In Sachen Luxus ist die Schweiz keine Wüste, aber doch ein sehr kleiner Punkt auf der Landkarte. Da dominieren Frankreich, Italien, die USA. Mit einer wichtigen Ausnahme: Uhren. Da macht den Schweizer Anbietern im oberen und obersten Segment niemand was vor.

Und die Uhren, die ihre Sammler arm machen, machen gleichzeitig die Familien, die hinter den grossen Marken stehen, reich. Schwerreich sogar. Hier die reichsten Uhren-Dynastien aus der Liste der 300 Reichsten der «Bilanz».

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Familie Stern

GE, Uhren

▶  4–4,5 Milliarden

Die Patek-Philippe-Gruppe, die weltweit fast 3000 Mitarbeitende beschäftigt, gibt wie seit eh und je keine Umsatzzahlen bekannt. Einen Hinweis auf die Verkäufe der Edelmarke liefert der «Morgan Stanley Swiss Watch Industry Report 2023». Danach hält Patek Philippe am Uhrenmarkt mit einem Gesamtwert von über 50 Milliarden Euro einen Anteil von rund fünf Prozent. Damit läge der Umsatz bei 2,5 Milliarden Franken. Die Manufaktur ist seit 1932 im Besitz der Familie Stern und wird heute von Thierry Stern (53, im Bild) präsidiert. Er bereitet die reibungslose Übergabe vom derzeitigen CEO Claude Peny (72), der sich zurückziehen will, zu Laurent Bernasconi vor, der 2023 Generaldirektor wurde. Nach der Übernahme von Bucherer durch Rolex ist Patek Philippe das einzige Mitglied der Big Four der unabhängigen Uhrenhersteller ohne eigenes Vertriebsnetz – wenn man von drei Verkaufssalons in Genf, London und Paris absieht.

Familie Hayek

NW/ZG/VD, Uhren

▲  3,5–4 Milliarden

Nach dem Grosserfolg der MoonSwatch letztes Jahr, einer Kooperation von Omega und Swatch, brachte Swatch-Group-CEO Nick Hayek (Bild) diesen September erneut ein Fusionsprodukt auf den Markt: die Blancpain × Swatch. Und auch für diese fünf Modelle standen die Kunden stundenlang Schlange vor den Läden, die Uhren waren innert kürzester Zeit ausverkauft.Das passt ins Bild: Letztes Jahr hat die Swatch Group einen Umsatz- und Gewinnzuwachs verbuchen können, heuer könnten gar Rekordergebnisse drinliegen. Die Lockerungen in China helfen dabei. An der Börse ist der Aufwärtstrend bisher nur verhalten zu spüren – dass sich Konkurrent Rolex die Händlerkette Bucherer einverleibt hat und damit Einblick in die Umsatzzahlen der 17 Swatch-Group-Marken erhält, hat sicher nicht geholfen. Die Familie um Nick, Nayla und Marc Hayek hält 25,1 Prozent des Kapitals und 42,7 Prozent der Stimmen beim weltgrössten Uhrenhersteller. Marianne Hayek, Gattin von Konzerngründer Nicolas G. Hayek, ist diesen Frühling verstorben.

Familien Audemars, Piguet

VD, Uhren, Luxusgüter

▶  3–3,5 Milliarden

Für die Edel-Uhrenmanufaktur Audemars Piguet beginnt eine neue Ära. Vor gut einem Jahr ist nach 30 Jahren an der Spitze des Verwaltungsrats Jasmine Audemars zurückgetreten. Neuer Präsident ist Alessandro Bogliolo, der ehemalige Chef des US-Schmuckkonzerns Tiffany & Co. Zudem ersetzt Ilaria Resta Ende Jahr François-Henry Bennahmias als CEO. Resta war zuvor für den Parfumkonzern Firmenich tätig. Vizepräsident bleibt Olivier Audemars (Bild). Die Manufaktur investiert weiterhin in ihre Produktionsanlagen. 2023 kaufte die Firma für 20 Millionen den vormaligen Industriebau des Pharmaunternehmens Uhlmann Eyraud in Meyrin. Die Übergabe des neuen Produktionsgebäudes, in dem die Herstellung von Uhrenbändern und -gehäusen geplant ist, sollte Ende 2025 erfolgen. Der «Morgan Stanley Swiss Watch Industry Report 2023» schätzt den Umsatz der Marke aus Le Brassus auf rund zwei Milliarden Franken.

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Familie Borer

BE, Beteiligungen, Hotels

▶  1,5–2 Milliarden

Die Luftfahrt bringt dem Rolex-Erben Daniel Borer (58) kein Glück. Nach dem Stopp seines geplanten Helikopter-Kompetenzzentrums in Grenchen schloss das Konkursamt Bern in diesem Sommer die Akte SkyWork. Die Airline, zu deren Geldgebern Borer gehörte, hob nie richtig vom Boden ab. Besser läuft es dem Facharzt für Innere Medizin in der Hotellerie. Nach dem Umbau des Spa durch den Künstler Daniel Pouzet etablierte sich das «Giardino Ascona», zu dessen Mitbesitzern Borer gehört, wieder unter den besten zehn Hotels der Schweiz. Seine Schwester Franziska Borer Winzenried engagiert sich unter anderem in der Stiftung Vinetum.

Familie Scheufele

VD, Uhren, Schmuck

▶  1,5–2 Milliarden

Vor 60 Jahren kaufte Karl Scheufele den Uhrenhersteller Chopard, der heute von seinen Kindern Karl-Friedrich Scheufele, dem Leiter der Uhrenabteilung, und Caroline Scheufele, der Chefin der Schmucksparte und künstlerischen Leiterin, geführt wird. Die dritte Generation der Familie macht mit den Kindern von Karl-Friedrich Scheufele ihre ersten Schritte im Unternehmen: Caroline-Marie arbeitet im Produktentwicklungsteam, und Karl-Fritz, der unter anderem an der Einführung der Sportuhr Alpine Eagle beteiligt war, kümmert sich um den Caveau de Bacchus und das Hotel 1, Place Vendôme in Paris, das nach vierjähriger Renovation wiedereröffnet wurde. Die Familie ist im Weiteren Eigentümer des Uhrenherstellers Ferdinand Berthoud, des Weinguts Château Monestier La Tour in der Dordogne sowie des Caveau de Bacchus in Genf. Der Umsatz von Chopard wird auf rund 800 Millionen Franken geschätzt. Das vergangene Jahr war geprägt von der Eröffnung eines neuen Flagshipstores an der Fifth Avenue in New York.

 

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