Es ist die wohl erste Uhr, die reden kann. Und sich selber vorstellt – ziemlich vollmundig sogar: «Ich bin die Inkarnation uhrmacherischen Deliriums», sagt sie über sich. Und: «Wenn ich ein Held wäre, dann wäre ich ein Badass wie James Bond.» 

Okay, klar, die neue UR-112 der Marke Urwerk kann natürlich nicht reden, die Worte wurde dem ungewöhnlichen Stück von PR-Leuten eingeflüstert. Aber sie passen gut zur Marke Urwerk.

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Seit über zwei Jahrzehnten agieren die Markengründer Felix Baumgartner (Jahrgang 1975) und Martin Frei (Jahrgang 1966) munter als Eisbrecher für eine neue Ästhetik und Technik im Uhrenbau. Und sorgen dabei für tosend frische Wogen im sonst eher braven helvetischen Uhrmacherei-Gewässer: Das Duo pflegt einen genuin eigenen Ansatz – frech, unkonventionell, disruptiv.

Resolut industriell und noch frecher als üblich

Das gilt auch für das diese Woche präsentierte neue Modell UR-112 «Back to Black». Sie ist unverkennbar eine Urwerk und doch ziemlich anders als ihre Vorgänger. Sie ist kantiger, viriler – resolut industriell in der Anmutung, kompromisslos architektonisch im Aufbau, noch frecher als üblich. Es gibt kein Würfeli, kein Karussell, keine Sektoranzeige über 120 Grad wie sonst so häufig bei Urwerk zu sehen. Dafür als Gehäuseoberteil eine Art stählerne Motorhaube, geriffelt und skelettiert – sehr autophil. Unter der Haube, die sich öffnen lasst, sind Nebenanzeigen, Gangreserve und digital angezeigte Sekunden versteckt. Springende digitale Stunden und schleppende digitale Minuten sind auf der Frontseite unter grossen Saphirgläsern zu sehen.

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«Benzin und Politurgeruch begleiteten meine Genese», sagt die Uhr über sich. Und Martin Frei weiss genau warum: «Felix und ich hatten das grosse Glück, die beeindruckende Automobilsammlung von Ralph Lauren bewundern zu dürfen. Mitten unter den seltensten Boliden stand der Bugatti Atlantic – wow! Es war Liebe auf den ersten Blick.»

Frei und Baumgartner waren «vollkommen überwältigt» vom Wagen aus den 1930er Jahren, von seinen «perfekten Kurven, die sich über das gesamte Chassis ziehende Linienführung»: «Dieser Bugatti ist eine Augenweide. Er stand für die ersten Entwürfe der UR-112 Pate.» Frei und Baumgartner sprengen mit ihren Kreationen schon immer lustvoll die Grenzen der traditionellen Haute Horlogerie. Und zeigen, dass diese nicht nur in den ewig gleichen Komplikationen mit den gleichen noblen Werkstoffen materialisiert werden muss. «Unser übergeordnetes Ziel ist es, die traditionellen Grenzen der Uhrmacherei hinter uns zu lassen», pflegt Martin Frei zu sagen. «Ich stamme aus einer Welt ungebremster Kreativität.»

Tatsächlich studierte Martin Frei in an der Hochschule für Gestaltung und Kunst und tobte sich zunächst mit Erfolg in verschiedensten kreativen Ausdrucksformen aus: Bildhauerei, Malerei, Video. Felix Baumgartner wiederum hat die Uhrmacherei sozusagen mit der Muttermilch aufgesogen. Er ist Enkel und Sohn von Uhrmachern und absolvierte die Schaffhauser Uhrmacherschule. Sein erstes Konzert, so sagt er gerne, sei das Ticken von 50 Uhren im väterlichen Atelier gewesen. 

Steckbrief UR-112

Abmessungen: Breite: 42 Millimeter, Länge: 51 Millimeter: Höhe: 14 Millimeter

Gehäusematerial: Titan und Stahl

Auflage: 25 Stück

Preis: 280’000 Franken (plus Umsatzsteuer)

Gangreserve: 48 Stunden

Anzeigen: Springende digitale Stunden und schleppende digitale Minuten auf Satellitenprismen, digitale Sekunden in Silizium, Gangreserveanzeige.

Urwerk-Uhr am Handgelenk eines Mannes, Nahaufnahme.

Die UR-112 «Back to Black».

Quelle: ZVG