der Aktien hält, auf Rang zwei der wertvollsten Start-ups in Europa.

Im Juli führte nun die bisherige Nummer eins, der schwedische Zahlungsdienstleister Klarna, ebenfalls eine Finanzierungsrunde über 800 Millionen Dollar durch. Sie geriet zum Desaster: Die Bewertung sank um fast 85 Prozent von 45,6 auf nun 6,7 Milliarden Dollar. Denn das Umfeld hatte inzwischen komplett gedreht: Wegen Inflation, höherer Zinsen und Ukraine-Krieg waren Tech-Aktien mittlerweile gecrasht. Gerade Paymentfirmen galten als überbewertet, da sich die hohen Wachstumsraten der Pandemie kaum noch fortschreiben lassen. Die niederländische Ayden etwa, ein Hauptkonkurrent von Checkout.com und bereits börsenkotiert, verlor 40 Prozent ihres Börsenwerts. Deswegen halten sich die Investoren auch bei entsprechenden Start-ups zurück. «Wir haben im Januar in einem ganz anderen Umfeld Geld gesammelt», sagt Pousaz: «Müssten wir es heute tun, würde die Logik auch bei uns gelten.»

Dank des glücklichen Timings aber kann Pousaz unbeirrt weiterarbeiten. Die eingesammelte Milliarde will er hauptsächlich in den USA investieren: «Das ist nach China der weltweit grösste Markt für E-Commerce, und wir haben dort einen guten Lauf», sagt er. Weiteres Geld braucht er nicht, die Firma mit derzeit über 2000 Angestellten ist seit vielen Jahren Ebitda-profitabel. Für mindestens die nächsten zwölf Monate ist daher auch keine weitere Finanzierungsrunde angesagt: «Jetzt müssen wir erst mal in unsere letzte Bewertung hineinwachsen», sagt Pousaz. Auch der für dieses oder nächstes Jahr angedachte Börsengang ist vorerst kein Thema.