Es war sein erster Auftritt als neuer Chef, in diesen speziellen Zeiten nur als Telefonkonferenz, und wer der Tonspur lauschte, konnte zunächst meinen, der alte Chef sei noch immer an Bord. Der gleiche südafrikanische Akzent, der die «e» zu einem lang gedehnten Laut formt: «theeeere», «eeeeverywheeere». War da immer noch Langzeit-Dominator Ivan Glasenberg in der Leitung? Doch dann, am Ende der Medienrunde zur Präsentation der Halbjahreszahlen Anfang August, sprach Gary Nagle einen Satz, den man Glasenberg kaum zuschreiben würde: «Die Umwelt ist wichtiger als Profit.»

Ein Übertragungsfehler? Der grösste Rohstoffhändler der Welt als grüner Champion? Die wohl härteste Händlerkultur des Planeten nicht mehr profitbesessen? Natürlich lieferte der 46-jährige Nagle, seit dem 1.  Juli CEO von Glencore und wie sein Vorgänger in Johannesburg aufgewachsen, auch gleich die Erklärung: «Nur wenn wir die Umwelt und unsere Mitarbeiter schützen, können wir reibungslos arbeiten. Die Profite folgen dann automatisch.» Klingt einleuchtend. Aber dennoch: Meinen die das ernst – bei der Geschichte?