Derart schnell war die Rückkehr wohl nicht geplant: Den Job als Kommerzchef am Lufthansa-Hub München und Marketing-Boss für den Konzern hatte er erst im Januar 2019 angetreten. Doch dann kam Corona und mit dem Virus die Liquiditätskrise – und bald wurden Verhandlungen mit Bundesbern über Hilfen unausweichlich.

Und hier ist Markus Binkert ein klares Asset. Denn unabhängig von seinem fachlichen Können und seinem unprätentiösen Auftritt ist er nun einmal: ein Schweizer. Und in solchen Situationen, wo CEO und Finanzchef die Speerspitze einer Firma sein  müssen, hilft es sehr, wenn einer von beiden die Sprache der Politiker und Beamten spricht. 

Dass Swiss-Chef Thomas Klühr dies erkannt hat, obwohl er mit seiner besonnenen Art trotz der unleugbar deutschen Herkunft selber gut ankommt – das spricht für Klühr. Zumal der zweite Schweizer in der Konzernleitung, Thomas Frick, als Operationschef nicht die Verhandlungen führen kann. 

Die Beziehungen zur Politik werden wichtig bleiben, das eröffnet Perspektiven für den 48-jährigen Binkert. Denn Klühr wird in zwei Jahren 60; zumindest für Konzernvorstände ist das die übliche Altersgrenze bei der Lufthansa. Binkert muss nun eben gute Arbeit abliefern.
 

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Die Familie

Markus Binkert ist verheiratet, seine Frau Susanne Neeracher hat er zu Schulzeiten kennengelernt. Die beiden haben eine 14-jährige Tochter und einen 13-jährigen Sohn, die Familie lebt in Erlenbach. Binkert ist in Zürich aufgewachsen, hat das Gymnasium Hohe Promenade besucht.

Eine wichtige Rolle in seinem Leben spielt sein Bruder Christoph Binkert. Er ist Professor und Chefarzt für Interventionelle Radiologie am Kantonsspital Winterthur. Mit ihm hat er früher in Bands musiziert, etwa Funk-Musik: Binkert lernte zunächst Cello, spielte später auch Gitarre und E-Bass.

Musiziert wird heute aber nur noch zu Hause. Dafür joggt Binkert und fährt Velo, spielt Tennis und ist vor allem begeisterter Skifahrer. Mit Bruder Christoph hat er eine (Ski-)Ferien-Bleibe in Valbella.

Markus Binkert mit Gattin Suanne.

Markus Binkert mit Gattin Suanne.

Quelle: ZVG

Die Karriere

Für einen Airliner bei Swiss und Lufthansa ging Binkert einen ungewöhnlichen Weg – er ist eidgenössisch diplomierter Hotelier: Er absolvierte die hoch angesehene Hotelfachschule Lausanne und arbeitete dann einige Jahre in der Fünfsterne-Hotellerie, etwa im «Mandarin Oriental Hong Kong» oder im Londoner «Ritz».

Binkert setzte eine Fulltime-MBA-Ausbildung an der Kellogg Management School obendrauf und startete 2001 bei der Beratungsfirma Bain. Bald war er Teil des Teams, das der schlingernden neuen Swiss unter André Dosé half. Hier lernte er dann auch Dosés Nachfolger als CEO kennen, Christoph Franz, heute Konzernpräsident bei Roche.

Franz holte ihn 2005 zur Swiss, wurde Binkerts wichtigster Förderer und Wegbegleiter, heute sind sie gut befreundet. Bei Swiss arbeitete Binkert in seinen Funktionen im Verkauf und im Marketing eng zusammen mit Harry Hohmeister, dem er als Kommerzchef nachfolgte, als Hohmeister 2013 CEO der Swiss wurde. Binkert verantwortete den neuen Marktauftritt der Swiss und kennt von daher den Designer Tyler Brûlé gut.

Auch den aktuellen Swiss-Chef Thomas Klühr kannte er schon zuvor; von Zürich aus leitete Binkert ja die Ertragssteuerung für die ganze Lufthansa-Gruppe. Nach einem Intermezzo als Kommerzchef am Drehkreuz München ist er seit April Finanzchef der Swiss.

Thomas Klühr

Der aktuelle Swiss-Chef: Thomas Klühr.

Quelle: Silvia Weiss
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Die Netzwerke

Markus Binkert ist auch neben seinem Swiss-Job sehr aktiv. Als waschechter Zürcher ist er Supporter der Grasshoppers im Griffith-Club, den Headhunter Bjørn Johansson gründete. Zu den Gönnern von GC zählen auch illustre Namen wie Rolf Dörig oder Ernst Tanner.

Eigene fussballerische Ambitionen begrub Binkert nach seiner Jugendzeit als rechter Verteidiger beim FC Herrliberg. Dafür ist er Mitglied der Zunft zur Saffran, dortselbst Schützenmeister der Mörsergruppe. 

Prägende Figuren hier sind Zunftmeister Alex Rübel, im Hauptberuf noch Direktor des Zoos Zürich, und dessen Vorgänger, der Bankier und Filmproduzent Hans Syz.

Sehr aktiv ist er auch in der Swiss-American Foundation, an deren Young Leaders Conference er teilnahm. Von dort kennt er die Freisinnige Christa Markwalder oder den langjährigen Chef des Technologiekonzerns Autoneum, Martin Hirzel. Dieser wiederum brachte Binkert in den Beirat der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW), dem Hirzel vorsitzt.

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Dort trifft er Mobiliar-Urgestein Urs Berger und Swisscom-CEO Urs Schaeppi. Als Mitglied des Vorstands von Schweiz Tourismus hat er viel Austausch mit ST-Chef Martin Nydegger.

Ein Netzwerk der exquisiten Art sind die Baden-Badener Unternehmergespräche. Dort trifft sich die A-Liga von Corporate Germany. Schöner Zufall: Vorsitzender ist Lufthansa-Aufsichtsratschef Karl-Ludwig Kley.