Die Gruppe war bewusst klein gehalten: Ein knappes Dutzend Personen war insgesamt bei UBS und CS in die gemeinsamen Fusionsgespräche involviert. Doch dann liess das Branchenportal «Inside Paradeplatz» am 14. September die Bombe platzen und ­verkündete, UBS-Präsident Axel Weber wolle seine Bank in eine Fusion mit der CS führen – was den Plänen nicht eben zugute kam.

BILANZ hatte Gelegenheit, mit zwei Personen zu sprechen, die direkt in die Fusionsverhandlungen involviert sind. Sie bestätigen, dass es zwischen UBS und CS Gespräche über einen Zusammenschluss gibt. Oder besser gesagt: gab, denn inzwischen ruht die Sache weitgehend. «Es gab im ersten Halbjahr Verhandlungen. Aber nach den Sommerferien haben keine Gespräche mehr stattgefunden», so der In­sider. UBS und CS nehmen zu den Spekula­tionen um eine Fusion keine Stellung.

«Beide Präsidenten wollen diese Fusion»

Laut einer zweiten Gewährsperson aus der Verhandlungsgruppe soll man sich im Grundsatz schnell einig gewesen sein – zumindest gilt das für Axel Weber und sein CS-Pendant Urs Rohner: «Beide Präsidenten wollen diese Fusion.» Es habe schon mehrmals Projekte für einen Zusammenschluss zwischen UBS und CS gegeben. «Doch so ernst wie jetzt haben sie es noch nie angeschaut.»

In der Theorie macht ein Zusammenschluss strategisch Sinn. So würden UBS und CS zusammen ihre Führerschaft im weltweiten Private Banking so weit ausbauen, dass sie zum «Category Killer» aufstiegen, wie es im Kreise der Verhandlungsdelegation gerne genannt wurde. Zudem sind beide Banken im Investmentbanking komplementär: Die UBS ist stark im Aktienbereich, die CS im M&A-Geschäft oder im Schweizer Investmentbanking. Auch im darbenden Asset Management hätte man endlich die nötige Grösse.

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Viel spricht aber auch dagegen. Etwa die kartellrechtlichen Aspekte, beherrschen die beiden Banken doch einen Grossteil des Heimmarktes, vor allem bei den Firmenkunden. Zudem würde eine Fusion grosse Unruhe bei beiden Banken schüren, und dies wohl über fast zwei Jahre, denn so lange würde es dauern, bis alle regulatorischen Prüfungen abgeschlossen wären. Ein gefundenes Fressen für alle Konkurrenten, um beiden Banken die besten Leute auszuspannen.

Kein Wunder, gab es auf beiden Seiten auch gewichtige Gegner: «Im Gegensatz zu den Präsidenten standen andere Mitglieder der Delegationen einer Fusion eher skeptisch gegenüber», so einer der Insider.

CS-Kurs um 30 Prozent abgestürzt

Als wären all diese Hürden nicht schon hoch genug, hat auch noch die Börse den Fusionsarchitekten in die Suppe gespuckt. Denn der Kurs der CS ist stark abgestürzt – seit Anfang Jahr verlor sie 30 Prozent, die UBS dagegen nur 15 Prozent. Das hat das Austauschverhältnis verzerrt.

Lag es bei der Lancierung der Pläne noch vor der Corona-Krise bei 44 (CS) zu 56 Prozent (UBS) und damit nur ganz knapp unter dem als untere Grenze für einen Merger of Equals geltenden Wert von 45 zu 55, so ist es inzwischen eher bei 35 zu 65. Es wäre also derzeit keine Fusion unter Gleichen mehr, und die UBS-Aktionäre würden es kaum goutieren, der CS einen Aufpreis zu bezahlen. Das soll Weber, dem Treiber der Fusion, den Wind aus den Segeln genommen haben.

Zudem dürfte auch sein neuer CEO Ralph Hamers Schwierigkeiten haben, das Fusionsprojekt in seiner Konzernleitung durchzuboxen. Auf beiden Seiten wird deshalb bezweifelt, dass das Vorhaben einer Fusion nochmals genügend Schwung aufnehmen kann.

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