Herr Haefliger, das Motto des Lucerne Festival lautet «Verrückt». Inwiefern ist es verrückt, das Festival überhaupt durchzuführen?
Wir leben in verrückten Zeiten. Corona hat die Gesellschaft gefordert, wir mussten alle unseren Lebensstil anpassen. Man kann also sagen, die Zeit hat uns verrückt. Mit dem Festival gehen wir einen Schritt zurück zur Normalität.
Dachten Sie nie an eine Verschiebung?
Innerlich waren wir immer überzeugt, dass eine Durchführung im Sommer möglich sein wird.
Ausgefeilte Sicherheitskonzepte sind nicht gerade typisch für Konzerte klassischer Musik. Wie sicher ist das Publikum?
Das ist sehr sicher. Kürzlich wurde eine professionelle Aerosolmessung durchgeführt, die gezeigt hat: Die Lüftung wird höchsten Ansprüchen gerecht. Zusätzliche Sicherheit bieten unser Sitzplatzkonzept und die Maskenpflicht. Im Konzertsaal bieten wir nur eine reduzierte Sitzplatzanzahl. Von den 1000 Sitzplätzen werden 70 als Doppelsitze angeboten. Es können daher nicht alle nebeneinandersitzen.
Wie bitte? Ein Paar muss dann auseinandersitzen?
Nicht, wenn man früh genug einen der Doppelsitze bucht. Sonst ist halt ein Stuhl als Sicherheitsabstand dazwischen.

Der Geiger

Michael Haefliger (60) studierte an der New Yorker School of Music und war früher als Konzertgeiger tätig. Seit 1999 ist er Intendant des Lucerne Festival. Sein Vertrag läuft noch bis 2025.

Werden sich die Ränge füllen?
Wir sind bereits zu 80 Prozent ausgelastet, und das Festival beginnt erst am 10. August. Das Vertrauen ist also da, und die Qualität des Programms stimmt.
Die Pandemie liess die Musik verstummen. Was hat die Zwangspause verändert?
Besonders für freischaffende Musiker war das eine Bedrohung. Wenn sie nun nicht auftreten könnten, wäre das für viele Musiker existenziell schwierig.

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Neben Roche, Adecco und der Kühne-Stiftung sind auch die CS und Zurich als Sponsoren aufgeführt. Wie gut vertragen sich Hochkultur und Hochfinanz?
In unserem Fall sehr gut. Wir sind die eigenwirtschaftlichste Kulturinstitution in Europa. Nur fünf Prozent sind subventioniert. Wir sind glücklich, dass wir diese Partnerschaften auch in schwierigen Zeiten aufrechterhalten konnten.
Wie hoch ist das Budget?
In normalen Jahren sind es rund 20 Millionen Franken. Weil wir dieses Jahr die rund 1850 Sitzplätze nicht füllen, haben wir es leicht nach unten angepasst.