Er hat sich viel Zeit genommen, sehr viel Zeit. Mehr als ein Jahr hat Post-Chef Roberto Cirillo gebraucht, um seine lang angekündigte neue Strategie auf den Tisch zu legen. Und als er Mitte Mai endlich so weit war, hatte er letztlich eine Kernbotschaft: «Wir wollen wachsen, nicht kleiner werden.» Eine ­Botschaft, die seine Mitstreiter bei der ­Präsentation, Verwaltungsratspräsident Urs Schwaller und Finanzchef Alex Glanzmann, geflissentlich in ihren eigenen ­Worten wiederholten – als ob die Post-Oberen durch die ständige Repetition des Immergleichen den Lauf der Dinge zu ­beeinflussen hofften.

Die Realität jedenfalls sieht anders aus: In den letzten fünf Jahren ist der Umsatz der Post um über eine Milliarde Franken gesun­ken, der Betriebsgewinn hat sich im gleichen Zeitraum gar halbiert. Das Brief­volumen nimmt rasant ab, die Poststellen werden immer weniger frequentiert, die einstige Cashcow Postfinance mutiert zum Sanierungsfall. Nun will also Cirillo das Ruder herumreissen, bis 2024 den Umsatz wieder über die 8-Milliarden-Marke heben und gleichzeitig den Gewinn bei 400 Mil­lio­nen stabilisieren. Es ist eine Wette gegen den Trend. Eine Wette auf Wachstum.