Die Geschäftsidee?
Alle gängigen Brillen für Virtual und Augmented Reality (VR/AR) bewirken innerhalb von 20 Minuten Augenschmerzen wegen der fundamental unnatürlichen Anzeige. Wir haben eine Technologie entwickelt, die das Problem löst und natürliche VR/AR-Erfahrungen ermöglicht.

Wie ist sie entstanden?
VR/AR war eine Enttäuschung für Tomas. Er verstand den Grund, sah aber keine Lösung auf dem Markt oder in der Forschung.

Warum der Name?
Creal steht für «See Real». Es klingt auch wie «surreal» und, natürlich, wie «cereal» (Getreide). Das ist Gott sei Dank nicht ganz so lächerlich, weil Apple auch ein Nahrungsmittel ist.

Womit erzielen Sie die Umsätze?
Das Ziel sind Lizenzeinnahmen für unsere Erfindung und Design von Herstellern von AR-Brillen. Momentan verkaufen wir Entwicklungskits und damit verbundene Dienstleistungen.

Die Vision?
Die digitale Welt von kleinen Flachbildschirmen zu befreien und sie in die echte Welt um uns herum zu bringen. Das hat das Potenzial, ein so grosser und positiver Gamechanger zu werden wie das Internet oder Smartphones.

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Die grosse Stärke?
Ohne Frage unser Team – absolute Weltklasse und eine grossartige Truppe netter Leute. Wir konnten aus dem Talent Pool des EPFL Innovation Cluster Leute gewinnen mit relevanter Erfahrung in Firmen wie Intel oder Magic Leap.

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Die grösste Herausforderung?
Wie man die Bedeutung unserer Lösung kommuniziert und erklärt. Weil AR noch immer eine Nische ist, hat kaum ein Konsument es ausprobieren können.

Der bisher grösste Erfolg?
Ein grossartiges Team zusammenzustellen und alle Meilensteine zu erreichen. Alle Versprechen und den Zeitplan eingehalten zu haben, ist unser Markenzeichen geworden und eine grosse Verpflichtung.

Creal im Branchenvergleich

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Quelle: Startup Navigator

«Creal ist ein vielversprechendes Start-up und schon jetzt Award-prämiert. Ihre Technologie könnte sich zum echten Gamechanger im Bereich Augmented Reality entwickeln. Insbesondere sein B2B-Fokus macht das Start-up attraktiv. Die hohen Finanzierungssummen verdeutlichen aber auch die Komplexität der Produktentwicklung und -lancierung. Nun muss sich der erfolgreiche Markteintritt abzeichnen und das Start-up den Product-Market Fit unter Beweis stellen. Erste Umsatzzahlen geben einen positiven Indikator hierfür.»

Die «Startup Navigator»-App des Institute of Technology Management der HSG unter Prof. Dietmar Grichnik vergleicht erfolgsrelevante Faktoren des Start-up mit dem Branchenschnitt. Download: www.stgaller-navigator.com

Das Überraschendste bisher?
Wir sind sehr positiv überrascht vom Support aus dem Schweizer Ökosystem. Unsere hohen Erwartungen wurden sogar übertroffen – sowohl in Form von Ausbildung und Coaching von öffentlichen Behörden als auch von privaten Investments.

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Der nächste Schritt?
Bisher waren wir im Stealth Mode. 2021 wird unser Coming-out stattfinden, wir wollen dann viel sichtbarer sein.

Website: www.creal.com
Gegründet: November 2017
Gründer: Tomas Sluka (40), CEO; Alexander Kvasov (34), CTO; Tomas Kubes (38), Business Development
Firmensitz: EPFL Innovation Park in Lausanne
Anzahl Mitarbeiter: 16 Vollzeitäquivalente
Umsatzziel für 2021: ca. 1 Mio. Fr., teilweise durch das Horizon 2020 Programm der EU
Profitabel ab: 2022–2023

Expertenmeinungen: Zwei Risikokapitalisten über die Chancen von Creal

▶ «Der Firma fehlen die Daten»

Alex Fries lebt seit 15 Jahren als Gründer und VC im Silicon Valley. Derzeit lanciert er einen Fonds mit der EPFL.

«Der AR-Markt ist sehr interessant, das wird kommen. Aber die Industrie entwickelt sich nur langsam, das ist ein Problem für Start-ups, die nicht so viel Geld haben. Gut für Creal, dass sie gerade eine Finanzierungsrunde durchgeführt haben. Die Firma hat eine gute Technologie entwickelt und vor allem die Patente angemeldet. Auch das Team ist technisch gut, aber ich bin mir nicht sicher, ob es richtig aufgestellt ist: Da bräuchte es vielleicht noch einen starken Businessmann als COO. Denn Time-to-Market ist das Problem bei Creal: Bislang ist man nicht über Pilotprojekte hinausgekommen. Und der Firma fehlen noch die Daten: Wenn man beispielsweise vor einem Auto steht und die Brille dem User anzeigt, wie man ein bestimmtes Teil repariert, muss Creal vorher die Daten für das Auto und die Ersatzteile gekauft haben. Das ist nicht billig. Dass man die Hardware selbst herstellt, statt die Technologie zu lizenzieren, halte ich für gefährlich: Mit dem Manufacturing, der Qualitätskontrolle etc. hat man eine ganze Menge zusätzlicher Herausforderungen. So sind die Aussichten ein bisschen gemischt: Es braucht noch zwei Jahre, bis Creal wirklich ein marktreifes Produkt hat. Bis dahin ist die Konkurrenz wohl auch schon da. Wenn die Firma ihre Technologie aber richtig positioniert, wird sie bis dahin vielleicht aufgekauft für ein paar Millionen.»

▶ «Ich würde nicht einsteigen»

Cornelius Boersch ist als Gründer von Mountain Partners in Wädenswil ZH in über 200 Start-ups investiert.

«Die Wahrheit über den AR/VR-Markt ist: Die Brillen haben sich nicht durchgesetzt, weil das Erlebnis nicht überzeugt und den Leuten oftmals schlecht wird. Genau da setzt Creal an, und das sieht durchaus erfolgversprechend aus. Der Gründer hat sich am CERN ein gutes Netzwerk aufgebaut, das Team ist technologisch sehr stark, die wissen, wovon sie sprechen. Allerdings frage ich mich, warum man dann die Technologie nicht schneller entwickeln kann. Bisher bietet Creal nur Evaluation Kits. Bis die Firma nennenswerte Umsätze macht, wird es noch dauern. Und wenn man eigene Hardware entwickelt, bohrt man als Start-up ein dickes Brett. Realistischer scheint mir, die Software an die Sonys, Samsungs und Co. dieser Welt zu lizenzieren. Was mir auch fehlt, ist ein Gründer, der das schon ein paar Mal gemacht hat und weiss, wie man eine Technologiefirma aufbaut. Creal hat super Investoren und mit Ariel Lüdi einen hochkompetenten VR-Präsidenten, die dem Team mit Rat und Tat zur Seite stehen. Im Moment ist das Set-up noch sehr konservativ und Schweiz-lastig. Vielleicht könnte ein Investor aus dem Silicon Valley hier helfen. Ich persönlich würde bei Creal derzeit nicht einsteigen, da nach meiner Erfahrung Tech-Start-ups immer deutlich länger benötigen als erwartet. Und trotz aller Kompetenz fehlt mir vorne der Autoverkäufer, die Konfettimaschine!»

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