Jahrelang verharrte die Schweizer Uhrenindustrie vor der Smartwatch wie das Kaninchen vor der Schlange. Lediglich TAG Heuer versuchte sich glaubhaft in dem Markt, alle anderen spielten die Gefahr durch Apple, Samsung und Co. herunter. Die Swatch Group, der weltgrösste Uhrenhersteller, kündigte 2017 immerhin an, ein eigenes Betriebssystem für Uhren zu entwickeln. Jetzt ist – mit ziemlicher Verzögerung – die erste Uhr damit erschienen.

Die T-Touch Connect Solar von Tissot unterscheidet sich auf den ersten und auch auf den zweiten Blick nicht von einer klassischen Uhr. Mit 47 Millimetern Durchmesser wirkt sie recht massiv, ist dank ­Titangehäuse aber leicht zu tragen. Das initiale Setup ist sehr hakelig (man muss aus Sicherheitsgründen etwa das Datum manuell einstellen); ich brauchte rund ein Dutzend Anläufe, bis es mir unter Anleitung des Tissot-Chefs schliesslich gelang.

Kleiner Screen wegen Solarzellen

Als regelmässiger «Crashtest»-Leser wissen Sie, dass ich kein Fan von Smartwatches bin, weil der Akku nie länger als zwei Tage hält. Die Tissot ist die erste Uhr, die das Problem sehr elegant löst: Die ­oberen zwei Drittel des Zifferblatts sind mit Solarzellen bedeckt und generieren Strom. Die mitgelieferte Ladestation braucht man im schlimmsten Fall alle sechs Monate und im besten Fall gar nie. Das ist wirklich ein Durchbruch und der grosse Trumpf der T-Touch Connect Solar.

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Tissot T-Touch Connect Solar

Die ­oberen zwei Drittel des Zifferblatts sind mit Solarzellen bedeckt, entsprechend klein ist der Bildschirm.

Quelle: PD

Umgekehrt heisst das natürlich, dass für den Bildschirm nur noch eine winzige Fläche zur Verfügung steht. Entsprechend schlecht lesbar ist er.

Bedient wird die Uhr über die Krone, zwei Drücker und sechs berührungsempfind­liche Zonen auf der Lünette. Das ist nicht immer intuitiv; um etwa eine Push-­Nachricht zu lesen, muss man sich durchs Menu hangeln, statt einfach draufdrücken zu können.

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Vor allem Basisfunktionen

Wegen des kleinen Screens, aus Batterie- und aus Datenschutzgründen kann die Tissot vieles nicht, was sonst Standard ist: Schlaf- oder Gesundheits­daten erfassen, Apps installieren, telefonieren, andere Geräte steuern, Aktivitäten messen, bezahlen. Es bleiben Basisfunktionen wie Wetter, Schrittzähler, Höhenmeter, Kompass, Timer und das Ablehnen von Anrufen.

Immerhin ist die Uhr wasserdicht, und jedes Jahr sollen per Software-Update neue Features hinzukommen – als Nächstes etwa ein Wegfinder für das eingebaute, bisher aber nutzlose GPS.

Ob das reicht, um gegen die Herausforderer aus Fernost und den USA zu be­stehen?

Fazit: Wer eine klassische Smartwatch sucht, wird mit der Tissot nicht glücklich. Wer eine klassische Uhr mit Zusatzfeatures sucht, sehr.

Tissot T-Touch Connect Solar
Info: www.tissotwatches.com
Preis: 995 Franken

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Bewertung: ★★★☆☆  

★ Technoschrott ★★ verzichtbar ★★★ nice to have ★★★★cool ★★★★★wegweisend