Bis zur Französischen Revolution lebten die Schweizerinnen und Schweizer in erster Linie von der Landwirtschaft. Aber die Schweiz war auch damals schon in den internationalen Handel eingebunden: Sie importierte Rohstoffe, etwa Baumwolle, und exportierte Fertigwaren.

Auch im Bereich der Finanzwirtschaft war die Schweiz aktiv: in Begleitung der Schweizer Handelsgeschäfte sowie im Bereich von Kapitalanlagen. Denn es gab Gelder, die investiert werden wollten: Überschüsse aus dem Handel, aber auch aus weiteren Dienstleistungen, den sogenannten «fremden Diensten».

Auch interessant
 
 
 
 
 
 

Haben Sie sich einmal gefragt, mit welchen Mitteln die schönen Patrizierhäuser aus dem 17. und 18. Jahrhundert, welche die Orte der Schweiz noch heute prägen, finanziert wurden? Viele durch Söldnerdienste: Im 18. Jahrhundert standen zeitweise mehr als elf Schweizer Regimenter in Diensten der französischen Könige. Weitere hatten sich zum Kriegsdienst für die Monarchien Englands, Italiens, Polens, Österreichs oder Spaniens verpflichtet. Bekriegten diese sich, kämpften rund 50 000 Schweizer für die eine oder die andere Seite.

BILANZ Briefing abonnieren
Tragen Sie hier Ihre E-Mailadresse ein. Nach der Anmeldung erhalten Sie per E-Mail einen Bestätigungslink. Bitte klicken Sie dann auf diesen Link, um Ihre Newsletteranmeldung abzuschliessen.
BILANZ Briefing abonnieren

Wie sah die Welt 1822 aus? Konnten die Monarchien, nach ihrem Sieg über Napoleon, die Aufklärung stoppen? Die Erkenntnis, das Verstehen und die Nutzung von Naturgesetzen aufhalten? Nein. Zumindest nicht in der Schweiz: 1833 konstituierte der Regierungsrat des Kantons die Universität Zürich – Europas erste, nicht durch die Kirche oder eine Monarchie gegründete Universität.

Die Eidgenossenschaft lancierte 1854 die ETH Zürich, die Universität Basel wie auch die «Akademien» in anderen Orten des Bundes wuchsen damals über ihre – oft konfessionellen – Grenzen hinaus. Der Waffendienst für fremde Mächte wurde 1859 verboten: Die Schweiz als Wissenswirtschaft löste die Agrar- und Söldnerwirtschaft ab. Menschen wie Guillaume-Henri Dufour prägten mit ihrem humanistischen Geist die Schweiz der Neuzeit.

Dank dieser Denke entstanden und wuchsen Unternehmen wie ABB, Nestlé, Novartis oder Roche, von denen die Schweiz noch heute lebt und die zuerst von der OECD-Mindeststeuer betroffen sein werden.

Möchte man die durch die Umsetzung der OECD-Mindeststeuer zu erwartenden Steuermehreinnahmen zur Stärkung des Standorts Schweiz einsetzen, scheint mir die Investition dieser Mittel in die Wissenswirtschaft ebenso sinnvoll wie schweizerisch: Die Basis unseres heutigen Wohlstands ist die von den Vätern und Müttern der modernen Schweiz konzipierte Freiheit und Einheit von Lehre, Forschung und Anwendung solchen Wissens.

Abonnieren
BILANZ Abonnement

Das führende Schweizer Wirtschaftsmagazin deckt alle Facetten des Wirtschaftsgeschehens ab und betreibt personalisierten, recherchierten Wirtschaftsjournalismus.

Also liegt es auf der Hand, dass diese Mehreinnahmen (anstatt sie, wie gemäss OECD ebenfalls zulässig, etwa für eine Senkung der Besteuerung natürlicher Personen zu verwenden) in neues Wissen investiert werden müssen. Dies gerade auch vor dem Hintergrund der wegfallenden Forschungsgelder des Europäischen Förderrats (ERC).

Eine weitere Achse zur Stärkung der Wissenswirtschaft könnte eine Nutzung der Mittel im Sinne des Lifelong Learnings darstellen: indem etwa Unternehmen und Arbeitnehmenden «Credits» für Weiterbildungsmassnahmen an die Hand gegeben würden. Beide Initiativen stärken die Wissenswirtschaft der Schweiz und sichern damit den Wohlstand unseres Landes. Lasst uns also, bitte, diese Chancen nutzen.