Wer sich in der heimischen Start-up-Szene umblickt, kann sich einer gewissen Faszination nicht erwehren. Den Ideen der Jungunternehmer sind kaum Grenzen gesetzt: Projektion von Infos auf Autoscheiben, künstliche Intelligenz für autonomes Fahren, Roboter für die blitzschnelle Sortierung von Körnern, Instrumente auf Basis virtueller Realität, Geräte für die Schnellanalyse von Allergien, Fernüberwachung der Gesundheit von Pferden, ein neues Verfahren zur Glättung von Falten, ein Onlinemarktplatz für Luxusuhren.

Das Umgiessen selbst ungewöhnlicher Einfälle in ein erfolgversprechendes Geschäftsmodell scheitert nur noch selten an der Finanzierung. Längst haben professionelle Investoren erkannt, dass mit manchem Jungunternehmen ein hoher Return zu erzielen ist. Gesucht sind vor allem technologiegetriebene Start-ups: Diese haben im letzten Jahr die Rekordsumme von 1,24 Milliarden Franken eingesammelt. Heute werden jährlich rund 300 solche Unternehmen gegründet, viermal mehr als 2002.

Schweizer Einhörner

Die Investorengelder fliessen immer üppiger. Für Schlagzeilen sorgte Anfang Mai der Waadtländer Guillaume Pousaz. Die von ihm 2012 gegründete Checkout.com holte sich 230 Millionen Dollar an Neugeld, und zwar in der ersten Finanzierungsrunde – Europarekord. Die Londoner Jungfirma sorgt für reibungslose Finanztransaktionen zwischen Bezahldiensten und Internetplattformen. Das Unternehmen gilt als Einhorn, also als Start-up, das mit gut einer Milliarde bewertet wird.

Guillaume Pousaz

Guillaume Pousaz: Die von ihm 2012 gegründete Checkout.com holte sich in der ersten Finanzierungsrunde 230 Millionen Dollar – Europarekord.

Quelle: ZVG
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Für Aufsehen sorgte vor kurzem auch GetYourGuide, ein Berliner Start-up mit Schweizer Wurzeln. Das Geschäftsmodell – über eine Onlineplattform können touristische Aktivitäten sowie Tickets für Sehenswürdigkeiten gebucht werden – kommt bei Investoren derart gut an, dass nach mehreren Finanzspritzen jüngst zusätzliche 484 Millionen Dollar ins Unternehmen geflossen sind. Womit auch GetYourGuide zur seltenen Rasse der Einhörner zählt.

Die jungen Reichsten

BILANZ präsentiert zum fünften Mal die 100 (Erfolg-)Reichsten unter 40 Jahren aus Wirtschaft und Sport. Mehr über die spannende Welt der reichen Jungunternehmer, der bestverdienenden Sportler und der rührigsten Erben lesen Sie hier.

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Die Schweizer Start-up-Szene braucht den internationalen Vergleich nicht zu scheuen. Insbesondere in den Bereichen Pharma, Medizintechnik, Finanzservices und industrielle Fertigung weist unser Land viele und überdurchschnittlich erfolgreiche Start-ups auf. Dabei haben sich im Grossraum Zürich sowie in den Kantonen Waadt und Genf regelrechte Start-up-Cluster gebildet.

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Unterstützung durch ETH und EPFL

Der Grund ist bei der ETH Zürich sowie der EPFL Lausanne zu suchen. Viele Studenten setzen neue Geschäftsideen bereits während des Studiums um, unterstützt durch Manpower und Kapital der Hochschulen. Später wird das Jungunternehmen abgespalten und in die Selbständigkeit entlassen. Vergangenes Jahr wurden alleine an der ETH 27 Spin-offs gezählt – doppelt so viele wie vor fünfzehn Jahren. Unter den Neu-Unternehmern sind viele Ausländer zu finden. Nach dem Studium in der Schweiz nutzen sie die guten Rahmenbedingungen des Landes, um hier ihre Visionen zu verwirklichen.

Lea von Bidder

Lea von Bidder verhilft Frauen mit ihrer Firma Ava zu Schwangerschaften.

Quelle: Martin Klimek

Rund zwei Drittel der aufgeführten 100 (Erfolg-)Reichen unter 40 Jahren sind Unternehmer. Bereits in jungen Jahren zum Multimillionär kann man es aber auch als Sportler schaffen. Tennisstar Roger Federer spielt zwar auch hier in einer eigenen Liga. Doch in anderen Sportarten lassen sich ebenfalls Millionen verdienen. Saftige Saläre bietet der Fussball – doch wer es als Eishockeyspieler oder Basketballer in die amerikanischen Profiligen NHL respektive NBA schafft, streicht oft eine noch grössere Börse ein.

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Innovative Erben

Auf den ersten Blick eine exotisch anmutende Kategorie bilden die Erben. Allerdings möchten wir zeigen, dass viele Kinder der 300 Reichsten in der Schweiz beweisen wollen, dass sie auch aus eigener Kraft ein Unternehmen auf die Beine stellen können. Pascal Behr, Marc Lemann, Alexander de Carvalho oder Aline Marquard haben Firmen gegründet und wirtschaften erfolgreich. Andere künftige Erben wie Nicolas Jacobs, Guy Schwarzenbach oder Thomas Archer Bata arbeiten im Familienunternehmen. Da wurden jeweils die zu erwartenden Erbanteile zugerechnet. Bei Firmengründern dagegen wurden ihre Anteile am geschätzten Wert des Unternehmens aufgeführt.

Pascal Behr, CEO Cytosurge, am 15.05.2019 an deren Sitz in Glattbrugg/ZH.

Pascal Behr gründete das ETH-Spin-off Cytosurge, das unter anderem die kleinste «Spritze» der Welt entwickelt hat.

Quelle: DANIEL WINKLER FOTOGRAFIE

Bei Start-ups sind solche Berechnungen schwierig. Häufig ist ausser guten Ideen, hohem Arbeitseinsatz und viel Enthusiasmus nicht viel mehr vorhanden. Erst wenn sich abzeichnet, dass das Geschäftsmodell erfolgreich sein dürfte, tauchen Investoren auf. BILANZ stellt denn auch in erster Linie auf Finanzierungsrunden ab.

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Ein Beispiel: Start-up XY erhält 40 Millionen Franken Kapital und gibt den Geldgebern dafür 40 Prozent der Aktien ab. Damit hat das Unternehmen einen theoretischen Wert von 100 Millionen. Die vier Gründer halten 60 Prozent, das entspricht pro Kopf 15 Prozent oder 15 Millionen. In unserer Aufstellung würde einer der Gründer demnach mit einem geschätzten Anteil von 10 bis 20 Millionen aufgeführt.