Die Geschäftsidee?
Eine multimodale Mobilitätsplattform für Unternehmen. Kunden bekommen Zugang zu einem Ökosystem emissionsarmer, gemeinsam genutzter Fahrzeuge von E-Bikes über E-Scooter bis hin zu E-Autos – und alles über eine App buchbar.

Wie ist sie entstanden?
Die Idee ist entstanden, um die zunehmende Verkehrsbelastung unserer Städte und die damit einhergehende Luftverschmutzung anzugehen. So sahen wir die Mobilität als Dienstleistung – mit Firmen als Drehscheibe – als Schlüssel für eine nachhaltigere Mobilitätslandschaft.

Warum der Name?
Die Mobilität verbindet. Die geteilte Mobilität erst recht. Wir sehen eine Welt, in der Firmen und andere Gemeinschaften (z.B. Überbauungen) zu Gravitationszentren für die geteilte Mitarbeitermobilität werden.

Woher stammt das Startkapital?
Von den Gründern. Zudem hat die Firma letztes Jahr dank des Schweizer Technologiefonds eine Seed-Runde im Umfang von 2,5 Millionen Franken abgeschlossen.

Die Vision?
Jede Grossfirma sollte ihren Mitarbeitenden die Urban-Connect-App als klimaneutrale Mobilitätsplattform anbieten. Somit können wir unsere Kunden auf dem Weg zu «Net Zero» begleiten – nicht zuletzt, weil über ein Drittel der Schweizer Emissionen aus der Mobilität stammt.

Womit erzielen Sie die Umsätze?
Mobility as a Service und Software as a Service, Gebühren von Firmenkunden, Gemeinden und Überbauungen.

Über Urban Connect

  • Website: www.urban-connect.ch
  • Gegründet: März 2013
  • Gründer: Judith Häberli (32), CEO; Robert Ruttmann (44), Chief Commercial Officer
  • Firmensitz: Zürich
  • Anzahl Mitarbeitende: 15
  • Umsatzziel für 2022: > 3 Mio. Fr.
  • Profitabel seit: 2018

Die grosse Stärke?
Die Möglichkeit, Firmen dabei zu helfen, ihre mobilitätsgetriebenen Emissionen auf null zu senken und dabei Kosten, Emissionen und Platz für sie zu sparen.

Das Überraschendste bisher?
Grossfirmen werden heute von Investoren dazu «gezwungen», einen Pfad Richtung Netto-null-Emissionen aufzuzeigen. Jedoch haben nur die wenigsten die Mobilität ihrer Mitarbeiter dafür im Visier. Das überrascht, da die Mobilität für Firmen eine tief hängende Frucht wäre, um Emissionen zu reduzieren.

Urban Connect im Branchenvergleich

Urban Connect im Branchenvergleich
Quelle: «Startup Navigator»/Handelszeitung

«Urban Connect agiert in einer spannenden Industrie, fällt im Benchmark-Vergleich zu den Peers allerdings ab. Kundenreferenzen und das verfügbare Budget zeigen zwar, dass sich Urban Connect gut schlägt. Fraglich ist allerdings, ob nicht das flexible und ortsunabhängige Zurückgreifen auf bestehende (E-)Flotten von Unternehmen wie Tier, Lime und Uber die nachhaltigere Option für Firmen ist. Diese Player bieten als Wettbewerber bereits B2B-Lösungen an.»

Die «Startup Navigator»-App des Institute of Technology Management der HSGunter Prof. Dietmar Grichnik vergleicht erfolgsrelevante Faktoren des Start-upsmit dem Branchenschnitt. Hier geht's zum Download.

Die grösste Herausforderung?
Top-Mitarbeiter zu finden, welche die Vision teilen und das nötige Werkzeug inklusive Einstellung mitbringen, um weitere Innovationen voranzutreiben und das Geschäftsmodell zu skalieren.

Der bisher grösste Erfolg?
Das Corona-Jahr überstanden zu haben. Wir konnten sogar 20 Neukunden gewinnen und haben das Jahr für Innovation genutzt, um sowohl Autos als auch E-Scooter in die Plattform zu integrieren.

Der nächste Schritt?
Series-A-Finanzierungsrunde im zweiten Quartal 2022 und die Auslandsexpansion.

Expertenmeinung: Zwei Risikokapitalisten über die Chancen von Urban Connect

▶ «Noch zu projektlastig»

Köhler

CÉDRIC KÖHLER ist seit 2007 Managing Partner von Creathor Ventures mit Sitz in Zürich und Bad Homburg.

Quelle: ZVG

«Urban Connect ist in einem spannenden Bereich unterwegs: Multimodales Reisen ist ein Megatrend, ebenso wie die Reduktion des CO2-Fussabdrucks. Für beides liefert die Firma eine Lösung. Urban Connect ist schon länger aktiv, hat aber nicht ganz die Traction, die ich erwartet hätte. Allerdings hatte das Thema Mobilität in der Pandemie generell einen schweren Stand. Dennoch denke ich, dass eine Verstärkung im Management unabdingbar ist. Die aktuelle Kundenliste sieht aber nicht schlecht aus, und wenn man grosse Accounts an Land zieht, kann man mit denen auch grössere Umsätze erzielen. Die Herausforderung ist das operative Wachstum: Noch sind zu viele Prozesse manuell, es gibt kein Plug and Play für Neukunden. Und das sehe ich auch noch nicht in den nächsten zwei Jahren. Damit ist das Geschäftsmodell momentan noch zu projektlastig und nicht schnell skalierbar. Auch die Wartung der Fahrzeuge macht Urban Connect noch selber, das sollte ausgelagert werden. Und dann gibt es bereits einige multimodale Businesslösungen im Markt, etwa von den Autoherstellern selber – allerdings noch nicht mit dem Fokus auf die Mitarbeiter. Alles in allem finde ich die Firma gut. Sie kann mit dem nötigen Kapital und einer Verstärkung im Management zu einem gesunden, grossen Unternehmen werden.»

▶ «Unschweizerisch ambitiös!»

Sidler

MICHAEL SIDLER ist Gründer von Redalpine Venture Partners, die auf Early-Stage-Investments spezialisiert ist.

 

Quelle: ZVG

«Mobility as a Service für Firmenkunden sieht als Geschäftsmodell vielversprechend aus – viele Firmen wollen ihren Mitarbeitern Fringe Benefits bieten, ohne dass gleich jeder einen eigenen Geschäftswagen und einen Parkplatz bekommt. Damit konnten seit Ende 2020 mehr als 20 Bluechip-Kunden gewonnen werden, zu offenbar sehr attraktiven Akquisitionskosten – das ist beeindruckend. Der Onboarding-Aufwand von durchschnittlich drei Wochen ist sehr gering, danach ist das Geschäft gut skalierbar über eine App. Urban Connect will alle SMI-Konzerne innerhalb von zwölf Monaten als Kunden gewinnen, das ist ein unschweizerisch ambitiöses Ziel. Wenn das so einfach gelingen sollte, stelle ich mir aber die Frage: Muss man dann nicht sofort internationalisieren? Das Team hat ein interessantes Set-up mit einem Ehepaar als Gründer und Chefs. Das kann funktionieren, bringt aber auch oft Probleme mit sich. Immerhin bekommt die Firma jetzt einen Top-COO. Die Firma hat die Ambition, mindestens ein europäischer Player zu werden. Dazu braucht es jetzt Hypergrowth. Deshalb wäre es sinnvoll, erfahrene Investoren und Mitarbeiter an Bord zu holen, die das schon mal gemacht haben. Denn die Lernkurve selber zu durchschreiten, dauert zu lange. Das Recruiting ist momentan der Schlüsselfaktor. Die Chancen für Urban Connect sind gut. Jetzt oder nie!»