Der Schweizerische Gewerbeverband hat sich in den vergangenen gut zehn Jahren zu einer starken, aber auch äusserst eigenwilligen, kompromisslosen und kampflustigen Organisation entwickelt, die keine Auseinandersetzungen scheut und auch gerne mal die anderen Wirtschaftsverbände das Fürchten lehrt. Doch damit soll jetzt Schluss sein, jedenfalls wenn es nach dem Willen des neuen Präsidenten Fabio Regazzi geht. «Wir müssen klarere Prioritäten setzen und uns hauptsächlich um die Probleme und Sorgen der KMUs kümmern», sagt der Tessiner Unternehmer und CVP-Nationalrat, der das Präsidium Ende Oktober von Jean-François Rime übernommen hat. Sololäufe zur Profilierung und Attacken auf andere Wirtschaftsverbände sind unter Regazzi nicht mehr erwünscht. So hat er – kaum im Amt – seinen Gewerbeverband als Zeichen der Versöhnung in die Phalanx der Wirtschaftsorganisationen gegen die Konzernverantwortungsinitiative eingereiht.

Mehr Harmonie mit Economiesuisse und Co. dürfte aber gleichzeitig zu mehr Misstönen innerhalb des Gewerbeverbands führen. Denn ob sich Verbandsdirektor Hans-Ulrich Bigler an den neuen, sanfteren Kurs gewöhnen wird, muss sich erst noch weisen.