Womit haben Sie Ihr erstes Geld verdient?
Mit Jäten, also mit Gartenarbeiten im Garten meiner Grossmutter.

Was haben Sie mit dem Geld gemacht?
Ich habe es sofort wieder ausgegeben: für Kaugummis und Zehnermocken.

Und heute, sparen Sie?
Nicht wirklich. Ich würde ja gerne, aber ich schaffe es nicht. Meine Schwester ist Bankerin und lacht mich deshalb immer aus.

Dann investieren Sie wohl auch nicht gross?
Nein, ich habe nichts zum Investieren, aber dafür auch nichts zu verlieren.

Wofür geben Sie denn das Geld aus?
Für gutes Essen, für Kinderspielsachen. Und für Kleider und Schuhe – aus meiner Lieblingsboutique in der Berner Altstadt. Jedes Mal, wenn ich reingehe, komme ich mit etwas raus, obwohl ich eigentlich gar nichts brauche. Es ist total unvernünftig, aber es ist gut fürs seelische Wohl. Und fürs lokale Gewerbe!

Wofür geben Sie ungern Geld aus?
Für Bussen und für Steuern.

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Apropos Steuern, Sie engagieren sich mit dem Verband Business & Professional Women BPW Switzerland für die soeben lancierte Initiative zur Individualbesteuerung. Wieso?
Es ist ein altes, leidiges Thema. Natürlich stören wir uns auch daran, dass verheiratete Frauen heute wegen der gemeinsamen Veranlagung und der Progression stärker besteuert werden, als wenn sie nicht verheiratet wären. Aber uns geht es ums Prinzip, um die finanzielle Selbstbestimmung der Frauen. Das ist eine Kernforderung unseres Verbands, der die Interessen der erwerbstätigen Frauen vertritt. Und zur finanziellen Selbstbestimmung gehört auch das Recht auf eine eigene Steuererklärung.

«Die Zeiten werden schwer für mittelmässige Männer»

Am 20. Februar ist Equal Pay Day in der Schweiz. Claudine Esseiva kämpft für gleiche Löhne – und sagt, was Frauen und Männer lernen können. Hier gehts zum Interview.

Sie und Ihr Partner sind nicht verheiratet. Wieso, wegen der Steuern?
Nein, heiraten war für mich nie eine Option. Wir sind zwei Individuen, wir haben beide unsere Namen, unser Geld. Ich muss dem Staat nicht sagen, mit wem ich lebe. Aber vielleicht bin ich einfach zu wenig romantisch.

Was bedeutet Ihnen Geld?
Sicherheit. Und ein Stück Freiheit. Und Unabhängigkeit.

Was ist Ihnen lieber, Bargeld oder Karte?
Eindeutig Karte.

(fv)