Frankenstärke und Pandemie haben Spuren im 2020er Ergebnis von Schindler hinterlassen. Doch bereits im ersten Quartal 2021 fand der Aufzug- und Fahrtreppenhersteller zu alter Stärke zurück. Auf die beeindruckenden Resultate reagierte die Börse zuerst erfreut. Doch rasch war die gute Stimmung verflogen, die Partizipationsscheine sanken in kurzer Zeit um gut zehn Prozent.

Was war geschehen? Das von Präsident Silvio Napoli (56) beaufsichtigte und von CEO Thomas Oetterli (51) gelenkte Management präsentierte gleichzeitig einen ernüchternden Ausblick. Zwar wurde die Umsatzprognose für 2021 auf vier bis sieben Prozent angehoben. Die Erträge jedoch würden, so Oetterli, durch stark steigende Rohstoffpreise belastet; diese hätten sich innert Jahresfrist um 30 bis 40 Prozent erhöht.

Top Speed 23

Dazu kämen Engpässe in der Logistik. Summa summarum dürften zusätzliche Kosten von bis zu 90 Millionen Franken anfallen. Als ob dem nicht genug wäre, beklagt der CEO auch den hohen Preisdruck oder politische Spannungen. Die Probleme will Schindler mit dem «Top Speed 23»-Programm angehen. Dieses läuft bis 2023, kostet gegen 270 Millionen und soll schnelleres Wachstum sowie höhere Erträge bringen. Ich bin zuversichtlich, dass dies gelingen wird. Die mittelfristigen Aussichten jedenfalls bleiben gut.

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Vorerst allerdings zerreissen die Titel keine dicken Stricke, mit einem für 2021 geschätzten Kurs-Gewinn-Verhältnis von 33 sind sie trotz der Schwächeneigung stolz bewertet.

Kein Sexappeal

Schon seit Längerem hätte ich nicht mehr über Valora geschrieben, meint ein Leser. Stimmt, letztmals habe ich mich vor gut drei Jahren über den Kioskbetreiber ausgelassen. Nur hat sich seither an der schwierigen Situation der Muttenzer Firma wenig geändert: Das Geschäft verläuft schleppend, die Margen sind hauchdünn.

Die Pandemie zerzauste 2020 die Resultate zusätzlich, Umsatzeinbruch und rote Zahlen waren das Resultat. Auch 2021 werden die Pendlerströme nicht annähernd den Vor-Corona-Stand erreichen.

Zwar hält CEO Michael Mueller (48) die Kosten unter Kontrolle, doch auf den schwachen Passagierverkehr dürfte er nur schwer eine Antwort finden. Wohl erst 2023 werden die Folgen der Pandemie überwunden sein. Was bleibt, sind die mageren Margen.


In die Aktien kehrt wohl erst Leben zurück, wenn sich Gerüchte bestätigen, wonach ein Grossverteiler an Valora interessiert sei. Doch darauf baue ich nicht. Für mich haben die Aktien null Sexappeal.

Sonnenhungrig

Wohl bei keiner anderen Schweizer Aktie gehen die Meinungen der Analysten derart weit auseinander wie bei Meyer Burger. Mit «buy» wertet die UBS, mit «underperform» die Credit Suisse. An der Börse haben sich die Optimisten durchgesetzt: Die Papiere haussierten innert Jahresfrist um rund 400 Prozent.


Mich fasziniert der Wandel des Unternehmens: Die Produktion von Solarmaschinen hat jahrelang nur Verluste eingetragen, jetzt soll es der Schwenk zur Herstellung von Hochleistungs-Solarzellen und -Solarmodulen richten.

Solarzelle der Meyer Burger Technology AG

Solarzelle der Meyer Burger Technology AG

Quelle: imago images/Peter Endig
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Firmenchef Gunter Erfurt (48) mangelt es weder an Selbstbewusstsein – «wir führen die Fotovoltaik weltweit in ein neues Zeitalter» – noch an Mut. Allerdings spielt da ebenso der Mut der Verzweiflung mit.

Denn trägt die neue Strategie keine Früchte, sprich Gewinne, muss Erfurt als Letzter das Licht löschen. Bislang läuft alles nach Drehbuch. Im Mai wurden in Deutschland zwei Fabriken eingeweiht, im Juni startete die Produktion, im Juli sollen die ersten Kunden beliefert werden. Und jüngst wurde die Finanzierung für die Expansion gesichert.


Ob die Neuausrichtung gelingt, steht in den Sternen. Ein Erfolg wäre zu begrüssen. Die Kehrseite: Gelingt Meyer Burger mit der neuen Technologie ein Durchbruch, ruft das subito die chinesische Konkurrenz auf den Plan. Diese hat den Westen schon einmal mit Billigst--Solarpanels geflutet und die europäische Solarindustrie hinweggefegt. So spannend der Neustart ist: Die Aktien sind risikofreudigen Anlegern vorbehalten.

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Rasch erholt

«Georg Fischer sind attraktiv für die Langläufer unter den Investoren», schrieb ich im August. Der Kauftipp hat sich auch für Kurzläufer gelohnt:
Seither sind die Valoren um 50 Prozent gestiegen. Ich war damals zurückhaltend in der Beurteilung der nahen Zukunft, weil die Pandemie den Schaffhauser Konzern im ersten Semester 2020 heftig getroffen hatte.

Andreas Mueller, CEO Georg Fischer an der Bilanzmedienkonferenz in Zuerich am Mittwoch, 26. Februar 2020. (KEYSTONE/Walter Bieri)

Georg Fischer CEO Andreas Müller ist zuversichtlich

Quelle: Keystone

Das zweite Halbjahr brachte aber überraschend gute Resultate. Zwar gingen Umsatz wie auch Gewinn übers ganze Jahr deutlich zurück, und die Dividende wurde geschnitten, doch hat sich die Industriegruppe in schwierigen Zeiten bestens geschlagen. CEO Andreas Müller (51) jedenfalls ist zuversichtlich.
 

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Laut «Strategie 2025» soll der Umsatz bis in fünf Jahren auf 4,4 Milliarden Franken, mit Zukäufen auf 5 Milliarden wachsen, die Ebit-Zielmarge wird mit neun bis elf Prozent angegeben. Nach dem starken Kursanstieg der letzten Monate ist die Luft vorerst wohl draussen.

Zumal die Titel mit einem für dieses Jahr geschätzten KGV von 29 gut bewertet sind. Mittelfristig dagegen bieten die Valoren weitere Kursfantasie.
Der UBS-Analyst Joern Iffert schätzt, dass der Gewinn pro Aktie bis 2025 um satte 165 Prozent steigen wird. Wer Geduld hat, sollte GF ins Depot packen.

Frank Goldfinger ist der anonyme Börsenspezialist der BILANZ.
Schreiben Sie ihm an: bahnhofstrasse@bilanz.ch