Noch selten war der Entscheid, wer Nummer eins im jährlichen Ranking wird, so klar und einhellig wie in diesem Jahr: Thomas Gottstein, seit Februar CEO der Credit Suisse, ist der Mann der Stunde. Schnell hat er die Zeiten unter Tidjane Thiam vergessen gemacht, dessen Amtszeit von der Beschattungsaffäre um Konzern­leitungskollege Iqbal Khan belastet war.

Im Gegensatz zu Thiam, der sich als Kostensparer inszenierte, zeigt die CS unter Gottstein auch bei neuen Produkten Elan, etwa mit dem digitalen Banking-Angebot CSX, das mit neuer App und onlinefähiger Bezahlkarte die bei den Jungen beliebten Smartphone-Banken angreifen soll.

Dass man es aber auch übertreiben kann mit der Anbiederung an die Jungen, zeigt das Hin und Her in Sachen Duzis. Nachdem Kommentatoren die neue Politik, dass Kunden geduzt werden sollen, kritisiert hatten, beeilte sich die Bank zu betonen, dies sei alles nicht so gemeint gewesen: Der Kundenberater stelle sich mit dem Vornamen vor, der Kunde werde aber gesiezt.

Gottstein setzt auf Schweizer Tugenden

Unter Gottstein setzt die CS wieder auf Schweizer Tugenden und lässt den Chef auch mal am «Donnschtig-Jass» im Fernsehen auftreten. Die nahen Beziehungen zu den Entscheidungsträgern in Bern waren hilfreich bei den Corona-Notkrediten, die auf einem von Gottstein skizzierten Konzept beruhen.

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Gottstein überholt Vorjahressieger Renaud de Planta von Pictet, dessen Mit-Teilhaber Boris Collardi immer wieder von den Skandalen bei seiner Ex-Bank Julius Bär eingeholt wird. Ins­gesamt war es ein Jahr der Konstanz: Mit 14 Neuzugängen weist das Ranking so wenige Wechsel auf wie nie in den letzten zwölf Jahren.

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So wurde bewertet

Auf der Basis einer Branchenrecherche werden die 100 wichtigsten Schweizer Bankerinnen und Banker gelistet. ­Bewertet wurden auch Aus­länder, sofern sie bei einer Schweizer Bank tätig sind, und Schweizer, die bei einer auslän­dischen Bank arbeiten. Bei vier Kriterien waren je zehn Punkte zu gewinnen:

1. Rolle, Funktion, Bedeutung
2. Führungsstärke, ­individuelle ­Gestaltungskraft
3. Performance des eigenen Wirkungs­kreises und des ­Sektors
4. Künftige Veränderungskraft, Potenzial für eine ­wichtige Rolle

Der Verwaltungsratspräsident der Credit Suisse ist am Ende seiner Amtszeit bei der ­Grossbank angelangt – er hat angekündigt, im kommenden Frühjahr abzutreten. Die Punkte für seine interne ­Gestaltungskraft und für eine zukünftig wichtige Rolle wurden daher reduziert.

Bei gleicher Punktzahl werden die Personen gleich rangiert und alphabetisch gelistet.