In der Reduktion der CO2-Emissionen hat sich bei Camille Bloch in den vergangenen Jahren einiges getan: Der Schokoladenhersteller aus dem Berner Jura mit der populären Marke Ragusa konnte im Zeitraum von 2014 bis 2019 seine «Emissionsintensität», also den Ausstoss an Treibhausgas pro erwirtschafteter Umsatzmillion Franken, um durchschnittlich rund 33 Prozent senken. Damit belegt Camille Bloch den hervorragenden zweiten Rang im neuen Ranking der klimabewussten Unternehmen der Schweiz, das BILANZ zusammen mit Statista erarbeitet hat. Dabei flossen in die Berechnung nur die CO2-Emissionen im eigenen Betrieb sowie aus bezogener Energie ein.

«Will man als Unternehmen noch mehr CO2 einsparen, so ist der Verkehr in unserer Energiebilanz einer der zentralen Bereiche, der erhebliches Einsparpotenzial bietet», sagt Jean Kernen, Produktionsleiter bei Camille Bloch. 2018 hat der Schokoladenhersteller darum auf den Firmenparkplätzen vier Ladestationen für Elektroautos installiert, die Energie stammt dabei aus erneuerbaren Quellen. «Immer mehr Kollegen fahren neuerdings mit einem Stromer zur Arbeit, es ist ein Thema unter den Mitarbeitern», sagt Kernen, der inzwischen ebenfalls elektrisch fährt.

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Lidl Schweiz

Lidl Schweiz (Rang 9): Der deutsche Discounter bemüht sich seit dem Markteintritt, möglichst viel Swissness auszustrahlen. Freundlich zur Umwelt ist er schon mal.

Quelle: Keystone

Solarstrom-Schoggi

Die E-Ladestationen sind bei Camille Bloch nur eine von vielen Massnahmen. «Unser Produktionsstandort in Courtelary hat sich, was unseren Energieverbrauch angeht, sehr gut entwickelt», sagt Kernen. Zudem stammt die Wärme seit 2016 grösstenteils aus einer Fernheizung mit Holz aus der Region. Die sogenannte Holzschnitzelfeuerung installierte ein Unternehmer aus dem Ort. Aus einer Idee, die eher zufällig bei einem Glas Weisswein entstanden war, entwickelte sich eine Win-win-Situation, sagt Kernen. «Camille Bloch wird seither mit erneuerbarer Energie versorgt, und die La Praye Energie SA hat einen Grossverbraucher gewonnen, der das ganze Jahr über Wärme benötigt.»

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Mit der Energie werden Räumlichkeiten beheizt sowie fast alle Systeme betrieben, die in die Produktion eingebunden sind. «Unser Heizölverbrauch sank von 230'000 auf 57'000 Liter pro Jahr», sagt Kernen. Darüber hinaus erzeugt eine Fotovoltaik-Anlage jährlich 350'000 Kilowattstunden Strom, zehn Prozent des Strombedarfs würden so gedeckt. Der Rest der drei Gigawattstunden, die Camille Bloch pro Jahr benötigt, sei zertifizierter Strom aus Wasserkraft. In der Summe stammen den Angaben zufolge mehr als 90 Prozent der gebrauchten Energie inzwischen aus erneuerbaren Quellen.

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Einen weiteren Hebel zur Reduzierung seines CO2-Ausstosses fand das Unternehmen beim Strombedarf: Während früher die energieintensiven Produktionsanlagen permanent laufen mussten, setzt der Ragusa-Hersteller heute sparsamere Motoren ein, die nur noch dann die Schokolade rühren, wenn es tatsächlich notwendig ist. «Das Ergebnis ist das gleiche, nur ist der Stromverbrauch jetzt deutlich geringer», sagt Jean Kernen.

Mehr als Imagepflege

Mit diesen Massnahmen folgt Camille Bloch einem Trend: Immer mehr Firmen setzen sich Klimaziele, reduzieren ihre CO2-Emissionen, beschliessen grüne Investitionen und ordnen ihre Prioritäten neu. Selbst Unternehmen wie der Finanzriese Blackrock, Zementhersteller wie Lafarge-Holcim bis hin zu Raffinerien wetteifern inzwischen auf einem Feld, das für die meisten bislang kaum mehr war als blosse Imagepflege.

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Dabei geht es ums grosse Ganze: Als wirksamstes Instrument zur Eindämmung des Klimawandels wird der Übergang zu einer kohlenstoffarmen Wirtschaft angesehen. Denn Unternehmen tragen erheblich zum Klimawandel bei – nicht nur direkt über eigene standortbezogene Emissionen, sondern auch über Emissionen, die mit dem Energiebezug verbunden sind (Scope 1 und 2), sowie solchen, die indirekt entstehen, also in der vor- und nachgelagerten Wertschöpfungskette (Scope 3).

Dimensionen der Emissionen

Was sind Scope 1, Scope 2 und Scope 3?

Bei Treibhausgas-Emissionen wird zwischen verschiedenen Scopes unterschieden. Scope 1, auch direkte Emissionen genannt, bezieht sich auf die Emissionen, die direkt an den verschiedenen Standorten einer Firma anfallen, etwa durch die Herstellung von Gütern, aber zum Beispiel auch durch Heizungen und Klimaanlagen von Bürogebäuden.

Scope 2 sind Emissionen, die durch die Herstellung von Strom und Fernwärme entstehen, die ein Unternehmen verbraucht. Durch die Nutzung von erneuerbaren Energien können Firmen diese Emissionen auf null senken.

Der grösste Teil der Emissionen entfällt häufig auf das Segment Scope 3: In Scope 3 werden jene Emissionen summiert, die über die gesamte Wertschöpfungskette hinweg entstehen, also auch bei Zulieferern. Deshalb ist die Berechnung von Scope-3-Emissionen sehr komplex und aufwendig.

Weiterführende Informationen zu den einzelnen Scopes finden Sie hier.

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Emissionen der IT

Hohe Emissionen entstehen vor allem bei produzierenden Unternehmen – klar, Produktion, Be- und Verarbeitung von Materialien benötigen mehr Energie entlang der Wertschöpfungskette als immaterielle Dienstleistungen, daher fallen auch viel mehr Emissionen an. «Bei Dienstleistungsunternehmen wie Banken oder Versicherungen fallen hingegen die Pendelfahrten der Mitarbeitenden, Energieverbräuche wie Heizung und Strom sowie die Geschäftsreisen ins Gewicht», sagt Othmar Hug, Geschäftsführer der Klimaberatungsfirma Swiss Climate, mit wachsender Bedeutung auch die IT-Infrastruktur. Und noch einmal komplett anders könne das Bild aussehen, sagt Hug, wenn die Betrachtung auch Scope 3 einschliesse. «Werden bei Finanzdienstleistern beispielsweise auch die Emissionen der verwalteten Finanzprodukte in den Betrachtungsrahmen integriert, ist die CO2-Bilanz plötzlich riesig.»

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2018 entfielen laut der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) in der Schweiz insgesamt 24 Prozent der Treibhausgase auf die Industrie. Doch eine gesetzliche Verpflichtung der Firmen zur CO2-Reduktion gibt es bislang nicht. «Der Sinneswandel bei den Unternehmen passiert oft auch ohne oder im Vorgriff auf staatliche Interventionen», sagt Klimaexperte Jens Burchardt von der Boston Consulting Group (BCG), «ausserdem steigt der gesellschaftliche Druck» – Stichwort Greta und Klimastreiks. Auch Investoren, Konsumenten und andere Stakeholder legten steigenden Wert auf die ökologische Bilanz der Firmen. «Wenn Unternehmen keine Dekarbonisierungsstrategie haben, besteht das Risiko, dass sie langfristig das Vertrauen der Stakeholder, Marktanteile, Investitionsmöglichkeiten und Mitarbeiterbindung verlieren.»

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Dass die Bemühungen der Firmen ihren Markterfolg beeinflussen können, zeigt eine BCG-Studie. Demzufolge erwirtschaften Aktien von Unternehmen, die ihren CO2-Ausstoss reduzieren, gegenüber dem Markt rund zehn Prozent höhere Renditen. Der Grund: «Investoren nehmen das Thema CO2 zunehmend als Risiko wahr und sind skeptisch gegenüber Unternehmen, die das Thema nicht adressieren», sagt Burchardt.

Ein M sauberer

Den öffentlichen Druck zu mehr Klimaschutz verspürt auch die Migros. «Vor wenigen Jahren ist eine Sensibilität losgetreten worden, die heute definitiv bei Frau und Herrn Schweizer angekommen ist», sagt Christine Wiederkehr-Luther, Leiterin Nachhaltigkeit der Migros-Gruppe. «Es ist nicht mehr salonfähig, den eigenen CO2-Ausstoss nicht zu reduzieren.» Beim Grossverteiler zahle das vor allem aufs Image ein – nachweisbare Auswirkungen auf den Absatz hätten die Klimamassnahmen der Migros nicht.

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«Unsere Philosophie ist, dass Filialen fossilfrei beheizt werden, natürliche Kältemittel zum Einsatz kommen und wir im Bereich Strom so energieeffizient wie möglich agieren», sagt Marcus Dredge, Leiter Energie und Gebäudetechnik bei der Migros. Insbesondere der Einsatz von LED-Beleuchtung und CO2-Kälteanlagen sowie die Abwärmenutzung der Kälteanlagen und damit der Verzicht auf fossile Heizungen hätten zur Reduktion der Treibhausgase beigetragen. Zudem betreibt die Migros vier Super- und Fachmärkte, die übers Jahr gesehen mehr Energie produzieren, als sie verbrauchen. Das Konzept basiere auf einer Kombination von Energieeffizienz-Massnahmen und der Produktion von Solarstrom mittels Fotovoltaikanlagen auf dem Dach und neu auch an der Fassade.

Damit konnte die Migros ihre Emissionsintensität in den letzten Jahren durchschnittlich um 4,2 Prozent senken. Darin, sagt Dredge, sei aber der Kauf von Herkunftsnachweisen aus Wasserkraft noch nicht berücksichtigt. «Auf Basis der Verbrauchszahlen von 2019 ergäbe sich dann im Vergleich zu 2014 eine Reduktion der CO2-Emissionen von circa 60 Prozent.» Ab 2021 «werden alle Standorte mindestens mit Herkunftsnachweisen zu 100 Prozent erneuerbar versorgt sein». Denn das Ziel sei klar: «Wir wollen 1,5-Grad-kompatibel sein.» Damit spielt Dredge auf das Ziel der Vereinten Nationen an, die globale Erwärmung bis 2100 auf maximal 1,5 Grad Celsius zu begrenzen.

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Ähnlich wie die Migros fokussiert sich auch die Credit Suisse vor allem auf ökologische Massnahmen in der Grossbank selbst. «Wir verfolgen eine Vier-Pfad-Strategie», heisst es auf Anfrage. Dabei gehe es um Betriebsoptimierungen und Investitionen in Energiesparmassnahmen. Als Nächstes strebe die Credit Suisse an, ihren globalen Stromverbrauch bis 2025 zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energiequellen abzudecken sowie ihre Geschäftstätigkeit und Finanzierungen bis ins Jahr 2050 auf eine «Netto-Null-Emissionsbilanz» auszurichten.

Swiss Holiday Park

SWISS HOLIDAY PARK (Rang 6): Auch im Tourismusgeschäft sind kräftige Einsparungen bei den Treibhausgasen möglich – das beweist das Ferienresort in Morschach.

Quelle: PD (Pressedienst)
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Klassensieger Logitech

Beim Computerperipherie-Hersteller Logitech hat der Wechsel zu 100 Prozent grünem Strom dazu geführt, dass er seine Emissionsintensität im Zeitraum 2014 bis 2018 im Durchschnitt um 59 Prozent jährlich senken konnte – Logitech liegt damit an der Spitze unseres Rankings. Zudem neutralisieren die Lausanner den Fussabdruck ihrer Gaming-Produkte und weisen neuerdings die CO2-Bilanz für alle ihre Produkte aus. Logitech hat als Ziel ausgerufen, «einen spürbaren Ruck in der gesamten Technologiebranche» auszulösen, um den gemeinsamen Ausstoss von Kohlendioxid zu verringern.

Dass viele Unternehmen ähnliche Ansätze zur Verbesserung ihrer CO2-Bilanzen verfolgen, kommt nicht von ungefähr. «Wenngleich Scope 3 das grösste Einsparpotenzial bietet, so konzentrieren sich doch die meisten Firmen vor allem auf Massnahmen in den Bereichen Scope 1 und 2, denn darauf haben sie einen direkten Einfluss», sagt Professor Jürg Rohrer, Leiter der Forschungsgruppe Erneuerbare Energien an der ZHAW.

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Und obwohl der Druck von aussen steige und grundsätzlich punkto Klimaschutz ein Fortschritt zu erkennen sei, werde insgesamt noch viel zu wenig getan, mahnt Rohrer. «Der Anteil der Firmen, die wirklich aktiv ihre CO2-Emissionen in Richtung Klimaneutralität reduzieren, liegt im tiefen einstelligen Prozentbereich.» Untätig seien vor allem die vielen KMUs und Kleinstunternehmen, die nicht wie die Grossen im Fokus der Öffentlichkeit stehen.

Experten verwundert diese Zurückhaltung – zumal «Klimaschutz nicht im Widerspruch zur Wirtschaftlichkeit steht. Im Gegenteil, die ökonomischen Vorteile überwiegen», betont BCG-Klimaexperte Burchardt. Einerseits liessen sich bei den meisten Unternehmen anfangs relativ einfach Hebel finden, mit denen sich zunächst vor allem Geld sparen lasse, weil sie eine deutliche Effizienzsteigerung mit sich bringen. «Für das Gros der Unternehmen sind die Mehrkosten, die durch die Dekarbonisierung entstehen, erst einmal teilweise gar nicht existent und da, wo sie existent sind, relativ gut schulterbar.»

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Grün lohnt sich

Dies gilt vor allem für Massnahmen der Bereiche Scope 1 und 2. Die gleiche Wirkung zeige sich auch bei Scope 3, «wenn Massnahmen mit Materialeinsparungen verbunden sind», sagt Othmar Hug von Swiss Climate. «Sobald hingegen intensive Forschung für neue Prozesse oder Materialien notwendig ist, rechnet sich dies nur langfristig, wenn die Prozesse in ein kreislauffähiges Geschäftsmodell integriert werden.»

Andererseits zeigten Beispiele aus der Vergangenheit, dass Unternehmen, die bereits früh ihr Geschäft auf nachhaltiges Wirtschaften ausgerichtet haben, heute allesamt profitieren. «Auch wenn Unternehmen anfangs in Technologien investieren, die zu ihren Zeiten nicht wirtschaftlich waren – die Vorteile der Investitionen wiegen die Kosten langfristig mehr als auf», sagt BCG-Berater Burchardt. Heisst: Dekarbonisierung und Massnahmen zur Nachhaltigkeit können für Firmen zu profitablen Chancen sowie langfristigen Kosten- und Wettbewerbsvorteilen führen. «Firmen, die sich der Entwicklung entgegenstellen, nur um es vielleicht noch ein, zwei Jahre hinauszuzögern, handeln einfach kurzsichtig», sagt Burchardt. Denn für ihn ist klar: «Der Erste, der CO2-freien Stahl produziert, wird damit mehr Erfolg haben und besser darin sein als der Letzte, der es tut.»

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Auch Schokoladehersteller Camille Bloch zahlt aktuell noch für die Fernholzheizung drauf. «Es kostet uns etwa 30 Prozent mehr, mit Holz nachhaltig zu heizen statt mit Heizöl», sagt Jean Kernen. «Kurzfristig mag das einen negativen Effekt auf unsere Rentabilität haben. Doch wir als Familienunternehmen setzen auf Langfristigkeit, und somit wird sich unser Entscheid langfristig auszahlen.»

Singer

Singer (Rang 3): Hervorragender Dritter im Ranking: die wenig bekannte Singer in La Chaux-de-Fonds stellt unter anderem Zifferblätter her.

Quelle: PD (Pressedienst)