«Das hier», sagt Dirty Harry Callahan, zynischster Gesetzeshüter der westlichen ­Hemisphäre, «ist eine 44er Magnum. Die stärkste Handfeuerwaffe der Welt. Die bläst dir das ­Gehirn aus dem Schädel.» Rumms. Warum fällt mir das ein, während ich im Levante Trofeo auf dem Gaspedal stehe?

Eine 44er Magnum ist ein urtümliches Ding, schwer zu kontrollieren. Die Bezeichnung meint nicht den monströsen Revolver, mit dem sie verschossen wird, sondern die Patrone, «Magnum» verweist zudem auf erhöhte Leistungsfähigkeit.

Der Maserati-SUV in der Topausführung ­Trofeo ist dafür das passende Transportmittel. Auch er hat was Urgewaltiges. Beim Beschleunigen sorgen die 580 Pferde für so viel Vortrieb, dass das Heck fühlbar eintaucht – beim Mittelklasse-Mercedes der 70er und 80er war selbiges derart ausgeprägt, dass dieses Verhalten einen eigenen Namen bekam: «Bonanza-Effekt».

Nicht komplett kontrollierbar

Auch dank der 2,2 Tonnen Leergewicht beschleicht mich als Fahrer ständig die leise Befürchtung, dieses Gerät nicht völlig im Griff zu haben, und besser nicht mit zu viel Gottvertrauen und zu viel Tempo in enge Kurven einzubiegen. Klar, auch Maserati weiss, wie man mit Elektronik ein Auto auf den Rädern hält. Aber der Trofeo sorgt immer noch für das prickelnde Gefühl, dass diese Maschine ­irgendwie auf Speed ist, nicht komplett kontrollierbar – wer sich einige Wochen einfährt, verliert diesen Nervenkitzel mit Sicherheit.

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Es ist ein seltener, archaischer Reiz, den moderne Autos ansonsten kaum noch auslösen können. Wie eine 44er ­Magnum unter all den Glocks, Walthers und SIG Sauers. Was soll ich sagen: Make my day!

Maserati Levante Trofeo

Kann sich auch von innen sehen lassen: Der Levante Trofeo hat eine sportwagentypisch tiefe Sitzposition.

Quelle: PD

Optisch ist der Trofeo gelungen. Sehr bullig von vorn, Kühlschlund und die Lufteinlässe genauso riesig wie der Dreizack an der Front. Standesgemäss, auch preislich, rollt das Topmodell auf monströsen 22-Zöllern, ist drei Zentimeter tiefer gelegt als seine schwachbrüstigeren Levante-Artgenossen.

Auch Gestühl und Interieur können sich sehen lassen, man sitzt gut, allerdings fühlt man sich sehr hoch postiert, und dennoch gibt sich die Karosserie nicht besonders übersichtlich. Eine sportwagentypisch tiefe Sitzposition, wie man sie sich im Alfa Stelvio bei etwas Vorstellungskraft herbeifühlen kann, kommt hier eher nicht auf.

Dafür liefert der V8-Motor aus dem Ferrari-Regal irren Vortrieb, bis auf genau 300. So schnell war noch kein Maserati, never ever. Trofeo-Piloten können also mit den nur wenige Km/h schnelleren Bentley Bentayga, Audi RS Q8 und Lamborghini Urus auf Augenhöhe racen. Da freut sich das Volk auf den deutschen Autobahnen. Make their day!

Maserati Levante Trofeo
Antrieb:
3,8-Liter-V8-Benziner
Verbrauch: 13,1 Liter Super Plus
Leistung: 580 PS (427 kW)
0–100 km/h: in 4,1 s
Vmax: 300 km/h
Preis: ab 178 450 Franken

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