Eben hat Sulzer ihr Revirement an der Führungsspitze angekündigt, als Nächstes wird nun OC Oerlikon dran sein, die neben Sulzer zweite grosse Industriebeteiligung des russischen Oligarchen Viktor Vekselberg in der Schweiz.

Auf die nächste Generalversammlung am 5.  April soll Verwaltungsratspräsident Michael Süss in die Funktion des Executive Chairman wechseln, also zusätzlich zur strategischen auch noch die operative Leitung des Technologiekonzerns mit Sitz in Pfäffikon SZ übernehmen.

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Das erfuhr BILANZ aus verschiedenen gut informierten Quellen. Die Diskussion um die zukünftige Führungsstruktur wurde bereits 2019 begonnen, kurz nach dem Verkauf der Getriebesparte an den US-Konzern Dana. Wegen der Corona-Pandemie wurde aber keine formelle Entscheidung getroffen. Das soll nun Anfang 2022 passieren.

«Zum aktuellen Zeitpunkt gibt es keine Entscheidungen bezüglich einer Veränderung in der strategischen und operativen Führung des Unternehmens», bestätigt Süss indirekt.

Fischer

OC Oerlikon: CEO Roland Fischer ist seit März 2016 im Amt

Quelle: Gerry Nitsch

Unklar ist die Zukunft von CEO Roland Fischer. Der gebürtige Deutsche leitet OC Oerlikon seit März 2016. Im Board wird seine Leistung respektiert, auch wenn unter seiner Führung der Aktienkurs summa summarum nicht vorwärtsgekommen ist – was aber auch an den US-Sanktionen gegen Grossaktionär Vekselberg liegen dürfte.

Zuletzt hat sich das operative Geschäft jedoch gut entwickelt: Für dieses Jahr erwartet OC Oerlikon einen Rekordumsatz von 2,6 Milliarden Franken und eine bereinigte Ebitda-Marge von 16,5 Prozent.

Auch wenn das Doppelmandat verpönt ist: Eine Verschlankung der Führungsetage bei OC Oerlikon wäre sinnvoll. Seit dem Verkauf der Getriebesparte besteht der Konzern nur noch aus zwei Divisionen, die dafür mit jeweils eigenem CEO: Beschichtungstechnologie unter Markus Tacke und Chemiefaser-Produktionsmaschinen unter Georg Stausberg.

Zudem gilt Süss als sehr aktiver Chairman, der sehr viel mehr ins Tagesgeschäft eingreift, als es das Schweizer Rollenverständnis traditionell vorsieht.

Leicht erholt

US-Sanktionen belasteten lange den Kurs von OC Oerlikon.

oc oerlikon
Quelle: Bloomberg

Der Gestaltungsspielraum für Fischer ist daher überschaubar. Andererseits gelten Süss/Fischer als eingespieltes Team: Bereits in den 2000er Jahren arbeiteten sie zusammen beim Münchner Triebwerkshersteller MTU, später rapportierte Fischer an Süss, als der Leiter der Energiesparte bei Siemens war.

Finanziell würde sich der Griff zum Doppelmandat für Süss lohnen: Als Präsident erhält er derzeit ein Salär von 690 000 Franken.

Der CEO-Posten ist mit rund 3,3 Millionen Franken dotiert. Der Unterstützung von Vekselberg kann sich der Oberbayer sicher sein: Süss hat an den verschiedensten Stellen wiederholt politisch lobbyiert für die Aufhebung der US-Sanktionen gegen den Oligarchen.